Bielersee-Unfall: Verdächtiger Bootsfahrer spricht erstmals
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Bielersee-UnfallVerdächtiger Bootsfahrer spricht erstmals

Das Drama vom Bielersee, bei dem eine junge Frau von einer Schiffschraube getötet wurde, bewegte letzten Sommer die Schweiz. Nun liegt das Experten-Gutachten vor.

von
fum/ann

Neun Monate nach dem Bootsdrama vom Bielersee am 11. Juli 2010 herrscht immer noch Unklarheit über den Hergang des Unfalls, bei dem die damals 24-jährige Angela A. starb. Der Unfallverursacher flüchtete, der Verdacht fiel auf den Berner Unternehmer U.T.

Nun liegt dem «SonntagsBlick» das Gutachten des Forensischen Institutes Zürich vor. Dieses liefert keinen klaren Beweis für T.s Schuld – aber es entlastet ihn auch nicht gänzlich. Die Schiffsschraube komme als «Tatwaffe» nach wie vor in Frage. Es gebe aber «keine eindeutigen Hinweise auf Fremdpartikel ab der Schiffsschraube, ab der Antriebswelle und ab der Kronenmutter» von T.s Boot, welche mit «den Kunststoffen ab dem Paddel oder mit knochenähnlichen Materialien übereinstimmen» - eine handfeste Verbindung zwischen T.s Boot und dem Tod von Angela A. gibt es also nicht.

DNA-Spuren nicht von Angela A.

Die DNA-Spuren, die an der Schraube gefunden wurden, waren von U.T. selbst, nicht von Angela A. Der Unternehmer erklärt denn auch, wie das möglich ist. «Ich tastete die Schraube mit den Fingern ab, um die kleine Delle festzustellen, welche die Polizisten gefunden hatten», sagte er dem «SonntagsBlick» gegenüber.

Dennoch läuft eine Untersuchung gegen T. wegen fahrlässiger Tötung. Der Unternehmer hat gegenüber den Behörden stets seine Unschuld beteuert, obwohl viele Indizien gegen ihn sprechen: Der 75-jährige Unternehmer war an jenem späten Sonntagnacghmittag mit seinem Boot auf dem Bielersee unterwegs gewesen. Mit an Bord sassen seine Frau und eine Bekannte.

«Sie haben mich an Ort und Stelle vorverurteilt»

Der damalige Fahndungsaufruf der Polizei lautete: «Der Bootsführer wird als 55- bis 65-jähriger Mann mit einer leichten Stirnglatze beschrieben. Er war mit einem weissen T-Shirt bekleidet und trug eine Sonnenbrille. An Bord des Schiffes dürften sich zwei bis drei weitere Personen aufgehalten haben.» Auch das vom Augenzeugen beschriebene Täter-Boot stimmt ziemlich exakt mit dem Boesch-Boot von U.T. überein: «Beim Motorboot handelt es sich um ein wein- oder alt-bordeauxrotes Schiff das dem Typ «Boesch» oder «Pedrazzini» ähnlich ist. Das Deck, auf dem sich möglicherweise weisse Sitzkissen befinden, ist weiss.» U.T.s Boot wurde am 28. Juli beschlagnahmt.

Doch U.T. bleibt standfest bei seiner Aussage, dass er nichts mit der ganzen Geschichte zu tun habe. Von der Polizei sei er von Anfang an unfair behandelt worden. «Ohne auch nur einen Beweis zu haben, haben sie mich an Ort und Stelle vorverurteilt. Damit begann für mich und meine Familie eine Tragödie.»

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