Aktualisiert 08.03.2013 13:28

Isolationshaft«Vergessener» Häftling kassiert 15,5 Millionen

Er sass in New Mexico 22 Monate lang im Knast – ohne Anklage, ohne Besucher, ohne medizinische Betreuung. Dafür soll Stephen Slevin 15,5 Millionen Dollar erhalten. Richtig freuen kann er sich nicht.

von
bem
Stephen Slevin vor und nach seiner 22-monatigen Isolationshaft.

Stephen Slevin vor und nach seiner 22-monatigen Isolationshaft.

Wegen Trunkenheit am Steuer kam Stephen Slevin im August 2005 in Dona Ana County in New Mexico ins Gefängnis (20 Minuten Online berichtete). Der heute 59-Jährige war gemäss Klageschrift seines Anwalts «gut genährt und gesund». Im Juni 2007, als Slevin das Gefängnis wieder verliess, war er abgemagert, hatte lange Haare, schlechte Zähne und Abszesse vom langen Liegen.

Da er eine psychiatrische Krankengeschichte hatte, sonderten die Gefängnisaufseher Slevin von den anderen Gefangenen ab – und vergassen ihn mehr oder weniger. Er wurde einmal zwei Wochen lang in ein anderes Gefängnis gebracht, psychiatrisch untersucht und wieder in die Haftanstalt von Dona Ana County zurückgeschickt, wo er prompt wieder in Einzelhaft gesteckt wurde. Etwa ein Jahr nach seiner Inhaftierung sei es gemäss CNN zu einem kurzen Hearing gekommen, in dem es um seine geistige Verfassung ging, danach sei nichts passiert.

Essen, aber kein Arzt

Die Aufseher brachten Slevin offenbar Essen, aber seine Bitten um einen Zahnarzt ignorierten sie – Slevin riss sich einen schmerzenden Zahn eigenhändig raus. Seine Zehennägel begannen, um seine Füsse herumzuwachsen, er litt an Pilzinfektionen im Gesicht, er schrieb sogar an den Gefängnisarzt, doch medizinisch versorgt wurde er nie.

Nach 22 Monaten wurde die Anklage fallengelassen, Slevin kam frei. Im Dezember reichte sein Anwalt Klage gegen den Distrikt ein, und vor einem Jahr wurden Slevin von den Geschworenen 22 Millionen Dollar zugesprochen. Die Distriktsverwaltung focht das Urteil an. Jetzt endlich krebsten die Verantwortlichen zurück und boten 15,5 Millionen Dollar.

Slevin leidet an Lungenkrebs

«Wir haben die nötigen Schritte unternommen, um aus der Haftanstalt ein Vorbild für Haftanstalten und für die Versorgung von geistig Kranken in New Mexico zu machen», steht in einer Stellungnahme der Distriktverwaltung.

Stephen Slevin ist kränker als vor seinem Haftantritt. Nicht nur geistig – er leidet unter anderem an post-traumatischem Stresssyndrom –, er ist ausserdem an Lungenkrebs erkrankt. Gegenüber einem TV-Sender sagte er: «Ich wollte, dass die Leute wissen, dass die Leute im Gefängnis von Dona Ana County dies mit Menschen machen.»

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