News von damals: Verfolgen Sie das Jahr 1914 live auf Twitter
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News von damalsVerfolgen Sie das Jahr 1914 live auf Twitter

Ein Twitter-Projekt berichtet täglich über Geschehnisse des Jahres 1914 und lässt seine Follower mitverfolgen, wie Europa auf den Ersten Weltkrieg zusteuert.

von
lmm

«London. Thronrede: König Georg V. stellt diplomatische Lösungen in Bezug auf Albanien, griech-türk Inselstreit & Mesopotamien in Aussicht.» Im Februar 1914 war man noch guter Hoffnung, der Krieg schien in weiter Ferne - und die Deutschen in England noch beliebt: «Wagnermanie auch in London. Lange Schlangen vor Convent Garden vor Beginn der ersten Aufführung der Oper ?Parsifal? in England.» Die Länder scheinen vornehmlich mit innenpolitischen Diskussionen beschäftigt, doch es wird auch aufgerüstet: «Fiume. Am Vormittag feierlicher #stapellauf für ?Svent István? grösstes Kriegsschiff der österr-ungar. Kriegsmarine. Beflaggte Hauptstrassen»

Mit Meldungen zu Themen wie Wetter, Alltag, Kultur sowie kleiner und grosser Politik begleitet der Twitter-Account «1914Tweets» seine Follower durch das Jahr, in dem der Erste Weltkrieg begann. Gestartet haben das Projekt mit Dirk Baranek und Christian Soeder zwei studierte Historiker. Ihren Anspruch formulieren sie so: «Wir wollen von den Menschen erzählen. Von den Tätern, aber vor allem von den Opfern. Von den ganz normalen Menschen, die nicht an den Hebeln der Macht gesessen haben, noch nicht einmal durch freie Wahlen.» Sie wollen aber keine Interpretationen liefern, nichts zur Kriegsschuld sagen, keine grossen Diskussionen vom Zaun reissen. Twitter sei dafür das falsche Format, 140 Zeichen zu knapp.

Genau das wird den Machern denn auch vorgeworfen. In ihrer Verknappung seien die Tweets oft sehr wertend, bemängeln Kritiker. Auch die fehlenden Quellenangaben seien mit einer historischen Arbeitsweise unvereinbar. Doch es gibt auch viele Historiker, die den Twitter-Account als multimedial aufgelockerten Zugang zum Ersten Weltkrieg - gerade für junge Generationen - sehr gut finden. Eine wissenschaftliche Aufarbeitung ist ja gerade nicht das Ziel der Urheber, sondern eher eine breite Erinnerung: «Im bes­ten Falle wird die­ses Pro­jekt eine Mah­nung an die Leben­den sein, denn mit den Kon­se­quen­zen die­ser Jahr­hun­dert­ka­ta­stro­phe leben wir bis heute.»

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