«Historischer Moment»: Verbot von Streubomben kommt
Aktualisiert

«Historischer Moment»Verbot von Streubomben kommt

Die heimtückischen Streubomben sind bald geächtet. Am 1. August tritt eine Konvention gegen die Bomben, die wahllos töten, in Kraft.

Georgier betrachten eine Streubombe im Dorf Ruisi, nahe der abtrünnigen Republik Südossetien (12. August 2008). Die Bombe wurde von der russischen Luftwaffe abgeworfen.

Georgier betrachten eine Streubombe im Dorf Ruisi, nahe der abtrünnigen Republik Südossetien (12. August 2008). Die Bombe wurde von der russischen Luftwaffe abgeworfen.

Das Inkrafttreten des Streubombenverbots sei ein «historischer Moment» und dürfte «Jahrzehnte des schrecklichen Leidens» beenden, sagte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger am Donnerstag. Das Abkommen wurde im Dezember 2008 unterzeichnet und tritt am Sonntag in Kraft.

Die Konvention verbietet den Gebrauch der heimtückischen Waffenart. Auch die Herstellung, Lagerung und Weitergabe ist den Vertragsstaaten untersagt. Das Abkommen ist ab dem 1. August verpflichtend für die 30 Staaten, die es ratifiziert haben. Die Schweiz hat das Verbot erst unterzeichnet, ratifizieren will sie es 2011.

Das Abkommen sei ein «Meilenstein im Kampf gegen Streumunition», sagte Kellenberger in Genf weiter. Um die Konvention zu erfüllen, sei nun viel Aufwand nötig: Betroffene Gebiete müssten gesäubert, die Lagerbestände vernichtet und jenen Hilfe geleistet werden, deren Leben durch Streubomben beeinträchtigt wurde.

Die Staaten müssten unverzüglich damit beginnen, ihre Gesetze und Bestimmungen anzupassen, sagte der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK).

Wahllos Menschen töten

Streubomben verteilen grosse Mengen von Sprengkörpern über weite Flächen, wo sie wahl- und ziellos Menschen verletzen und töten. Als Blindgänger sind sie vor allem für die Zivilbevölkerung sehr gefährlich.

Das Abkommen wurde im Mai 2008 von Vertretern aus mehr als 100 Staaten in Dublin beschlossen, darunter der Schweiz, und Anfang Dezember 2008 in Oslo unterzeichnet. Seitdem ratifizierten es 30 Staaten. Allerdings schlossen sich wichtige Hersteller und Anwender wie die USA, China und Russland nicht an. (sda)

Appell an 1.-August-Redner

In gut 60 Ländern auf der ganzen Welt finden am Sonntag Anlässe zur Inkraftsetzung des Streumunitionsverbots statt. In der Schweiz rief Handicap International alle Gemeinden dazu auf, den Nationalfeiertag auch mit Blick auf diesen Erfolg zu feiern.

Die Nichtregierungsorganisation forderte die 1. August-Redner dazu auf, den «grossen Erfolg der zivilen Gesellschaft» bei ihren Auftritten zu erwähnen. Es handle sich dabei um einen wichtigen und seltenen Vorgang, der es verdiene, hervorgehoben zu werden.

Laut Handicap International sind 98 Prozent der Opfer von Streubomben Zivilisten. Nicht explodierte Teile dieser Waffen treten in 34 Ländern auf. 15 Staaten hätten seit 1965 Streubomben eingesetzt, darunter die USA im Irak und Israel in Libanon. 17 Länder würden immer noch Waffen dieser Art produzieren. (sda)

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