Aktualisiert 11.06.2015 13:53

«Für traditionelle Familie»

Verein kämpft gegen Schwule und Lesben

Ein neues Komitee will die Homo-Ehe in der Schweiz verhindern. Auch bei der Adoption für Homosexuelle soll das Volk das letzte Wort haben.

von
D. Waldmeier
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Der Verein «Für eine traditionelle Familie» will die Homo-Ehe verhindern. Bei der Stiefkindadoption kündigt er ein Referendum an.

Der Verein «Für eine traditionelle Familie» will die Homo-Ehe verhindern. Bei der Stiefkindadoption kündigt er ein Referendum an.

AFP/Miguel Schincariol
Co-Präsident und EDU-Politiker Marco Giglio will die «Phalanx der Schwulen-Lobby» durchbrechen. «Linksliberale Kreise würden die Familie am liebsten abschaffen. Auch die geplante Ausdehnung der Schwulenrechte ist ein Angriff auf die Familie», sagt Giglio.

Co-Präsident und EDU-Politiker Marco Giglio will die «Phalanx der Schwulen-Lobby» durchbrechen. «Linksliberale Kreise würden die Familie am liebsten abschaffen. Auch die geplante Ausdehnung der Schwulenrechte ist ein Angriff auf die Familie», sagt Giglio.

zvg

Konservative und kirchliche Kreise haben den Verein «Für eine traditionelle Familie» gegründet. Dieser will die traditionelle Familie stärken und die Homo-Ehe verhindern. Bereits angekündigt ist ein Referendum gegen die Pläne des Bundesrats, homosexuellen Paaren die Adoption von Stiefkindern zu erlauben.

«Demontage der traditionellen Familie»

Laut Co-Präsident und EDU-Politiker Marco Giglio ist es an der Zeit, die «Demontage der traditionellen Familie» zu stoppen und die «Phalanx der Schwulen-Lobby» zu durchbrechen. «Linksliberale Kreise würden die Familie am liebsten abschaffen. Auch die geplante Ausdehnung der Schwulenrechte ist ein Angriff auf die Familie», sagt Giglio. Eine Ehe und damit eine Familie sei nur zwischen Mann und Frau möglich, auch wenn die Medien versuchten, ein anderes Bild zu vermitteln. «Conchita Wurst ist ein Beispiel für diese Fehlentwicklung.»

Die traditionellen Parteien zaudern gemäss Giglio, in der Frage offen Position zu beziehen, da sie die negativen Reaktion fürchteten. «Wer heute gegen die Homo-Ehe ist, wird dämonisiert und muss gleich mit einer Anzeige rechnen.»

«Gesellschaft braucht eine Hausordnung»

Im Verein dabei sind bekannte Politiker, unter anderen die Nationalräte Jakob Büchler (CVP) und Verena Herzog (SVP). «Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen. Ich bin nicht verklemmt, aber ich frage mich, wohin das führt, wenn wir immer mehr Türen öffnen. Auch eine Gesellschaft braucht eine Hausordnung», sagt Büchler. Er will dem erweiterten Adoptionsrecht einen Riegel schieben, da er das Kindeswohl in Gefahr sieht. Ähnlich argumentiert Herzog: «Ein Kind hat ein Anrecht auf einen Vater und eine Mutter.»

Für Herzog haben sich Homosexuelle vor Jahren berechtigterweise für Anliegen wie die eingetragene Partnerschaft engagiert. Mittlerweile seien die Forderungen aber weit überzogen. «Damit schadet die Lobby den Anliegen der Homosexuellen.»

Schwulenorganisationen schlagen zurück

Für Bastian Baumann, Geschäftsleiter des Schwulen-Dachverbandes Pink Cross, handelt es sich bei dem Verein um «eine verschlossene Gruppe, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat». Der Verein scheine nur zum Zweck der Bekämpfung homosexueller Anliegen gegründet worden zu sein. «Das ist in einem demokratischen Land natürlich erlaubt. Wir möchten die Nationalräte aber daran erinnern, dass vor dem Gesetz alle gleich sein sollten. Warum sollte das nicht für die Ehe gelten?»

Auch der homosexuelle Basler FDP-Nationalrat Daniel Stolz fürchtet das neue Komitee nicht. «Wer ein Coming-out durchgemacht hat, scheut keine harten Auseinandersetzungen mehr.» Er sei zuversichtlich, dass sich das Volk bei einer allfälligen Abstimmung für die Adoption von Stiefkindern durch homosexuelle Paare aussprechen würde. Für Stolz steht das Kindeswohl an erster Stelle, dabei spiele das Geschlecht der Bezugspersonen keine Rolle: «Schwule und lesbische Paare können genauso wie zweigeschlechtliche Paare gute oder schlechte Eltern sein.»

Bevor es zu einer Volksabstimmung über das revidierte Adoptionsrecht kommen könnte, muss das Geschäft noch durch das Parlament. Das Komitee geht offenbar nicht von grossem Widerstand aus. Die Unterschriftenbögen für das Referendum sind schon druckbereit. «Die 50'000 Unterschriften werden wir bei einem solch emotionalen Thema in Windeseile zusammenhaben», sagt Giglio.

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