Umstrittene Forscher: «Vergessen wir Corona und kehren zur Normalität zurück»
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Umstrittene Forscher«Vergessen wir Corona und kehren zur Normalität zurück»

Mit «Corona Fehlalarm?» landeten die beiden Wissenschaftler Sucharit Bhakdi und Karina Reiss einen Bestseller. Nun äussern sie sich zur aktuellen Situation und zu den Kritiken, die ihr Werk erhalten hat.

von
Michelle Muff
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Im Juni haben die beiden deutschen Wissenschaftler Sucharit Bhakdi und Karina Reiss das Buch «Corona Fehlalarm?» veröffentlicht.

Im Juni haben die beiden deutschen Wissenschaftler Sucharit Bhakdi und Karina Reiss das Buch «Corona Fehlalarm?» veröffentlicht.

Screenshot/Youtube: Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi
Darin kritisieren die beiden die Massnahmen, die weltweit im Kampf gegen Corona ergriffen wurden.

Darin kritisieren die beiden die Massnahmen, die weltweit im Kampf gegen Corona ergriffen wurden.

Seit Wochen führt das Buch die «Spiegel»-Bestsellerliste der Sachbuch-Taschenbücher an.

Seit Wochen führt das Buch die «Spiegel»-Bestsellerliste der Sachbuch-Taschenbücher an.

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Darum gehts

  • Die «Corona Fehlalarm?»-Autoren Sucharit Bhakdi und Karina Reiss äussern sich in einem Interview mit der «Luzerner Zeitung» zur aktuellen Covid-Lage.
  • Sie rufen dazu auf, «alles zu vergessen und zur Normalität zurückkehren.»
  • Ausserdem nehmen sie Stellung zu Kritiken, die es zu ihrem Buch gab.

Im Juni veröffentlichten die beiden deutschen Forscher Sucharit Bhakdi und Karina Reiss das Buch «Corona Fehlalarm?». Darin untersuchen sie verschiedene Studien zum Coronavirus – und beharren als Fazit unter anderem darauf, dass der Virus nicht besonders gefährlich sei, Masken nichts bringen würden und der Lockdown überflüssig gewesen sei.

Während das Buch von Corona-Skeptikern seit Monaten gefeiert wird und mit über 200’000 verkauften Auflagen zum Bestseller aufstieg, wurde das Werk von Seiten der Universitäten und Wissenschaftlern stark kritisiert. Die Universität Kiel, wo Bhakdi forscht, meinte in einem öffentlichen Statement gar, dass «Fakten absichtlich so verdreht» worden sind, dass sie «zur Kernaussausage des Buches passen».

In einem Interview mit der «Luzerner Zeitung» äussern sich Bhakdi und Reiss nun zu der aktuellen Coronasituation und den Kritiken, die es zu ihrem Werk gab. Folgend gibt es zusammengefasst acht Aussagen der beiden Wissenschaftlern.

Das sagen Reiss und Bhakdi über …

… die Kritik von der Universität Kiel

Reiss versteht diese nicht: «Dass man uns Pauschalisierung vorwirft, ist abstrus.» Sie habe bereits Mitte August den Dekan von ihrer Universität gefragt, welche Fakten im Buch nicht stimmen. Eine Antwort stehe gemäss der Wissenschaftlerin «bis heute» aus. «Wir haben den Inhalt nicht erfunden, unsere Aussagen sind durch Referenzen belegt.»

… die hohe Zahl an Todesfällen in schwedischen Alters- und Pflegeheimen

«Die Schweden haben nicht mutwillig die Senioren wegsterben lassen», so Bhakdi. Das Problem läge an der Kommunikation: «Ein grosser Teil des Pflegepersonals stammt aus dem Ausland und beherrscht die Landessprache zu wenig gut. Diese Menschen konnten die Instruktionen nicht lesen und wurden unzureichend instruiert.» Das hätten ihm «seine schwedischen Kollegen» so erläutert.

… Impfstoffe

«Es gibt keinen Grund, auf eine Impfung der breiten Bevölkerungsschicht zu setzen», so Reiss. Ein Impfstoff für die Risikogruppe könne hingegen «durchaus sinnvoll» sein. Aber: «Dieser muss gut verträglich und vor allem auch wirksam sein.»

Was aktuell bei der Entwicklung des Covid-19-Impfstoffs abläuft, sei gemäss der Wissenschaftlerin «unglaublich verantwortungslos»: «Es werden jetzt etwa Testphasen am Menschen parallel vorgenommen, die sonst hintereinander laufen müssen. Hier werden Dinge getan, die sonst nie vorkommen dürfen in der Forschung.»


… Corona-Tests

Die Schweizer Covid-Test-Strategie hält das Wissenschaftlerduo für falsch. Denn laut Bhakdi wird «ein nicht validierter und nicht zugelassener Labortest» verwendet: «Dieser stellt auch Trümmer des Erregers fest, also irrelevante Virusgen-Fragmente. Das bedeutet: Es wurden zahllose Infektionen registriert, ohne dass die Personen an Covid-19 erkrankt oder gar infektiös waren.» Dass diese «gesunden Menschen andere mit dem Coronavirus anstecken», sei niemals belegt worden.

… das Krisenmanagement der Schweiz

Bhakdi sei erschrocken darüber, wie «ängstlich und unsicher» die Schweiz geworden sei: «Sie analysiert die Fakten nicht und wischt kritische Stimmen beiseite.» Stattdessen verfolge sie im Kampf gegen das Coronavirus «den gleichen Weg der Undemokratie wie die umliegenden Länder».

Er meint, die Schweizer müssten «vernünftig sein und sagen»: «Wir machen Schluss mit dem Maskentragen, mit dem Verzicht auf Händeschütteln, mit dem Abstandhalten, wir schicken nicht mehr gesunde Menschen in Quarantäne.» Reiss ruft dazu auf, «nicht den Quatsch der anderen Länder nachzumachen.» Und Bhakdi meint, an diesem Punkt der Pandemie würde er «alles vergessen und zur Normalität zurückkehren.»

… die Sterblichkeitsrate

«Covid-19 ist keine ungewöhnlich gefährliche Infektionskrankheit. Es gibt keine aussergewöhnlich hohe Sterblichkeit», so Bhakdi. Bei Menschen unter 70 liege sie sogar «eher tiefer» als bei der Grippe: «Wenn ein richtig gefährliches Virus zirkuliert wie SARS oder MERS, dann sterben daran auch junge Menschen.»

Sie würden nicht behaupten, dass Corona keine Schäden anrichte – aber: «Es ist kein Killervirus, das die ganze Welt bedroht.»

… den emotionalen Schreibstil ihres Buchs

Den Kritikern die sagen, dass «Corona Fehlalarm?» polemisch und dadurch unsachlich geschrieben sei, geben die beiden Forscher teilweise Recht. «Die Polemik würden wir heute weglassen», so Reiss. Dass sie nicht sachlicher geschrieben haben, begründen sie mit ihren überkochenden Emotionen. «Wie waren richtig wütend, das musste einfach raus.»

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