Aktualisiert 14.01.2018 09:02

MedikamentenskandalVerfallsdatum bei Krebsmittel gefälscht

In der Schweiz und in Frankreich ist es zu einem Skandal um abgelaufene Krebsmedikamente gekommen. Im Mittelpunkt: eine Firma aus dem Wallis.

von
roy
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Mehrere Spitäler waren von dem Medikamentenskandal betroffen: Ein Ambulanzwagen fährt zum Notfallzentrum vom Inselspital Bern. (8. April 2013) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Mehrere Spitäler waren von dem Medikamentenskandal betroffen: Ein Ambulanzwagen fährt zum Notfallzentrum vom Inselspital Bern. (8. April 2013) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Die Firma Alkopharma aus Martigny VS fälschte die Verfallsdaten, um die Medikamente länger verkaufen zu können.

Die Firma Alkopharma aus Martigny VS fälschte die Verfallsdaten, um die Medikamente länger verkaufen zu können.

Laut der Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic, die fünf Jahre ermittelte in dem Fall, waren die Patienten einem klaren Risiko ausgesetzt, weil die Ärzte von einer falschen Dosis ausgegangen waren bei ihren Behandlungen.

Laut der Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic, die fünf Jahre ermittelte in dem Fall, waren die Patienten einem klaren Risiko ausgesetzt, weil die Ärzte von einer falschen Dosis ausgegangen waren bei ihren Behandlungen.

Keystone/Peter Klaunzer

Zwischen 2007 und 2011 wurden in der Schweiz über 100'000 Ampullen mit abgelaufenen Medikamenten an Schweizer und französische Patienten verabreicht, berichten die «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche».

Die Firma Alkopharma aus Martigny VS fälschte die Verfallsdaten, um die Medikamente länger verkaufen zu können. Eigentlich waren sie nur 18 Monate haltbar, teils wurden sie nach sieben Jahren noch verkauft. Die abgelaufenen Dosen entfalteten nur noch eine reduzierte Wirkung.

Der Fall betrifft die meisten grossen Schweizer Spitäler. Insgesamt verkaufte Alkopharma 98'820 Flaschen in Frankreich für mehr als 3,2 Millionen Euro und 2119 Flaschen in der Schweiz für mehr als 207'500 Franken.

Ein Walliser Gericht verurteilte im Jahr 2016 die Verantwortlichen zu Geldstrafen und sagte, es habe für Patienten kein Risiko bestanden.

Auch Kinder waren betroffen

Laut der Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic, die fünf Jahre ermittelte in dem Fall, waren die Patienten aber einem klaren Risiko ausgesetzt, weil die Ärzte von einer falschen Dosis ausgegangen waren bei ihren Behandlungen.

Swissmedic hat den Fall deshalb an die nächste Instanz gezogen. Das Inselspital hat inzwischen 23 Patienten identifiziert, die mit dem Medikament behandelt wurden – 15 davon sind Kinder. Sie litten teils an Nierenkrebs und Gehirntumoren.

Auch das Universitätsspital Basel und die Kantonsapotheke Zürich erhielten das Medikament – aber in geringen Mengen. Swissmedic hat im Zuge der Ermittlungen bei verschiedenen Stichproben in der ganzen Schweiz Medikamente mit reduzierter Wirksamkeit gefunden. «Diese Affäre ist in ihrer Grössenordnung bisher einzigartig für die Schweiz», sagt Swissmedic. (roy/sda)

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