Zürcher Multimillionär attackiert: Velofahrer fährt über Rot – Streit mit SUV-Fahrer eskaliert
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Zürcher Multimillionär attackiertVelofahrer fährt über Rot – Streit mit SUV-Fahrer eskaliert

Ein Autofahrer und ein Velofahrer kamen sich im Oktober 2019 in die Haare. Als Teil des Verfahrens verlangte Multimillionär Steff Fischer ein öffentliches Streitgespräch mit dem Autofahrer.

von
Lynn Sachs
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Der Zürcher Multimillionär Steff Fischer ist Velofahrer aus Leidenschaft.

Der Zürcher Multimillionär Steff Fischer ist Velofahrer aus Leidenschaft.

20m/sac
Auf der Stauffacherbrücke kam es zwischen ihm und einem Audi-Fahrer zu einem Streit.

Auf der Stauffacherbrücke kam es zwischen ihm und einem Audi-Fahrer zu einem Streit.

20m/sac
Als Teil des Verfahrens forderte Fischer ein öffentliches Streitgespräch mit dem Autofahrer.

Als Teil des Verfahrens forderte Fischer ein öffentliches Streitgespräch mit dem Autofahrer.

20m/sac

Darum gehts

  • Im Oktober 2019 kam es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen einem Autofahrer und einem Velofahrer.

  • Der Velofahrer, der über Rot gefahren war, zeigte den Autofahrer wegen Körperverletzung an.

  • Als Teil des Verfahrens forderte er ein medial begleitetes Gespräch mit dem Autofahrer. 20 Minuten war dabei.

Dieser Streit zwischen einem Velofahrer und einem Autofahrer nimmt ein ungewöhnliches Ende. 2019 waren sich zwei Männer in die Haare geraten, nachdem der Zürcher Multimillionär Steff Fischer bei der Stauffacherbrücke mit seinem Velo über Rot gefahren war. Die Situation eskalierte. «Der SUV-Fahrer wollte mich von der Brücke werfen», sagte Fischer damals. Darüber, was genau geschah, sind sich die Männer bis heute nicht einig.

Kürzlich trafen sich die beiden Streithähne wieder – für ein klärendes Gespräch bei der Staatsanwaltschaft. Das war der Deal, den Fischer verlangt hatte. «Ich will kein Geld. Ich möchte lieber die Aggression gewisser Autofahrer gegenüber dem Veloverkehr verstehen.» Danach habe sich die Sache für den Velofahrer erledigt. 20 Minuten war beim Streitgespräch dabei. Aus Persönlichkeitsschutz wollte der Audi-Fahrer anonym bleiben.

«Mich ärgern solche selbsternannten Polizisten»

Steff Fischer: «Ich bin mit dem Velo an der Kreuzung vor der Stauffacherbrücke über Rot gefahren und links abgebogen. Da hörte ich ein Hupen zu meiner Rechten. Ich verwarf die Hände. Mich ärgern solche selbsternannten Polizisten.»

Autofahrer: «Als die Ampel an der Kreuzung auf Grün wechselte, fuhr ich los. Kurz vor der Brücke zischte ein Velo vor mir vorbei. Ich stand sofort auf die Bremse und hupte. Hätte ich nicht rechtzeitig reagiert, hätte ich den Velofahrer wahrscheinlich überfahren. Daraufhin zeigte mir der Velofahrer den Mittelfinger.»

Fischer: «Auf der Brücke bremste das Auto auf meiner Höhe ab. Der Fahrer stieg aus und schrie mehrmals: ‹Ich bringe dich um›. Danach packte er mich und zerrte mich an den Brückenrand. Ich hatte Todesangst, weil ich dachte, dass er mich über die Brücke in die wasserarme Sihl wirft.»

«Er fragte laut, ob ich etwas gegen Velofahrer hätte»

Autofahrer: «Nachdem sich auf der Brücke unsere Blicke trafen, entschied ich mich anzuhalten. Ich wollte Fischer klar machen, wie gefährlich sein Fahrverhalten war und dass ich ihn beinahe umgebracht, das heisst überfahren hätte. Bei der mündlichen Aussprache kam der Velofahrer sofort auf mich zu und fragte laut, ob ich etwas gegen Velofahrer hätte. Als wir uns gegenüber standen, spürte ich plötzlich etwas zwischen meinen Beinen. Da habe ich ihn am Oberkörper gepackt und gegen das Brückengeländer gedrückt. Ich wollte die Situation deeskalieren und mich vor weiteren Angriffen schützen.»

Fischer: «Eine Gruppe junger Passanten hat mein Leben gerettet. Als sie sich annäherten, liess mich der 46-Jährige los und fuhr weg. Zuvor konnte ich noch sein Kennzeichen fotografieren und habe anschliessend wegen versuchter schwerer Körperverletzung Anzeige erstattet.»

Autofahrer: «Der Gruppe, die dazukam, versicherte ich, dass ich Fischer nichts antue. Ich sagte zu einem der Passanten, er solle die Polizei rufen. Nach kurzer Überlegung sagte ich, dass es die Situation nicht wert sei und die Polizei nicht kommen müsse. Ich stieg in mein Auto und fuhr davon. Ein paar Monate später wurde ich dann zu Hause festgenommen.»

«Habe nicht den Mittelfinger gezeigt»

Fischer: «Die Anschuldigungen sind eine Frechheit. Weder habe ich dem Audi-Fahrer den Mittelfinger gezeigt, noch habe ich ihn in irgendwelcher Weise zwischen den Beinen berührt.»

Autofahrer: «Die Anzeige wegen versuchter schwerer Körperverletzung ist total übertrieben. Ich habe Fischer weder geschlagen noch habe ich versucht, ihn umzubringen. Hätte ich ihn angefahren, wäre das was Anderes, aber zum Glück konnte ich rechtzeitig bremsen, als er bei Rot über die Ampel fuhr.»

Fischer: «Ich werde immer wieder Zeuge kleiner Aggressionen gegenüber Velofahrern. Aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Ich habe damals zwei Fehler gemacht: Ich hätte weder über Rot fahren noch hätte ich die Hände verwerfen sollen. Aber ich konnte in dem Moment nur eines denken: Typisch SUV-Fahrer

Autofahrer: «Die Eskalation ist mir derart eingefahren, dass ich danach einige Zeit nur Auto gefahren bin, wenn es zwingend nötig war. Heute würde ich in so einer Situation nicht mehr anhalten, sondern sofort die Polizei kontaktieren. Die Verhaftung war das Schlimmste, das meiner Familie jemals widerfahren ist.»

«Velofahrer halten sich oft nicht an die Verkehrsregeln»

Fischer: «Der SUV-Fahrer steht für eine bestimmte Art von Autofahrer. Aufgrund der Grösse und der PS sind sie stärker und lassen das die Velofahrer auch spüren. Obwohl sich ein Grossteil der Autofahrer gegenüber dem Veloverkehr rücksichtsvoll verhalten, gibt es solche, die zunehmend aggressiver wirken.»

Autofahrer: «Velofahrer halten sich oft nicht an die Verkehrsregeln. Sie fahren im Slalom durch die Stadt, wechseln ohne Vorwarnung die Spur und fahren über Rot. Das ist gefährlich. Wenn ich einen Velofahrer anfahren sollte, obwohl ich die Verkehrsregeln befolge, muss ich die Folgen tragen.»

So endete das Gespräch. Ob die Debatte das erreichte, was sich die Teilnehmenden wünschten, bleibt offen. Trotz vieler Unstimmigkeiten sind sich die beiden Männer in einem Punkt einig: Sie wünschen sich weniger Aggression und mehr Rücksicht von allen Teilnehmenden im Strassenverkehr.

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