Stimmungstest für Chávez: Venezuela wartet auf erste Wahlergebnisse
Aktualisiert

Stimmungstest für ChávezVenezuela wartet auf erste Wahlergebnisse

Venezuela hat auch sechs Stunden nach der offiziellen Schliessung der Wahllokale mit Spannung auf die Resultate der Parlamentswahl gewartet.

Huga Chávez zeigt sich vor der Wahl kämpferisch.

Huga Chávez zeigt sich vor der Wahl kämpferisch.

Die Parlamentswahl gilt als Test für den linken Staatschef Hugo Chávez, der 2012 vor Präsidentschaftswahlen steht. Die staatliche Wahlbehörde CNE veröffentlichte bis 6.00 Uhr MESZ weiterhin keine Erklärung über den Ausgang der Abstimmung. Einige Wahllokale hatten am Sonntagabend (Ortszeit) erst verspätet geschlossen, weil noch nicht alle Wartenden ihre Stimme abgegeben hatten. Insgesamt waren 17,5 Millionen Venezolaner zu der Wahl aufgerufen.

Spannung vor dem Wahlgang

In Venezuela waren am Sonntag rund 17,5 Millionen Wahlberechtigte zur Parlamentswahl aufgerufen. Mit Spannung wird dabei das Abschneiden der Opposition erwartet, die nach ihrem Wahlboykott von 2005 diesmal wieder antrat. Die Opposition wollte bei der Wahl die von der Sozialistischen Einheitspartei Venezuelas (PSUV) angestrebte Zwei-Drittel-Mehrheit verhindern. Den letzten Urnengang hatte sie geschlossen boykottiert, der PSUV war darauf eine überwältigende Mehrheit zugefallen.

Am Sonntag trat die einst zersplitterte Opposition nun in einem Wahlbündnis wieder an und hoffte, aus der Wirtschaftskrise politisches Kapital zu schlagen. Vor allem die Rekord-Inflation, aber auch die wachsende Kriminalität sorgen in dem ölreichen Land für Unmut.

Umfragen hatten zuletzt ein knappes Rennen zwischen der PSUV und dem Oppositionsbündnis vorausgesagt, dessen Spannbreite von kleineren linken Parteien bis zu den traditionellen rechten Parteien des Landes reicht. Die Wahllokale sollten um 0.30 Uhr (MESZ) schliessen; erste Ergebnisse wurden kurz darauf erwartet.

Chávez bläst zum Angriff

Chávez, seit 1999 an der Macht, nutzte die Wahlkampagne, um nach eigenen Worten «schon mal die Motoren für 2012 warm laufen zu lassen». Dann will er wieder für das Präsidentenamt kandidieren.

Dem Staatsfernsehen VTV sagte der Präsident, es gehe darum, «weiter eine demokratische Zukunft zu bauen, die uns gleichmacht, die uns einbindet». Entweder gebe es «ein sozialistisches Vaterland oder kein Vaterland», erklärte er.

Chávez rief seine Anhänger über den Kurzmitteilungsdienst Twitter zur Wahlurne: «Also gut, es ist 6.00 Uhr morgens. Von jetzt an, beginnt das Volk Venezuelas eine weitere Seite dieser Geschichte zu schreiben. Zum Angriff!!», twitterte er zur Öffnung der Wahllokale.

Unterstützung bekam er von Kubas Revolutionsführer, Fidel Castro. Dieser rief die Venezolaner auf, zur Wahl zu gehen und den 26. September zu einem «grossen Sieg» zu machen. Ein Wahlerfolg der Opposition wäre für Chávez eine der schwersten Niederlagen seiner Amtszeit.

Geändertes Wahlsystem bevorzugt PSUV

Das in den vergangenen Jahren von Chávez geänderte Wahlsystem und der neue Zuschnitt von Wahlkreisen bevorzugt dessen PSUV. Dies könnte sogar dafür sorgen, dass die Opposition in der Gesamtzahl zwar mehr Stimmen gewinnt, dann aber doch deutlich weniger Abgeordnete in die Nationalversammlung entsendet.

Mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit könnte Chávez' Linksregierung weiter die Besetzung des Obersten Gerichts, der Staatsanwaltschaft und der Wahlbehörde bestimmen, ohne mit der Opposition verhandeln zu müssen.

Grenze zu Kolumbien geschlossen

Der Wahltag stand unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Nach Armee-Angaben vom Wochenende waren etwa 250 000 Soldaten landesweit im Einsatz.

Vor Beginn des Urnengangs hatte Venezuela zudem die Grenze zum benachbarten Kolumbien geschlossen. Um mögliche «Probleme» während des Urnengangs zu vermeiden, bleibe die Landes- und Seegrenze zu Kolumbien ab Samstagabend 20.00 Uhr (Ortszeit, Sonntag 02.30 Uhr MESZ) für 24 Stunden geschlossen, teilte die Armee mit.

(sda)

Deine Meinung