Aktualisiert 03.06.2014 14:02

Vollgeld-InitiativeVerein will Banken die Macht entreissen

Banken handeln mit deutlich mehr Geld, als sie besitzen. Ein Schweizer Verein sieht das als Ursache für Finanzkrisen. Daher will er die Banken nun entmachten.

von
L. Frommberg
CS und UBS am paradeplatz in Zürich: Die Initiative soll ihnen die Macht nehmen.

CS und UBS am paradeplatz in Zürich: Die Initiative soll ihnen die Macht nehmen.

Eigentlich klingt es logisch: Man soll nur das Geld verleihen, das man auch wirklich besitzt. Doch das internationale Finanzsystem funktioniert schon lange nicht mehr so. Denn: Es ist wesentlich mehr Geld im Umlauf, als physisch tatsächlich vorhanden ist. Banken bringen Geld in Umlauf, indem sie ihren Kunden Kredite geben. Doch diese Kredite werden eben nicht vom Guthaben anderer Kunden finanziert, sondern existieren rein virtuell. Das führt dazu, dass das Guthaben vieler Bankkunden nur Forderungen gegenüber ihrer Bank sind. Und alle Forderungen Schweizer Bankkunden zusammengenommen machen in der Summe etwa zehnmal so viel aus wie das Bargeld, das die Notenbank aufgibt.

Dies sei ein Risiko, findet der Verein Monetäre Modernisierung (Momo). Daher lancierte die Gruppe heute die Vollgeld-Initiative. Sie fordert, dass die Schweizerische Nationalbank die Geldmenge fixiert. «Nach der Vollgeld-Umstellung gibt es nur noch Nationalbank-Geld auf unseren Privatkonten», erklärt Daniel Meier, Geschäftsführer des Vereins. Das elektronische Geld sei damit genauso vollwertiges Geld wie heute Münzen und Banknoten. Die Banken können also nur noch mit Geld arbeiten, das ihnen von Sparern, Investoren und Nationalbank zufliesst oder das sie selber besitzen. Das Geld-Erzeugen und -Verleihen aus dem Nichts wäre also nicht mehr möglich.

Rund 300 Mitglieder hat der Trägerverein der Initiative. Aktiv Interessierte gibt es laut Meier aber rund 2000. Und: Auch der ein oder andere prominente Wissenschaftler unterstützt das Vorhaben. So etwa der emeritierte St. Galler Wirtschaftsprofessor Peter Ulrich oder Hans-Christoph Binswanger, ebenfalls emeritierter St. Galler Professor. Insgesamt habe man bereits vor dem offiziellen Sammelstart 70'000 Unterschriften zugesichert bekommen, berichtet Meier.

Harsche Kritik

Doch es gibt auch harsche Kritik an der Initiative. So erklärte etwa Avenir Suisse in einer Ausgabe ihre «Standpunkte»: «Eine Vollgeld-Reform brächte bei weitem mehr Risiken als Chancen.» Ausserdem sei sie nicht rückgängig zu machen. Statt für eine Reform, «die an den Grundfesten der Geldordnung rührt», plädieren die Autoren Jörg Baumberger und Rudolf Walser deshalb für «kontrollierte und schrittweise Stabilisierungsmassnahmen wie etwa eine Erhöhung der Eigenkapitalquoten der Banken».

Weitere Kritiker der Initiative sehen katastrophale Folgen für den Finanzplatz Schweiz – er könnte sich komplett isolieren, so die Angst. Im Gegenteil, heisst es von Momo. «Mit Vollgeld wird der Schweizer Franken zur sichersten Währung und den Bankenplatz Schweiz im Bereich Vermögensverwaltung stärken», so Momo-Geschäftsführer Meier. Die Grossbanken würden allenfalls Stellen im spekulativen Investmentbanking abbauen.

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