Aktualisiert 19.09.2008 15:55

«Cocksucker Blues»Verbotene Rolling-Stones-Doku auf YouTube

Internet machts möglich: Der undergroundigste aller Underground-Filme ist auf YouTube einsehbar.

Kein Film über die Rolling Stones trug wohl mehr zur deren Legendenbildung bei als die Tour-Doku «Cocksucker Blues», die gar nie veröffentlicht wurde. Das Geheimnis wurde so gut gehütet, dass manche sogar an der Existenz des Streifens zweifelten. Aber es gibt ihn!

1970 engagierten die Mitglieder der britischen Band den Filmemacher Robert Frank, um die Vorbereitung und die anschliessende US-Tournee zu dokumentieren. Der Film sollte das Erscheinen des Doppelalbums «Exile on Main Street» begleiten.

Die Publikumserwartungen waren hoch: Die letzte US-Tournee der Stones wurde mit dem desaströsen Gratiskonzert im kalifornischen Altamont beendet, bei dem ein Fan von als Security-Personal angestellten Mitgliedern der Hells Angels zu Tode geprügelt wurde.

Kult, aber langweilig

Zwischen 1970 und 1972 gefilmt, gelang es Frank, die Stones in allen möglichen Situationen aufzunehmen: auf der Bühne, in Hotelzimmern, im Flugzeug. Der Film ist unkommentiert und zeigt ziemlich krude Bilder, darunter auch etliche Sex- und Drogenszenen. In Erinnerung bleiben das eher unwillige Groupie im Tourflugzeug oder der allzu inszenierte TV-Wurf von Keith Richards.

Das Resultat, nach einem obskuren Rolling-Stones-Song «Cocksucker Blues» ('Schwanzlutscher Blues') betitelt, soll die Band und Produktionsfirma dermassen schockiert haben, dass sie die Ausstrahlung bisher verhinderte. Allerdings behaupten andere Quellen, dass die Band keine Probleme mit dem Inhalt gehabt hätte, sondern mit der Qualität des Films. Vor allem Letzteres soll die Produktionsfirma beanstandet haben – über weite Strecken ist der Streifen schlicht unanschaubar, sterbenslangweilig.

Doch seinem Ruf sei Dank, genoss der Filme über Jahrzehnte hohes Ansehen in Insiderkreisen, wo wenige Kopien als Bootlegs zirkulierten – bis heute. Denn seit diesem Jahr ist der Streifen auf YouTube zu sehen.

Hier zwei der «softeren» Ausschnitte des Dokumentarfilms.

(atk)

Die erste Episode

Die sechste Episode

«Cocksucker Blues» - der Song.

1970 standen die Rolling Stones vor den Trümmern ihrer Karriere. Pleite, gejagt von den englischen Steuerfahndern, um die Rechte an ihren Songs gebracht vom ehemaligen Manager Allen Klein, die USA-Tour endete im Desaster von Altamont. Sie entschlossen sich zu einem Neuanfang mit einem eigenen Label. Wenn da nicht ihre alte Plattenfirma Decca gewesen wäre, die auf die Einhaltung der vertraglichen Pflichten und die Ablieferung noch einer zugesagten Single pochte. Dem kamen die Stones nach mit dem «Cocksucker Blues» an dem die Musikbosse verständlicherweise jedoch keinen Gefallen fanden und die Jungs gehen liessen.

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