17.09.2017 05:58

Pläne gegen Hungersnot

Venezolaner sollen Hasen züchten – und essen

Die venezolanische Regierung rief die Bevölkerung dazu auf, Kaninchen zu züchten. Schliesslich seien Hasen «nicht süsse Haustiere», sondern «proteinreiche Fleischportionen».

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Am 13. September 2017 kündigte Venezuelas Präsident Nicolás Maduro den sogennanten «Kaninchen-Plan» an. Die Idee dahinter ist simpel: Die Bevölkerung soll Hasen züchten, um sie zu essen. Damit will die Regierung der Hungersnot im Land begegnen.

Am 13. September 2017 kündigte Venezuelas Präsident Nicolás Maduro den sogennanten «Kaninchen-Plan» an. Die Idee dahinter ist simpel: Die Bevölkerung soll Hasen züchten, um sie zu essen. Damit will die Regierung der Hungersnot im Land begegnen.

Screenshot Twitter
Bilder aus dem Jahr 2016, die aber im September 2017 immer noch aktuell sind – denn in Venezuela mangelt es weiterhin an allem. Die sechsköpfige Familie von Yunni Pérez (r.) hat nur noch wenig zu essen. Selbst das Fertigmehl, mit dem die überaus populären Maisfladen zubereitet werden, ist Mangelware.

Bilder aus dem Jahr 2016, die aber im September 2017 immer noch aktuell sind – denn in Venezuela mangelt es weiterhin an allem. Die sechsköpfige Familie von Yunni Pérez (r.) hat nur noch wenig zu essen. Selbst das Fertigmehl, mit dem die überaus populären Maisfladen zubereitet werden, ist Mangelware.

Carlos Garcia Rawlins
Francisca Landaeta (r.) stand mehrere Stunden Schlange, um Grundnahrungsmittel wie Zucker, einige Früchte, etwas Gemüse sowie Öl und Brot zu bekommen.

Francisca Landaeta (r.) stand mehrere Stunden Schlange, um Grundnahrungsmittel wie Zucker, einige Früchte, etwas Gemüse sowie Öl und Brot zu bekommen.

Carlos Garcia Rawlins

In Venezuela hungern aufgrund der schweren Wirtschaftskrise immer mehr Menschen. Um dem Mangel an Lebensmitteln zu begegnen, lancierte die Regierung von Präsident Nicolás Maduro am Mittwoch den sogenannten «Kaninchen-Plan». Die Empfehlung an die Bevölkerung: Sie soll Kaninchen züchten, um diese zu essen. Im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern gehören Kaninchen in Venezuela aber normalerweise nicht auf den Speiseplan.

«Es ist grundsätzlich ein kulturelles Problem», sagte der venezolanische Landwirtschaftsminister Freddy Bernal während eines Kabinett-Treffens, das via die Livestreaming-App Periscope übertragen wurde. «Wir haben gelernt, dass Kaninchen süsse Haustiere sind, aber eigentlich sind Hasen keine Haustiere, sondern zweieinhalb Kilogramm schwere Fleischportionen voller Protein und ohne Cholesterin», so Bernal.

Kaninchen-Plan 2.0

Der «Kaninchen-Plan» geht allerdings schon in die zweite Runde. Die erste Phase des Projekts habe nicht zu den Resultaten geführt, die die Regierung erwartet hatte, gab Maduro an der Ministersitzung zu. Das Landwirtschaftsministerium habe bereits vor einiger Zeit in rund 15 Armenvierteln in Caracas Kaninchen verteilt, damit die Leute sie züchten.

«Als wir die Arbeitsgruppen wenig später besuchten, stellten wir fest, dass die Menschen den Tieren farbige Schleifen um den Hals gebunden hatten», sagte der Präsident lachend. Darum werde diese revidierte zweite Phase des Kaninchen-Plans von einer massiven Werbekampagne begleitet.

Opposition kann den Plan nicht ernst nehmen

Die Opposition reagierte auf den kuriosen Vorschlag mit Spott und Häme. «Das kann doch nicht sein Ernst sein», sagte etwa Oppositionsführer Henrique Capriles. «Kaninchenzucht soll das Lebensmittelproblem des Landes lösen?»

Das Land mit den grössten Ölreserven der Welt wird seit längerem von einer tiefen Krise erschüttert, es fehlt überall an Lebensmitteln und Medikamenten. Die Regierung hatte laut «The Guardian» bereits vor einiger Zeit das Volk dazu aufgerufen, seine eigenen Nahrungsmittel anzubauen.

Landwirtschaftsminister Freddy Bernal erklärt den sogenannten «Kaninchen-Plan», ab 2:03 (Quelle: Twitter)

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