Regeländerung: Veloglocke brauchts nicht mehr! Oder eben doch?
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RegeländerungVeloglocke brauchts nicht mehr! Oder eben doch?

Seit Januar müssen Velos keine Klingel mehr haben. Pro Velo kritisiert die Erleichterung: Sie gehe auf Kosten der Sicherheit.

von
daw
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20 Franken Busse für eine fehlende Glocke: Das war einmal.

20 Franken Busse für eine fehlende Glocke: Das war einmal.

Keystone/Salvatore di Nolfi
Das Obligatorium gilt seit Mitte Januar nicht mehr.

Das Obligatorium gilt seit Mitte Januar nicht mehr.

Keystone/Salvatore di Nolfi
Auch ein Sattel ist bei Zweirädern nicht mehr zwingend. Der Grund: neuartige Fahrzeuge, die ohne Sitz auskommen.

Auch ein Sattel ist bei Zweirädern nicht mehr zwingend. Der Grund: neuartige Fahrzeuge, die ohne Sitz auskommen.

Screenshot Youtube/Elliptigo

Im Verkehrsunterricht wurde uns eingebläut: Zu einer vorschriftsgemässen Veloausrüstung gehören nicht nur zwei kräftige Bremsen, Reflektoren und Licht, sondern auch eine Klingel. Wer sich nicht lautstark bemerkbar machen konnte, musste mit einer Busse von 20 Franken rechnen.

Tempi passati: Seit Mitte Januar ist die Glocke nicht mehr obligatorisch. Der Bundesrat hat den entsprechenden Artikel – von der Öffentlichkeit fast gänzlich unbemerkt – aus der Verordnung gestrichen. Bisher waren von der Glockenpflicht nur leichte Fahrräder unter 11 Kilogramm ausgenommen.

«Abbau von Regulierungen auf Kosten der Sicherheit»

Pro Velo Schweiz befürchtet nun Wildwest auf hiesigen Strassen: «Eine Veloglocke ist schlicht notwendig, um sicher durch den Verkehr zu kommen», sagt Geschäftsführer Christoph Merkli zur «Aargauer Zeitung». Dank der Klingel könnten sich Velofahrer in brenzligen Situationen bemerkbar machen – gerade gegenüber Fussgängern. Der Abbau von Regulierungen sei ihm eigentlich sympathisch, so Merkli. Aber: «Hier geschieht das auf Kosten der Sicherheit.»

Keine Träne weint dagegen Thomas Hardegger, SP-Nationalrat und Präsident des Vereins Fussverkehr Schweiz, dem Obligatorium nach, das schon 1932 Gesetz war: «Velofahrer können ja weiterhin eine Glocke haben.» In gemischten Zonen seien die Velofahrer ohnehin die Stärkeren. Wichtiger als eine Klingel sei darum die Rücksichtsnahme: «Wenn Velofahrer von hinten kommen, sollten sie frühzeitig klingeln und das Tempo reduzieren, statt sich rücksichtslos den Weg freizuläuten.»

Notfalls zurufen

Das Bundesamt für Strassen (Astra) begründet die Aufhebung damit, dass die Velos in den letzten Jahren dank neuer Materialien leichter geworden sind: «Die Idee der 11-Kilo-Grenze war, Rennvelos vom Obligatorium zu befreien. Da inzwischen viele Velos leichter sind, ist die Regelung hinfällig geworden», sagt Sprecher Guido Bielmann. Kindervelos würden wohl auch in Zukunft Glocken haben: «Schliesslich haben die Kinder Freude an der Klingel.»

Die Sicherheitsbedenken von Pro Velo teilt das Astra nicht. Bielmann: «Im dichten urbanen Verkehr werden Glocken kaum mehr gehört. Um sich bemerkbar zu machen, kann man Fussgängern ebenso gut zurufen – das ist mindestens so effektiv.»

Aufgehoben hat der Bund auch die Vorschrift, dass Zweiräder einen Sattel haben müssen. Der Grund: Man will neuen Spassfahrzeugen ohne Sattel (siehe Bildstrecke) den Zutritt zur Strasse nicht verwehren, solange diese sicher sind.

Ein tödlicher Unfall pro Jahr

Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) gab es von 2011 bis 2015 jährlich rund 30 Unfälle mit Schwerverletzten zwischen Velofahrern und Fussgängern. Im Schnitt endet ein Unfall pro Jahr gar tödlich. Die BFU empfiehlt weiterhin eine gut hörbare Glocke, um sich rechtzeitig bemerkbar machen zu können.

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