Aktualisiert 27.05.2020 17:24

Planung für die Zukunft

Verbindung soll Tourismusgebieten mehr Logiernächte bringen

Eine Verbindung der drei Zentralschweizer Skigebiete Engelberg-Titlis, Melchsee-Frutt und Meiringen-Hasliberg hat laut einer Studie vor allem Potenzial für den Wintertourismus.

von
Gianni Walther
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Die Skigebiete Engelberg-Titlis, Melchsee-Frutt und Meiringen-Hasliberg werden in Zukunft möglicherweise verbunden.

Die Skigebiete Engelberg-Titlis, Melchsee-Frutt und Meiringen-Hasliberg werden in Zukunft möglicherweise verbunden.

Foto: Keystone
Die Bergbahnen stellten am Mittwoch zwei Berichte vor, mit denen das Potenzial einer Verbindung aufgezeigt werden soll.

Die Bergbahnen stellten am Mittwoch zwei Berichte vor, mit denen das Potenzial einer Verbindung aufgezeigt werden soll.

Titlis Bergbahnen
«Das Hauptziel ist nicht, mehr Wintersportler ins Gebiet zu holen, sondern diese zu einem längeren Aufenthalt zu bewegen. Aus Tagestouristen sollen vermehrt Gäste werden, die auch im Gebiet übernachten», sagt der Obwaldner Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler.
«Das Hauptziel ist nicht, mehr Wintersportler ins Gebiet zu holen, sondern diese zu einem längeren Aufenthalt zu bewegen. Aus Tagestouristen sollen vermehrt Gäste werden, die auch im Gebiet übernachten», sagt der Obwaldner Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler.
Titlis Bergbahnen

Darum gehts

• Die Skigebiete Engelberg-Titlis, Melchsee-Frutt und Meiringen-Hasliberg untersuchen, ob eine Verbindung der drei Gebiete sinnvoll sein könnte.

• Durch eine Verbindung könnte die Zahl der Übernachtungen gesteigert werden und ein breiteres Angebot entstehen.

• Ein weiterer Bericht soll zeigen, ob eine Verbindung auch rentabel wäre.

Die Bergbahnen der drei Gebiete und die Obwaldner Regierung präsentierten am Mittwoch in Engelberg die Ergebnisse zweier Berichte zum Potenzial einer Verbindung. «Das Hauptziel ist nicht, mehr Wintersportler ins Gebiet zu holen, sondern diese zu einem längeren Aufenthalt zu bewegen. Aus Tagestouristen sollen vermehrt Gäste werden, die auch im Gebiet übernachten», sagt der Obwaldner Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler. So sollen mehr Logiernächte erzielt werden und es soll weniger kalte Betten geben.

Der Fokus soll dabei laut Wyler auf den Wintersportlern liegen. So würde durch eine Verbindung der drei Skigebiete ein Gebiet mit über 170 Pistenkilometern entstehen. Zum Vergleich: Die Skiarena Andermatt-Sedrun, das grösste Skigebiet der Zentralschweiz, verfügt über rund 180 Pistenkilometer. Aber: «Auch die Sommer- und die Zwischensaison werden wegen der klimatischen Bedingungen in Zukunft an Bedeutung gewinnen», sagt Wyler.

Um das Potenzial einer Verbindung auszuloten, verglichen die Studienautoren einerseits den Erfolg bereits bestehender Skigebietsverbindungen im In- und Ausland. Andererseits nahmen sie die drei beteiligten Zentralschweizer Skigebiete unter die Lupe.

Die wichtigsten Faktoren für die Wahl eines Skigebiets seien die Qualität der Pisten, die Grösse und Vielfalt und das Preis-Leistungs-Verhältnis, führte Projektleiter und Alt-Regierungsrat Niklaus Bleiker auf. «Auf die Grösse und Vielfalt können wir nur gemeinsam Einfluss nehmen», sagte er.

Verkehrsertrag steigern

Die beiden Berichte zeigten, dass ein Zusammenschluss ein gewisses Wachstum auslösen kann. Der Verkehrsertrag würde schätzungsweise um 2 Millionen Franken steigen und mit zusätzlichen Betten gar um 5,5 Millionen Franken.

Laut den Autoren ist eine Verbindung für Sommergäste und nichtskifahrende Wintergäste nicht notwendig. Diese tragen zum einen weniger zum Verkehrsertrag bei als Wintersportler. Zum anderen möchten sich diese selber bewegen. Allerdings könnte eine neue Verbindung von Meiringen bis Engelberg auch dem Sommertourismus neue Möglichkeiten eröffnen.

Jedes der drei Gebiete habe im Verhältnis zur Grösse bereits extrem viele Skifahrer, sagte Bleiker. Die Skierdays für alle Gebiete würden laut den Prognosen lediglich um 5,8 Prozent zulegen. Unter Skierdays versteht man Gäste, die an einem Tag das erste Mal eine Liftanlage nutzen. Auch bei mehrmaliger Beförderung wird pro Gast somit nur ein Skierday berechnet.

Gegen kalte Betten

Am meisten Potenzial besteht aber bei den Übernachtungsgästen. Die Auslastung der Betten könnte etwa in Engelberg von 48 Prozent auf 57 Prozent ansteigen, so die Prognosen. In den anderen beiden Gebieten erwarte man ähnliche Zuwachsraten. Auf der Melchsee-Frutt erhoffe man sich weniger kalte Betten, sagte Markus Ettlin von der Korporation Kerns.

Ein Verzicht auf eine Verbindung würde sich wohl negativ auf die Preise für Skifahrer auswirken. Hier seien die drei Gebiete bereits heute im oberen Segment. Gleichzeitig wäre mit einem Rückgang der Skierdays um 1,5 Prozent zu rechnen. Der Gesamtnutzen wird daher auf 7,1 Millionen Franken beziffert.

Ob eine solche auch rentabel wäre, wird nun ein weiterer Bericht zeigen, der bis Ende Jahr vorliegen soll. Frühere Pläne einer Verbindung der Gebiete hatten bereits für Kritik von Umweltverbänden gesorgt. Diese habe man an Bord geholt. «Fundamentalopposition der Umweltverbände habe ich nicht gespürt», sagte Bleiker.

Erste Begehungen

Er gab aber auch zu bedenken, dass die Pläne für eine physische Verbindung erst jetzt folgen würden. Diese müssten rentabel sein und umweltverträglich. Man habe diesbezüglich bereits erste Begehungen im Gelände gemacht. Es gebe schonendere Verbindungen, als man sie ursprünglich geplant habe. Bleiker betonte: «Wir wollen drei intakte Skigebiete miteinander verbinden, ohne viel zusätzliche Pistenkilometer zu schaffen.»

Neben der Rentabilitätsberechnung wird in einem nächsten Schritt auch ein Verkehrsgutachten erstellt. Eine Machbarkeitsstudie soll bis spätestens Ende 2021 konkrete Grundlagen für den Entscheid über die Realisierung eines Zusammenarbeitsprojekts liefern.

(SDA)

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12 Kommentare
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Der Denker

10.06.2020, 05:31

Der Zusammenschluss von Skigebieten ist unausweichlich. Es ist ein Muss dass man effiziente zusammenhängende Systeme hat die den Gästen ihre Zeit im Skigebiet genüsslich machen. Ein Beispiel wäre der Zusammenschluss von Davos (Parsenn, Jakobshorn, Pischa, Stela, Rinerhorn) und Arosa, Lenzerheide. Nur so werden die Wintergäste bei uns bleiben.

Beobachter unterwegs

29.05.2020, 15:16

Nicht schon wieder! Vor ca 10 Jahren wurde das hirnrissige Projekt auch dank vielen Gästen welche ein kleines, überschaubares und erschwingliches Familien-Skigebiet Melchsee-Frutt wünschen schon einmal abgeschmettert. Beispiele, dass ein solcher Verbund selten Vorteile bringt, gibt es im Wallis und der Romandie einige. Tragen wir Sorge zu unserem Bijou Melchsee-Frutt!

Pensionierter Touristiker

28.05.2020, 10:11

Schöne Aussichten! Noch mehr abgeholzte Bäume und umgelegte Sträucher. Noch mehr Beton und betonierte Strassen und Wege. Noch mehr hässliche Masten. Noch mehr "abgefickte" Hänge ohne Grün im Sommer. Noch mehr "Partylokalitäten" mit grausamer Musik, die die Landschaft beschallen. Noch mehr Einöde im Sommer. Hoffentlich steigt die Schneefallgrenze um 1'000 Meter! Grösseres Angebot = teurere Hotels = weniger Gäste!