Aktualisiert 18.07.2016 09:30

Statistik

Velodiebstähle kosten 50 Mio Franken – jedes Jahr

Die meisten Velos werden in den Städten und am Wochenende geklaut – im Sommer greifen Langfinger besonders gern zu. Der Schaden ist gross.

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bz/num
Jährlich gibt es in der Schweiz rund 40'000 Velodiebstähle.

Jährlich gibt es in der Schweiz rund 40'000 Velodiebstähle.

Kein Anbieter/AXA Winterthur

Die Gefahr, dass das Velo plötzlich verschwindet, ist gross. 40'000 Fahrräder werden in der Schweiz laut dem Bundesamt für Statistik pro Jahr gestohlen. Gemäss der Versicherung AXA Winterthur werden in den Monaten Juni, Juli und August rund 45 Prozent mehr Bikes gestohlen als im Durchschnitt.

Lag der durchschnittliche Schadenbetrag 2008 noch bei rund 1000 Franken, sind es heute rund 1300 Franken. Laut der Versicherung sind neuere Bikes häufig teurer als frühere Modelle und für Diebe zudem interessanter. Der Schadenbetrag beläuft sich laut AXA Winterthur auf jährlich rund 50 Millionen Franken.

Grosse Unterschiede zwischen Stadt und Land

Der grosse Velo-Report des Basler Versicherers Baloise zeigt, wo die Diebe am aktivsten sind und wie teuer die gestohlenen Fahrräder sind. Gemäss der Analyse von Schadensmeldungen sind die Unterschiede zwischen Stadt und Land frappant. In den Städten werden doppelt so viele Drahtesel gestohlen wie in ländlichen Gebieten. Auf 1000 Hausratsversicherte aus der Stadt kommen 22 geklaute Velos. Auf dem Land sind es dagegen gerade einmal 8.

In Basel, Thun und Biel sind die Diebe am aktivsten

Die Versicherung hat zudem 140 Städte genauer unter die Lupe genommen. Dabei geht die Stadt Basel als Hochburg der Velodiebe hervor, doch auch alle anderen grossen Städte wie Bern, Zürich und Genf schaffen es in die Top 20.

«Basel gehört zu den beliebtesten Velostädten. Möglicherweise ist Basel deshalb auch so attraktiv für Diebe», sagt Sergio Gansser, Leiter Sach und Transport bei der Baloise. Von den grösseren Städten schneidet Freiburg am besten ab. Gallus Risse, Mediensprecher der Kantonspolizei Freiburg, hat dafür eine Erklärung: «Unsere Veloparkplätze sind gut beleuchtet, stark frequentiert und bieten gute Möglichkeiten, um das Velo zu sichern.» Teilweise seien auch Überwachungskameras im Einsatz. «Zudem haben wir viele Elektrovelofahrer, die alles daran setzen, ihr Velo vor Dieben zu schützen.»

Die gestohlenen Velos sind immer wertvoller

Besonders haben es Velodiebe auf Modelle der Marken Scott, Wheeler und Stevens abgesehen. Die Autoren der Auswertung stellen fest, dass immer hochwertigere Velos gestohlen werden. Das belegen die Kosten pro Schadenfall, die in den letzten zehn Jahren um rund 30 Prozent zugenommen haben. Gansser sagt: «Zum einen scheint es eine Entwicklung zum Kauf von hochwertigen Fahrrädern zu geben, zum anderen spezialisieren sich die Diebe auf Velos, die einen möglichst hohen Gewinn abwerfen.»

Wann und wo schlagen die Diebe zu?

Am häufigsten schlagen die Diebe an Bahnhöfen, in Bahnhofsquartieren und auf öffentlichen Plätzen zu. Grosse Coups gelingen ihnen auch in gemeinschaftlichen Velokellern von Mehrfamilienhäusern. Hochsaison haben die Diebstähle im Sommer. Am häufigsten gehen die Täter am Freitag und Samstag auf Diebestour.

Unter der Woche würden viele Leute mit dem Velo zur Arbeit fahren und es zum Beispiel auf dem Firmengelände abstellen, sagt Gansser. «Am Freitag und Samstag aber gehen viele in den Ausgang und parkieren das Fahrrad an öffentlichen Plätzen – oft auch über Nacht.»

Wo landen die gestohlenen Zweiräder? Laut René Gsell, Kriminalkommissär bei der Staatsanwaltschaft Basel, verfrachten die Diebe, die meist aus Frankreich, Deutschland oder dem Ostblock stammen, die Beute häufig ins Ausland. «Als Grenzkanton bietet sich Basel für die Diebstähle geradezu an», sagt Gsell. Oft tauchen die Velos nie mehr auf. Die Aufklärungsquote liegt derzeit bei 2,3 Prozent.

Damit das Velo nicht zur Beute wird

Die Baloise empfiehlt, das Velo mit einem qualitativ hochwertigen Bügel- oder Kettenschloss zu sichern. Auch Rahmenschlösser eignen sich. Damit sich Kurzparkierer nicht über Spontandiebstähle ärgern, schliessen auch sie das Velo ab. Zwei verschiedene Schlösser senken die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls massiv, da die meisten Diebe nur auf ein Schlossmodell spezialisiert sind. Velofahrer sollen gut einsehbare Orte als Abstellplatz wählen. Gegen den Diebstahl von Sätteln helfen Spanner, die mit speziellem Werkzeug geöffnet werden müssen. Für den Fall, dass das Velo gestohlen wird, rät die Baloise, beim Velokauf eine Bestätigung der Rahmennummer zu verlangen und diese zu notieren. Laut der Versicherung liefert die Studie wichtige Erkenntnisse darüber, wie sich ihre Kunden in Zukunft noch besser vor Diebstahl schützen können. «Wir können daraus viele präventive Tipps ableiten, die wir an Velofahrer weitergeben können», sagt Sergio Gansser.

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