Massive Proteste: Venezuela weist drei US-«Spione» aus
Aktualisiert

Massive ProtesteVenezuela weist drei US-«Spione» aus

Der Präsident Venezuelas wirft amerikanischen Konsularbeamten vor, gegen die Regierung zu «konspirieren». Ausserdem wurden elf Journalisten verhaftet.

Seit Tagen toben in Venezuela massive Proteste. Die Regierung reagiert mit Repression und Schuldzuweisungen.

Seit Tagen toben in Venezuela massive Proteste. Die Regierung reagiert mit Repression und Schuldzuweisungen.

Nach den gewaltsamen Protesten verschärft Venezuela die Gangart gegenüber den USA: Die Regierung verwies drei Angestellte des US-Konsulats des Landes. Präsident Nicolás Maduro erklärte in einer Fernsehansprache am Sonntag, die nicht näher identifizierten Personen hätten die Universitäten unter dem Deckmantel konsularischer Arbeit infiltriert. Darauf deuteten geheimdienstliche Ermittlungen der vergangenen zwei Monate hin.

Als Auslöser der Ausweisungen gilt die Fürsprache Washingtons für den untergetauchten Oppositionsführer Leopoldo López. Ihm werfen die Behörden vor, bei jüngsten regierungskritischen Protesten zu Gewalt aufgerufen und eine «faschistische» Verschwörung zum Sturz der sozialistischen Regierung angeführt zu haben.

Im Vorfeld hatte Maduro die USA mehrfach beschuldigt, mit der Opposition unter einer Decke zu stecken. Washington weist die Vorwürfe zurück.

Oppositionsführer will sich stellen

Auch der gesuchte Oppositionsführer López verwahrte sich gegen die Anschuldigungen. In einem an einem unbekannten Ort aufgenommenen Video kündigte er am Sonntag an, sich dennoch den Behörden stellen zu wollen - sobald er noch eine weitere Demonstration organisiert habe. Seine Anhänger sollten am kommenden Dienstag in weissen Hemden friedlich mit ihm zum Innenministerium marschieren. Dort angekommen, werde er eine Petition überreichen, in der lückenlose Ermittlungen zum Tod dreier Menschen bei den gewaltsamen Demonstrationen gefordert würden.

«Ich habe kein Verbrechen begangen», sagte López weiter. Vielmehr warf er der Regierung den Versuch vor, sein in der Verfassung verbrieftes Recht auf Proteste gegen Präsident Maduro zu verletzen. López war seit einer Pressekonferenz am Mittwoch nicht mehr gesehen worden.

«Venezuela wird Drohungen nicht hinnehmen»

Maduro legte später in seiner TV-Ansprache nach und erklärte, der venezolanische Botschafter bei der Organisation der Amerikanischen Staaten in Washington habe einen Anruf vom US-Aussenministerium erhalten. Darin habe man vor negativen internationalen Konsequenzen für seine Regierung gewarnt, wenn López tatsächlich verhaftet werde. Maduro sagte, Venezuela werde Drohungen gegen seine Souveränität nicht hinnehmen.

Zudem rief Maduro seinerseits Arbeiter der Ölindustrie zu einer Gegendemonstration auf. Sie sollten ihren Marsch am selben zentralen Platz in der Hauptstadt Caracas beginnen, an dem auch López seine Anhänger sammeln wolle, sagte der Präsident.

López führte vergangene Woche die grösste Protestaktion gegen Maduro in dessen zehnmonatigen Amtszeit an. Allein am Mittwoch mobilisierte der Oppositionelle mehr als 10 000 Menschen, die zunächst friedlich gegen Probleme wie grassierende Kriminalität und die überbordende Inflation protestierten. Nach der Kundgebung kam es jedoch zu scheren Strassenschlachten zwischen Studenten und Sicherheitskräften sowie bewaffneten regierungsnahen Milizen. Drei Menschen kamen ums Leben. (sda)

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