Aktualisiert 13.09.2010 21:58

Basel

Verdienen Banker wegen «Basel III» nun weniger?

Banken müssen ihr Eigenkapital erhöhen. Laut Experten werden bei Banken deshalb künftig weniger Löhne und Boni ausbezahlt.

von
Gérard Moinat
Wegen des neuen Regelsets könnten die Banker der CS weniger verdienen. (Bild: Keystone)

Wegen des neuen Regelsets könnten die Banker der CS weniger verdienen. (Bild: Keystone)

Führende Bankenaufseher ­haben am Sonntag in Basel ­Geschichte geschrieben. Sie schraubten im Regelwerk «Basel III» die Anforderungen an Qualität und Umfang des Eigenkapitals von Banken deutlich höher. Damit wollen sie die Banken widerstands­fähiger gegen Krisen machen (20 Minuten berichtete). Die Regeln sind nicht bindend, dürften jedoch in vielen ­Ländern übernommen werden. Die EU beispielsweise will ihre Gesetzgebung rasch anpassen.

«Die beschlossenen Regelsets stellen keine fundamen­talen Änderungen dar», kommentiert der Bankenprofessor Manuel Ammann. «Aber die Banken werden mit ihr sicherer.» Dass der Bankrott einer Bank für ein Land nicht tragbar wäre, sei damit aber nicht gelöst. «Regulierungen sind immer ein Kompromiss. Aber mit den Entschlüssen werden die ­Banken vor noch strengeren Regeln verschont», so Ammann.

Trotzdem: In der Schweiz wird die Bankenaufsicht Finma «wohl noch strengere Regeln» durchsetzen, so Ökonom Peter Kugler. Der Branchenverband der Banken erwartet von der Finma «Augenmass» bei weiteren Verschärfungen. Mit den neuen Eigenkapitalvorschriften werden die Banken we­niger verdienen als bisher, ist Kugler überzeugt. «Dadurch werden sie in ihren Dividenden- bzw. Lohn- und Boni-Auszahlungen beschränkt.» Auch der Ex-UBS-Chef Nikolaus Senn glaubt, dass die Banker-Boni wegen des neuen Regelsets künftig weniger üppig ausfallen. Zudem zwinge ­«Basel III» die Bankenwelt zu Fusionen. In Deutschland wird gerade eine eingeleitet: Die Deutsche Bank will ihr Kapital erhöhen, um die Postbank zu übernehmen.

20 Mia Kosten für UBS und CS

Von den «Basel III»-Regelungen werden in der Schweiz nur die beiden Grossbanken ­tangiert. Alle anderen erfüllen die Standards im Wesentlichen bereits heute. Gemäss Experten kosten die strengeren Regeln die UBS und die CS mehr als 20 Milliarden Franken. Weil die beiden Banken im Verhältnis zur Schweizer Volkswirtschaft eine Grösse haben, die ein System­risiko darstellt, wird die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht die Regeln wohl noch mit einem «Swiss Finish» verschärfen.

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