Aktualisiert 07.01.2008 16:27

Verfahren gegen Sahara-Entführer versandet

Das Schweizer Verfahren gegen über ein Dutzend mutmassliche Entführer von vier Schweizern und 28 weiteren Touristen in der Sahara im Winter 2003 wird voraussichtlich eingestellt.

Dies beantragt jedenfalls das Eidgenössische Untersuchungsrichteramt, nachdem die Schweiz keine Rechtshilfe erhalten hat.

Er habe der Bundesanwaltschaft im vergangenen Dezember beantragt, das Verfahren einzustellen, sagte der Eidgenössische Untersuchungsrichter Ernst Roduner am Montag auf Anfrage der AP. Der Entscheid der Bundesanwaltschaft stehe noch aus. Roduner begründet seinen Antrag damit, dass Algerien trotz regelmässiger Mahnungen die Rechtshilfe verweigert habe. Damit sei eine Klärung des Sachverhalts, die Voraussetzung für ein Verfahren sei, nicht möglich. Es sei beispielsweise sogar offen, ob die Angeschuldigten überhaupt noch am Leben seien, nachdem Medien schon den Tod des damaligen Anführers gemeldet hätten. Roduner bezeichnete das Verfahren aber auch abgesehen davon als eher ungewöhnlich, weil ja nicht damit zu rechnen sei, dass die damaligen Entführer je vor ein Schweizer Gericht gestellt werden könnten.

Die Bundesanwaltschaft hatte am 12. April 2003 ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren gegen unbekannt eröffnet und schliesslich über ein Dutzend Personen aus dem mutmasslichen Entführerkreis identifiziert. Ermittelt wurde wegen Verdachts auf Mitgliedschaft beziehungsweise Unterstützung einer kriminellen Organisation sowie Freiheitsberaubung und Entführung unter erschwerenden Umständen und eventuell Geiselnahme zum Nachteil der vier damals mitentführten Schweizer. Die Akten wurden dann Ende März 2004 Roduner übergeben, der eine Voruntersuchung eröffnete.

32 europäische Sahara-Touristen, darunter zwei Frauen und zwei Männer aus der Schweiz, waren zwischen dem 22. Februar und dem 8. März 2003 in der südalgerischen Sahara verschleppt worden. Eine Deutsche starb während der Geiselhaft. Im Mai 2003 wurden 17 Geiseln vom algerischen Militär befreit. Die anderen 14 Geiseln, darunter die vier Schweizer, wurden im August 2003 im Norden von Mali wieder freigelassen. Algerische Medien veröffentlichten damals ein angebliches Bekennerschreiben der Salafistengruppe für Predigt und Kampf (GSPC). (dapd)

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