Aktualisiert 03.08.2012 08:19

Bald 8 Mio. Schweizer«Verdichten ist nötig und machbar»

Es wird eng: Bald leben acht Millionen Menschen in der Schweiz. Um Bauland zu sparen, müssen wir zusammenrücken. Die Direktorin des Städteverbandes erklärt, wie sinnvoll verdichtet werden kann.

Die Berner Vorortsgemeinde Köniz ist vorbildlich beim Thema Verdichtung vorgegangen. Zwischen dem Siedlungsgebiet und der Kulturlandschaft darum herum existieren klare Grenzen.

Die Berner Vorortsgemeinde Köniz ist vorbildlich beim Thema Verdichtung vorgegangen. Zwischen dem Siedlungsgebiet und der Kulturlandschaft darum herum existieren klare Grenzen.

«Einfach ist Verdichten nicht», sagt die Direktorin des Städteverbandes, Renate Amstutz. «Aber es ist nötig und machbar.» Denn bald leben acht Millionen Menschen in der Schweiz. Da heisst es zusammenrücken, um Bauland zu sparen.

Verdichten heisse nicht, beliebig viele Wohnungen auf möglichst engen Raum zu packen, betont Amstutz am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Vielmehr müssten Quartiere entstehen, in denen die Menschen sich zu Hause fühlten, drinnen und draussen.

Nutzer frühzeitig einbeziehen

«Die Quartiere sollten verschiedenste Bedürfnisse befriedigen», sagt Amstutz. «Ältere und Jüngere, Familien oder unterschiedliche soziale Schichten sollen dort nicht nur wohnen, sondern nach Möglichkeit auch einkaufen, arbeiten, die Schule besuchen oder sich erholen können.» Wichtig sei neben der sozialen und funktionalen Durchmischung eine gute Verkehrserschliessung.

Wettbewerbe könnten gute Lösungen bringen, sagt Amstutz. Vorteilhaft sei es, wenn die Nutzer frühzeitig in die Gestaltung des Quartiers einbezogen würden.

Etwa in Quartiergärten, wie Jean-Claude Ruchet, Stadtrat von Yverdon VD, am Städtetag 2011 in Neuenburg darlegte. In gemeinsamen Gärten begegneten sich Nachbarn, heisst es in seinem im Internet veröffentlichten Referat. Gärten verbesserten die Lebensqualität und folgten den Prinzipien der nachhaltigen Raumentwicklung.

Begegnung im Garten

Ruchet berichtete über die Entstehung des Gartens im Stadtquartier Pierre-de-Savoie. Entstanden ist er auf einer wenig genutzten Landparzelle zwischen Wohnblöcken. Fachleute und Anwohner planten ihn gemeinsam. Spielregeln und Termine legten die Gemeinde und die Umweltorganisation Equiterre in Absprache mit den Anwohnern fest.

Rund 60 Kinder aus Quartierschulen säten und pflanzten für den Garten. Auch das Mosaik für den Brunnen durften die Schulkinder entwerfen. Vor gut einem Jahr wurde der Garten eingeweiht.

Voraussetzung dafür, dass ein solches Projekt zu Stande kommt, sind laut Ruchet partnerschaftliche Zusammenarbeit verschiedener Stellen und das Geld. Equiterre wurde für das Vorhaben von der Loterie Romande unterstützt. Die 98 000 Franken für die Erstellung des Gartens übernahmen die Stadt und der Fonds Landschaft Schweiz.

Vorbild Köniz

Vorbildlich beim Thema Verdichtung vorgegangen ist die Berner Vorortsgemeinde Köniz. Im Juni hat die Gemeinde mit knapp 40 000 Einwohnern vom Heimatschutz den Wakkerpreis erhalten, weil sie klare Grenzen zieht zwischen dem Siedlungsgebiet und der Kulturlandschaft darum herum.

Langjährige hervorragende Planung habe dieses Resultat gebracht, hielt der Heimatschutz fest. Köniz zeige, wie künftige Herausforderungen bewältigt werden könnten, etwa in Sachen Verkehr, verdichtetem Bauen und dem Bewahren von natürlichen Räumen.

Im Zentrum von Köniz zeigt sich laut Heimatschutz, dass Dichte und Qualität vereinbar sind. Schon 2011 vergab der Heimatschutz den Wakkerpreis in eine Agglomeration, nämlich an neun Gemeinden der Region Lausanne-West. Auch sie wurden für ihre Gebietsentwicklung ausgezeichnet.

«Bedürfnisse ändern sich»

Gute Beispiele gibt es laut Renate Amstutz vom Städteverband aber weitere, etwa im Glattal im Kanton Zürich, dessen Bevölkerung seit einiger Zeit stark wächst. «Hier wird massiv verdichtet und für eine gute Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln gesorgt.»

Verdichtung ist nie zu Ende. «Die Bedürfnisse ändern sich», sagt Amstutz dazu. «Ein Quartier muss entwicklungsfähig bleiben.» Der Städteverband kann seinen Mitgliedern keine Vorgaben machen, will ihnen aber beispielsweise an Veranstaltungen Möglichkeiten aufzeigen. (sda)

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