Aktualisiert 18.09.2011 09:55

Die Geldfrage

Verdient Tom Lüthi zu wenig?

Kommt Töffstar Tom Lüthi nicht auf Touren, weil er zu wenig verdient? Sein Manager Daniel M. Epp sieht einen Zusammenhang zwischen tiefem Einkommen und ungenügenden Resultaten.

von
K. Zaugg, Alcaniz

Auch das Abschlusstraining zum GP von Aragon endete für Tom Lüthi mit einer Enttäuschung: Nur Rang 11 und vierte Startreihe. Die Erklärungen sind das übliche «Hätti-Chönti-Sötti»: Die Basisabstimmung am Freitag funktionierte nicht (14. Nach dem ersten Trainingstag) und der Rückstand konnte im Abschlusstraining nicht mehr aufgeholt werden. Diesmal fehlte in den letzten, entscheidenden Kampfrunden der Gripp am Hinterrad. An und für sich könnte Lüthi das Tempo der besten mitfahren – aber nun braucht er einen extrem guten Start, um im Rennen den Anschluss an die Spitzengruppe zu finden.

Alles in Frage stellen

Manager Daniel M. Epp ist mit den Leistungen seines Piloten nicht mehr zufrieden. Das Saisonziel war klar und realistisch: Kampf um den Moto2-WM-Titel. Dass die Saison längst gelaufen ist (7. WM-Zwischenrang, 117 Punkte Rückstanf auf WM-Leader Stefan Bradl), nimmt der Baselbieter nicht einfach so hin. «Ich stelle alles in Frage. Weil wir herausfinden müssen, warum wir inzwischen am Freitag jedes Mal die Basisabstimmung nicht hinkriegen.»

Es gibt drei mögliche Ursachen: Der Pilot, das Material und das technische Personal. Das Material schliesst Epp als Ursache der Krise aus. «Wir bekommen von Eskil Suter das genau gleiche Material wie unsere Konkurrenz und es liegt an uns, dass wir es richtig abstimmen.»

Also bleiben die Techniker und der Pilot. Epp stellt beide in Frage. Das ist insofern bemerkenswert, weil der Baselbieter, der Lüthis Karriere seit 2002 managt, bisher seinen Piloten immer aus der Schusslinie genommen hat. Damit ist jetzt Schluss: «Wenn wir nächste Saison besser werden wollen, dann müssen wir alles in Frage stellen. Auch den Fahrer. Ich kann jetzt noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, warum es nicht so läuft, wie wir erwartet haben. Ich arbeite intensiv an der Ursachenforschung. Es folgen nun mit den GP in Japan, Australien und Malaysia drei Überseerennen und da werden wir als Team viel Zeit miteinander verbringen. Ich hoffe, dass ich herausfinden kann, woran es liegt.»

100'000 Franken Basissalär

Es gibt bei dieser Ursachenforschung ein erstes, hochinteressantes Zwischenresultat. Epp offenbart gegenüber 20 Minuten Online: «Vielleicht verdient Tom Lüthi zu wenig.»

Es gibt keine offiziellen Zahlen. Aber verlässliche Gewährsleute sagen, dass das Basissalär des besten Schweizer Töffpiloten der Gegenwart nur knapp 100 000 Franken beträgt. Um den Kopf frei von Existenz- und Zukunftssorgen zu haben und am Gasgriff zu drehen, als gäbe es kein Morgen, müsste Lüthi aber mindestens 400 000 bis 600 000 Franken im Jahr verdienen. Nur so kann er sich die finanzielle Reserve für die Zeit nach seiner Karriere schaffen.

Kopf nicht frei

Bei dem knappen Einkommen ist es extrem schwierig, den Kopf für eine der gefährlichsten Sportarten der Welt hundertprozentig frei zu haben. «Das ist ein Problem», sagt Epp gegenüber 20 Minuten Online. «Wir sind daran, über Sponsoren Toms Einkommen zu verbessern. Aber es ist nicht einfach.»

Wenn Tom Lüthi als Weltmeister und Sportler des Jahres 2005 (vor Roger Federer) und als einer der populärsten Einzelsportler des Landes klar weniger als 200 000 Franken im Jahr verdient, dann ist auch ein Fragezeichen hinter seinen Manager zu setzen. Das sieht Epp selbstkritisch auch so: «Ich stelle auch mich selbst in Frage und ich bin mit meiner Arbeit als Manager von Tom Lüthi auch nicht zufrieden.»

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