Aktualisiert 14.05.2006 17:56

Verbrecherbande jagte Polizisten: 52 Tote

Bei einer Serie von Angriffen auf Polizeiwachen in der brasilianischen Metropole São Paulo und dem gleichnamigen Bundesstaat sind mindestens 52 Menschen getötet worden. Unter den Toten sind laut Behörden 35 Polizisten.

Die Überfälle hatten am späten Freitagabend begonnen. Sie sind vermutlich Racheakte für die Überstellung von 765 Häftlingen in ein Hochsicherheitsgefängnis.

Die Behörden machten das so genannte Erste Hauptstadtkommando (PCC) für die Angriffe verantwortlich, eine kriminelle Häftlingsgruppierung, die unter anderem den Drogenhandel in den Gefängnissen kontrolliert. In mindestens 18 Gefängnissen brachen zudem Revolten aus, rund 130 Menschen waren Medien zufolge am Sonntag noch in Geiselhaft.

Bereits in der Nacht zum Samstag wurden insgesamt 30 Menschen getötet, davon 23 Polizisten. Bei der zweiten Angriffsserie wurden mindestens 22 Menschen getötet, darunter 12 Polizisten. Insgesamt kamen 14 mutmassliche Angreifer und drei Passanten ums Leben, weitere 50 Menschen wurden verletzt.

Mehr als hundert Überfälle

In den zwei Tagen wurden mehr als hundert Überfälle gezählt. Bei den Gefängnismeutereien gerieten nach Gewerkschaftsangaben rund 250 Wächter zwischenzeitlich in die Gewalt der Häftlinge.

Am Sonntag waren laut örtlichen Medien noch 130 Menschen in Geiselhaft. Zahlreiche Gefängnisse seien für Besucher geschlossen worden, die normalerweise am Sonntag ihre inhaftierten Angehörigen sehen dürfen.

Die offenbar koordinierten Angriffe richteten sich gegen Polizeiwachen, Streifenwagen und patrouillierende Polizisten. Die meisten Angriffe wurden aus São Paulo gemeldet, aber auch aus Städten wie Mogi Mirim, São José de Rio Preto, Ribeirao Preto, Osasco, Cubatao und Guaraja.

Angst vor Massenaufstand

Die Behörden hatten die Überstellung der Häftlinge in das Sicherheitsgefängnis angeordnet, um einem erwarteten Massenaufstand des PCC am Muttertag vorzubeugen, an dem viele Häftlinge Freigang erhalten und es besonders viele Besucher in den Gefängnissen gibt. Unter den überstellten Gefangenen war auch der mutmassliche PCC- Chef Marcos Wilian Herbas Camacho.

Das PCC, dem Schätzungen zufolge rund 5000 Mitglieder angehören, soll hinter den meisten Häftlingsrevolten der jüngsten Zeit im Bundesstaat São Paulo stecken. Seit Jahresbeginn gab es dort etwa 50 solche Meutereien.

Die Haftanstalten in Brasilien sind hoffnungslos überfüllt. Allein in den Gefängnissen des Bundesstaats São Paulo gibt es etwa 90 000 Häftlinge, 10 000 davon in der Strafanstalt Carandirú, dem grössten Gefängnis Lateinamerikas.

(dapd)

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