Aktualisiert 20.05.2020 18:47

Lernende in Not

Bund soll Geld für Lehrlinge bereitstellen

Lernende trifft die Corona-Krise besonders hart. Deshalb fordert der Kaufmännische Verband vom Bund weitere Massnahmen zur Unterstützung der Lehrlinge. Die Unternehmen kritisieren die Forderungen.

von
Barbara Scherer
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Die Corona-Krise trifft die jüngsten Arbeitnehmer am stärksten.

Die Corona-Krise trifft die jüngsten Arbeitnehmer am stärksten.

Foto: Keystone
So sind über 8 Prozent der Lehrstellen 2020 gefährdet.

So sind über 8 Prozent der Lehrstellen 2020 gefährdet.

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Zudem könnten bis zu einem Viertel der diesjährigen Lehrabgänger nicht weiter beschäftigt werden, wie eine Studie von Yousty und der ETHZ zeigt.

Zudem könnten bis zu einem Viertel der diesjährigen Lehrabgänger nicht weiter beschäftigt werden, wie eine Studie von Yousty und der ETHZ zeigt.

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Darum gehts

  • Der Kaufmännische Verband schlägt drei Massnahmen zur Unterstützung von Lernenden vor.
  • Der Bund soll einen Fonds für die Berufsbildung einrichten
  • Firmen sollen mehr Praktika anbieten für Lehrabgänger.
  • Unternehmen sollen trotz Kurzarbeit ihre Lehrlinge nach dem Abschluss weiterbeschäftigen können.
  • Der Arbeitgeberverband spricht sich gegen Praktika aus und hat bereits Lösungen für die Kurzarbeit.

Die Corona-Krise setzt dem Schweizer Arbeitsmarkt zu. Besonders hart trifft es die jüngsten Arbeitnehmer: Über 8 Prozent der Lehrstellen dieses Jahr sind gefährdet. Zudem könnten bis zu einem Viertel der diesjährigen Lehrabgänger nicht weiter beschäftigt werden, wie eine Studie von Yousty und der ETH Zürich zeigt.

Nun setzt sich der Kaufmännische Verband Schweiz für die Lehrlinge ein: Er fordert vom Bund weitere Massnahmen zur Unterstützung der Lernenden in allen Berufen. Die vom Bund gegründete Task-Force zur Unterstützung der Lernenden reiche nicht aus: «Wir müssen sicherstellen, dass es zu keiner verlorenen Generation kommt», sagt Michael Kraft, Leiter Bildung beim Verband, in einer Medienmitteilung.

Bund soll Fonds für Lehrstellen einrichten

Damit Lernende trotz finanzieller Not weiter ausgebildet und beschäftigt werden, braucht es gemäss Verband finanzielle Anreize. Die Lösung: ein Fonds. «Es darf nicht sein, dass Betriebe aus finanzieller Not als Erstes die Lehrstellen wegsparen», sagt Daniel Jositsch, Präsident des Kaufmännischen Verbands, zu 20 Minuten.

Vonseiten der Arbeitgeber wird aber beschwichtigt: Dass Firmen Lehrstellen streichen, sei im Moment noch kein Thema, erklärt Nicole Meier vom Arbeitgeberverband. «Aufgrund der Schulschliessungen waren die Jugendlichen weniger eng begleitet und folglich haben die Betriebe viel weniger Bewerbungen erhalten», so Meier. Natürlich sei aber nicht auszuschliessen, dass einige Lehrstellen infolge der Krise wegfallen.

Einen zusätzlichen Fonds brauche es deshalb aber nicht. «Der Bund hat bereits genügend Projektgelder für Task-Force Perspektive Lehrstelle 2020 gesprochen.» Zudem verfügen einzelne Kantone über eigene Fonds zur Förderung der Berufsbildung.

Mit Praktika gegen die Arbeitslosigkeit

Wenn Lehrstellen bestehen bleiben, garantiert das aber noch nicht, dass die Lehrabgänger eine Stelle haben. Deshalb fordert der Kaufmännische Verband die Förderung von Praktika. So gelingt der Berufseinstieg nach der Lehre, auch wenn man keine Stelle findet.

Praktika seien auch ein Anreiz für die Firmen, denn ein Praktikant kostet weniger als ein Festangestellter. «Das ist natürlich nur eine Übergangslösung», sagt Verbandspräsident Jositsch. Schlussendlich sei ein Praktikum aber eine sinnvolle Alternative zur Arbeitslosigkeit.

Der Arbeitgeberverband sieht das anders: «Wir sollten Praktika nicht forcieren», sagt Nicole Meier zu 20 Minuten. Es sei wichtig, dass Lehrabgänger eine richtige Anstellung erhalten. «Schliesslich sind die Lehrabgänger reif für den Arbeitsmarkt und die Arbeitgeber sind an langfristigen Lösungen interessiert.»

Weiterbeschäftigung trotz Kurzarbeit

Firmen mit Kurzarbeit haben zurzeit einen Einstellungsstopp. Die eigenen Lehrlinge können nach dem Abschluss deshalb nicht angestellt werden. Das muss laut dem Kaufmännischen Verband geändert werden. Dafür fordert der Verband eine Anpassung des Gesetzes. «Firmen müssen trotz Kurzarbeit ihre Lehrabgänger weiter anstellen können», sagt Jositsch.

Die Folge davon dürfe allerdings nicht sein, dass ein Betrieb, nur um seine Lehrabgänger weiterbeschäftigen zu können, keinen neuen Lernenden aufnehmen darf. Der Kaufmännische Verband hofft deshalb auf eine rasche Lösung des Bundes.

Laut Arbeitgeberverband ist bereits eine Lösung in Vorbereitung. Es sei ganz im Sinne der Berufsbildung, dass Lernende nach ihrem Abschluss weiter angestellt werden können – trotz Kurzarbeit.

Task-Force

So setzt sich der Bund ein

Der Bund setzt sich dafür ein, dass sich das neue Coronavirus so wenig wie möglich negativ auf die Berufsbildung auswirkt. So können die Betroffenen beispielsweise auch in diesem Sommer ihre berufliche Grundbildung abschliessen. In einem weiteren Schritt will der Bund nun dafür sorgen, dass möglichst viele Jugendliche per Anfang August 2020 eine Lehrstelle finden. Gleichzeitig sollen Lehrbetriebe ihre offenen Lehrstellen besetzen und damit ihren späteren Bedarf an qualifizierten Fachkräften decken können. Dafür wurde die Task-Force Perspektive Berufslehre 2020 gegründet. Sie beobachtet den Lehrstellenmarkt und soll bei Ungleichgewicht effizient für geeignete Stabilisierungsmassnahmen sorgen.

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26 Kommentare

jk

22.05.2020, 06:46

Ich gsehs selber. Schlüsse de Summer als Fachfrau Behindertebetreuuig ab. Es het sehr wenig Stelle i minere Umgebig. Git nüt anders als Bindbewerbige.. Und sus, jo mues au ich ufs RAV wa ez würkli au nöd toll wär und nomel es Praktikum mache (ha scho vor de Lehr eis gmacht) isch au en schei**. Billigi Fachkraft für 100% schaffe.. Kei gueti Zit für üs Lehrabgänger..

Lagazelle

21.05.2020, 10:36

Praktika, nein danke! Praktika sind ein Unding, Arbeit für wenig Lohn und noch weniger Anerkennung! Es reicht, wenn Uniabgänger jahrelang in Praktika feststecken, das gleiche System braucht es für Lehrabgänger nicht.

Herbi

21.05.2020, 09:40

...und ganz vergessen werden die ü45 unddie Ausgesteuerten Die haben viel weniger Chancen in den Arbeitsmarkt wieder reinzukommen als die Jungen. Wäre mal auch gut ein Journalistisches Bild von dieser Situation abzugeben.