Aktualisiert 28.02.2014 15:11

Zürich

Velofahrer tot – zwei Fussgänger verurteilt

Fussgänger sollen für den Tod eines Velofahrers im Januar 2009 in Zürich verantwortlich sein. Doch die Schuldfrage ist noch nicht endgültig geklärt.

von
blu
Zwischen 2003 und 2013 waren Fussgänger bei insgesamt 57 Unfällen mit Velofahrenden schuld.

Zwischen 2003 und 2013 waren Fussgänger bei insgesamt 57 Unfällen mit Velofahrenden schuld.

Der damals 18-Jährige war morgens um 3.20 Uhr mit dem Fahrrad auf der Weinbergstrasse unterwegs. Zwei ebenfalls 18-jährige junge Männer gingen zur selben Zeit die Weinbergstrasse in Richtung Leonhardstrasse entlang, als sie auf der Höhe der Hausnummer 11 die Strasse überquerten. Dass in diesem Moment vom oberen Teil der Strasse ein Velofahrer – ohne Licht und vermutlich etwa zwei Meter vom rechten Strassenrand entfernt – angefahren kam, nahmen die beiden nicht wahr. Es kam zum Unfall.

Der Velofahrer erlitt bei der Kollision mit einem der beiden Fussgänger schwere Kopfverletzungen und starb sieben Stunden später an den Folgen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete. Die beiden mussten sich dafür vor dem Bezirksgericht verantworten. Ihnen wurde vorgeworfen, sie hätten sich «nicht genügend vergewissert», ob sich ein Fahrzeug näherte. Wegen unvorsichtigen Überquerens und Nichtbenützens des Fussgängerstreifens hätten sie gegen die Sorgfaltspflicht verstossen und seien wegen fahrlässiger Tötung zu bestrafen.

Verteidiger wollen Urteil weiterziehen

Die Verteidiger sahen dies aber anders: Es komme immer wieder zu Unfällen, bei denen niemand verantwortlich gemacht werden könne. Sie forderten einen Freispruch, denn alles an diesem Fall sei unklar: Wo standen die Fussgänger? Wo und wie fuhr der Velofahrer? Beging er einen Fahrfehler? Eine Unfallrekonstruktion zwei Jahre später habe gezeigt, dass man den Velofahrer nicht rechtzeitig habe erkennen können. Den beiden Beschuldigten könne kein schuldhaftes Verhalten vorgeworfen werden.

Die Einzelrichterin am Bezirksgericht widersprach. Hätten die Beschuldigten genau genug geschaut, hätten sie den Velofahrer sehen müssen. Damit verurteilte sie die Männer zu 120 Tagessätzen à 80 Franken bedingt. Noch im Gerichtssaal gaben die Verteidiger zu verstehen, dass sie das Urteil beim Obergericht anfechten würden. Die Schuldfrage wäre damit nicht abschliessend geklärt.

Immer mehr Fussgänger verursachen Unfälle

Zwischen 2003 und 2013 waren Fussgänger bei insgesamt 57 Unfällen mit Velofahrern schuld. 36 Fahrradlenker wurden dabei verletzt, fünf davon schwer. Zwei Velofahrer starben. Trotzdem passieren laut Verkehrsunfallstatistik Unfälle, bei denen Fussgänger die mutmasslichen Unfallverursacher und Velofahrer die Opfer sind, sehr selten: bei 3500 bis 4000 Unfällen pro Jahr durchschnittlich nur fünfmal.

Die Zahl der unfallverursachenden Fussgänger und Velofahrer nimmt aber gemäss polizeilichem Rapport seit Jahren stetig zu. Waren im Jahr 2005 noch 1,7 Prozent der Fussgänger «schuldhaft», waren es 2012 bereits 3 Prozent. Bei den Velofahrern stieg der Anteil im gleichen Zeitraum von 3 auf 6,5 Prozent.

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