Aktualisiert 08.02.2018 08:18

Vor laufender KameraVelofahrer lässt Polizei bei Verfolgung alt aussehen

Basler Youtuber filmten die Flucht eines Velofahrers vor der Polizei. Die drei Teenager zeigen auf ihrem Kanal ausschliesslich Blaulicht-Einsätze. Mit Gaffern wollen sie aber nichts am Hut haben.

von
daf

Sehen Sie im Video, wie die Basler Polizei einen Velofahrer jagt. (Video: Blaulicht Basel)

Ein Velofahrer wird nachts von der Basler Polizei durchs Gundeldinger Quartier gejagt. Mit flinken Richtungswechseln spielt er Katz und Maus mit dem Streifenwagen. Ein Polizist steigt schliesslich aus und rennt dem Velofahrer hinterher – ohne Erfolg: Der Mann entkommt.

Die wilde Jagd ereignete sich vergangenen Oktober. Sie wurde auf Video festgehalten und auf dem YouTube-Kanal Blaulicht Basel veröffentlicht. Es ist bei weitem nicht das einzige Einsatz-Video auf dem Channel. Hinter den Clips stehen nicht etwa Blaulichtorganisationen, sondern drei Jugendliche zwischen 16 und 20 aus Basel und Weil am Rhein (D)

«Dann musst du rennen. Zeit ist Gold wert»

20 Minuten hat zwei der drei Jungs getroffen. Der jüngste im Bunde, ein 16-jähriger Schüler, hat die Verfolgungsjagd im Gundeli-Quartier gefilmt. Er erinnert sich: «Ich hörte auf einmal Sirenen. Ich eilte zum Fenster und sah einen fliehenden Velofahrer und Polizeiautos, die ihn verfolgten.» Die Jagd habe gut zwei Minuten gedauert, dann sei der Velofahrer verschwunden. Der Teenager hat die Aufnahme auf dem YouTube-Kanal Blaulicht Basel veröffentlicht. Mittlerweile wurde sie über 5000 Mal angeklickt – der bislang grösste Hit der Blaulicht-Filmer.

«Die meisten Videos kommen durch Zufall zustande», sagt sein 18-jähriger Kollege. Insider-Quellen, die ihnen Ort und Zeitpunkt von Blaulicht-Einsätzen verraten, hätten sie keine. «Plötzlich erfährst du auf einem Weg, dass etwas los ist, und dann musst du rennen. Zeit ist da Gold wert», sagt er. Die Blaulicht-Jungs waren mit der Kamera unter anderem beim Einsatz nach der ICE-Entgleisung in Basel vor Ort, genauso auch beim Europa-League-Final 2016 und diversen kleineren Einsätzen. Auch im Ausland macht das Dreiergespann Filme von Polizei, Feuerwehr und Sanität. Zu ihren persönlichen Highlights zählt ein Video, das einen Feuerwehr-Einsatz in der nordirischen Hauptstadt Belfast zeigt.

«Wir sind keine Gaffer»

«Wir werden oft als Gaffer bezeichnet», sagt der 18-Jährige, der den YouTube-Kanal ins Leben gerufen hat. Ihnen gehe es aber nicht um Verletzte, Blut und Tragödien, im Gegenteil: «Davon distanzieren wir uns strikt. Uns interessiert der Ablauf eines Blaulicht-Einsatzes, wie die Einsatzkräfte zusammenarbeiten. Und wir wollen ihre Fahrzeuge in Action sehen.» Nothilfe stehe für sie aber an erster Stelle, erst dann komme das Filmen, betonen sie.

Ihr Interesse kommt nicht von ungefähr: Zwei der drei Youtuber arbeiten ehrenamtlich bei Blaulichtorganisationen. Der Dritte hofft, bald aufgenommen zu werden. Die Filmer kennen sich laut eigener Aussage im Rettungsbetrieb «etwas aus», wissen etwa, welcher Feuerwehr-Fahrzeugtyp für welchen Einsatz gebraucht wird. «Ich habe mich immer mehr für die Arbeit der Blaulichtorganisationen interessiert und mir Videos dazu angeschaut. Dann begann ich irgendwann selbst zu filmen, und es kam Blaulicht Basel dabei heraus», erklärt der Initiant.

Die Polizei weiss Bescheid

Polizei- und Rettungseinsätze filmen und die Videos danach ins Internet stellen, ist das kein Problem? «Bis jetzt haben sich die Blaulichtorganisationen noch nie bei uns beschwert», so der 18-jährige Schüler. Die Kantonspolizei hat Kenntnis von der Tätigkeit der Blaulichtfilmer, kommentiert die Videos aber nicht. «Das Phänomen ist nicht sehr ausgeprägt in Basel», sagt Sprecher Martin Schütz auf Anfrage.

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