Aktualisiert 16.08.2011 18:58

Tablet-Krieg

Verdacht - hat Apple Beweise gefälscht?

Apple soll in seiner Klage gegen Samsungs Galaxy Tab Vergleichsfotos gefälscht haben. Auf den Bildern erscheint das Galaxy Tablet plötzlich gleich breit wie das iPad - obwohl es deutlich schmaler ist.

von
owi
In Wirklichkeit ist das Galaxy Tab deutlich schmaler (Bild oben), als von Apple in der Gegenüberstellung dargestellt.

In Wirklichkeit ist das Galaxy Tab deutlich schmaler (Bild oben), als von Apple in der Gegenüberstellung dargestellt.

Vor einer Woche verbot ein deutsches Gericht vorübergehend den Verkauf des neuen Samsung Galaxy Tab 10.1 in der EU. Apple hatte den südkoreanischen Rivalen verklagt, da das Galaxy Tab dem iPad zu sehr gleichen soll (20 Minuten Online berichtete).

Nun ist die niederländische Website «Web Wereld» auf ein seltsames Foto in der Klageschrift gestossen. Auf Seite 28 werden das iPad und Galaxy Tab nebeneinander abgebildet. Auf dem Foto gleichen sich beide Tablets wie ein Ei dem anderen.

Unter dem Foto schreibt Apple: «Die Gesamterscheinung der zwei oben gezeigten Produkte ist fast identisch, weil das Galaxy Tab 10.1 alle unterscheidungskräftigen Elemente der Ausstattung des iPad 2 kopiert.» So sei das Galaxy Tab wie das iPad «ein rechteckiges Produkt mit vier gleichmässig gerundeten Ecken». Eine Beschreibung, die vermutlich auf die Hälfte aller Tablet-PCs zutreffen würde.

Bearbeitete Fotos in der Klageschrift

Was das Vergleichsbild nicht zum Ausdruck bringt: Die Samsung- und Apple-Tablets unterscheiden sich grundlegend im Seitenverhältnis. So ist das Galaxy Tab, wie die meisten Android-Tablets, mit einem Verhältnis von 16:10 merklich schlanker als das iPad. Dieses weist das Format 4:3 auf. Ob es sich bei der Darstellung in der Klageschrift um ein Versehen handelt oder absichtliche Manipulation vorliegt, ist unklar. Apple und Samsung wollten sich hierzu gegenüber «Web Wereld» nicht äussern und beriefen sich auf das laufende Verfahren.

Die Streithähne werden sich bereits am 25. August vor Gericht treffen, da Samsung nach dem Verkaufsverbot umgehend Berufung angekündigt hatte. Sollte sich der Vorwurf der Bildmanipulation erhärten, könnte die Luft für Apple dünn werden. Laut dem Tech-Portal gulli.com sagten Rechtsexperten gegenüber «Web Wereld», dass das falsche Bild einen entscheidenden Einfluss auf das Verfahren und die mündliche Anhörung in gut einer Woche haben könnte.

Sollte das Gericht den Verkaufsstopp aufheben, hat sich Apple mit der Klage einen Bärendienst erwiesen. So viel Gratis-Werbung wie in den letzten Tagen bekam Samsung selten von einem Rivalen geschenkt. Kommt hinzu, dass sich zumindest die deutschen Läden um das temporäre Verkaufsverbot foutieren. Das Galaxy Tab wird munter weiterverkauft, wie «Spiegel Online» am Montag schrieb. Apple Schweiz gibt keine offizielle Stellungnahme ab.

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Verkaufsverbot aufgehoben

Samsung darf seinen neuen Tablet-PC Galaxy Tab 10.1 jetzt wieder in den Länder der EU - mit Ausnahme von Deutschland - verkaufen. Das Landgericht Düsseldorf schränkte die Reichweite des von ihm auf Klage des Konkurrenten Apple erlassenen europaweiten Verkaufsverbots nachträglich auf die Bundesrepublik ein, wie ein Gerichtssprecher am Dienstag mitteilte.

Der Sprecher begründete den Schritt damit, dass Zweifel bestünden, ob das Düsseldorfer Gericht im Einstweiligen Verfügungsverfahren ein europaweites Verkaufsverbot aussprechen dürfe.

(dapd)

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