Vergaserteil bringt Kleinflugzeuge zum Absturz
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Vergaserteil bringt Kleinflugzeuge zum Absturz

Das Büro für Flugunfalluntersuchungen (BFU) warnt Piloten von Kleinflugzeugen vor einem gefährlichen Vergaserteil. Es war in vier Fällen für das Stocken des Motors mitten in der Luft verantwortlich.

2006 gab es in der Schweiz auf Grund von Motorenstörungen mehrere Flugunfälle mit einmotorigen Kleinflugzeugen. Bei einem Unfall kam ein Pilot bei der Notlandung ums Leben. Der nun veröffentlichte BFU-Untersuchungsbericht zeigt, dass die Ursache oft ein mangelhaftes Teil im Vergaser des Typs Marvel Schebler/Precision Airmotive war. In vier von insgesamt zehn Fällen hatte ein undichtes Schwimmersystem im Vergaser dazu geführt, dass der Flugzeugmotor in der Luft oder am Boden stockte oder gar abstellte.

Alle zehn untersuchten Kleinflugzeuge waren laut BFU mit Vergasern der Firma Precision Airmotive ausgerüstet. Bei allen waren Motorenstörungen aufgetreten. Bei der Untersuchung der Vorfälle sei man auf eine eindrückliche Zahl von undichten Kunststoff-Schwimmern in den Vergasern gestossen, sagte der Autor des Berichts, Rudolf von Gunten. Der Schwimmer reguliert den Treibstoffvorrat im Vorratsgefäss. Funktioniert er nicht, kann das Vorratsgefäss überlaufen.

Die Piloten konnten aber laut dem Bericht die undichten Schwimmer nicht selbst erkennen. Dies könne nur ein Vergaser-Unterhaltsbetrieb ermitteln. Auch beim Flugzeug des Piloten, der am 5. Mai 2006 tödlich verunfallte, war der Vergaser mit einem Kunststoff-Schwimmer ausgerüstet. Weil sein Flugzeug nach dem Absturz verbrannte, konnte aber in diesem Fall ein Schwimmerfehler nicht nachgewiesen werden. Die Untersuchungen der Unfallursache sind hier noch nicht abgeschlossen.

Das BFU kommt zu Schluss, dass der beanstandete Kunststoffschwimmer für den sicheren Flugbetrieb nicht genügt. Der Schwimmer sei zu ersetzen. Auch in Frankreich und Grossbritannien seien solche Schwimmer als Ursache von Motorenschäden festgestellt worden. Die Vorkehrungen des amerikanischen Herstellers zur Vermeidung weiterer Pannen erachtet das BFU als ungenügend. Aus diesem Grund habe das BFU die US-Verkehrssicherheitsbehörde National Transportation Safety Board (NTSB) über das fehleranfällige Teil informiert, sagte von Gunten. Diese werde den Hersteller über den Befund des BFU orientieren.

Weltweit wurden laut Bericht etwa 17 000 Vergaser mit den beanstandeten Kunststoffschwimmern hergestellt. In der Schweiz sei ein Grossteil der Kleinflugzeuge, die mit Lycoming- respektive Continental-Motoren fliegen, damit ausgerüstet. Den mangelhaften Schwimmertypen durch ein anderes Produkt zu ersetzen, koste zwischen 2000 und 3000 Franken, so von Gunten. (dapd)

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