Verbot für nackte Velofahrer
Aktualisiert

Verbot für nackte Velofahrer

Das Verwaltungsgericht Karlsruhe (D) hat eine «Nacktradel-Aktion» entlang des Rheins untersagt.

Es widerspreche nach wie vor allgemein anerkannten gesellschaftlichen Regeln, sich auf öffentlichen Strassen nackt zu zeigen, entschied das Gericht in dem am Dienstag veröffentlichten Urteil. Die Richter bestätigten damit eine Entscheidung des Landratsamts Rastatt, das die für Samstag geplante Aktion verboten hatte. Dagegen hatte ein Mann Widerspruch eingelegt.

Laut Gericht wollte der Kläger anlässlich eines «Weltnacktradeltags» zusammen mit maximal zwölf Teilnehmern unbekleidet auf dem Rheindamm von Iffezheim bis zur Grenze des Landkreises Rastatt und wieder zurück fahren, um für die Nacktheit als «zweckdienliche und gesellschaftsfähige Kleidung und gegen das Verstecken von Körpern in blickdichten und gebührenpflichtigen Gettos einzutreten.»

Das Verwaltungsgericht argumentierte, dass zwar die Einstellung zum Nacktbaden an Stränden und in Schwimmbädern heutzutage unbefangener sei als früher. Jedoch verletze es auch heute noch das Schamgefühl eines Grossteils der Bevölkerung, an Orten, an denen niemand völlige Nacktheit erwarte, unfreiwillig nackten Menschen gegenüber zu stehen. Genau darum gehe es jedoch dem Veranstalter.

Die Möglichkeit der Betroffenen wegzuschauen, verhindere nicht, dass die geplante Aktion «grob ungehörig» sei und daher eine Ordnungswidrigkeit darstelle. Zwar dürfe eine extreme Sexualmoral nicht zum Mass aller Dinge erhoben werden, die Interessen der Nacktradler müssten aber vor denen der Mehrheit der Bevölkerung zurücktreten.

Der Beschluss ist nicht rechtskräftig. Der Kläger kann vor dem baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshof in Mannheim Beschwerde einlegen.

(Aktenzeichen: Verwaltungsgericht Karlsruhe 6K 1058/05) (dapd)

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