Zürich – Vergewaltiger (25) muss für fast 15 Jahre ins Gefängnis
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ZürichVergewaltiger (25) muss für fast 15 Jahre ins Gefängnis

Ein Portugiese, der drei Sexarbeiterinnen im Zürcher Rotlichtmilieu vergewaltigt und beraubt sowie eine Kollegin geschändet hat, ist hart bestraft worden.

von
Stefan Hohler
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Ein 25-Jähriger stand letzte Woche vor dem Zürcher Obergericht. 

Ein 25-Jähriger stand letzte Woche vor dem Zürcher Obergericht.

20min/sac
Zuvor hatte ihn das Bezirksgericht Zürich wegen vier Sexual- und Raubdelikten zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und zehn Jahren Landesverweisung verurteilt. 

Zuvor hatte ihn das Bezirksgericht Zürich wegen vier Sexual- und Raubdelikten zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und zehn Jahren Landesverweisung verurteilt.

20min/som

Darum gehts

  • Ein 25-jähriger Mann, der wegen vier Sexual- und Raubdelikten zu 13 Jahren Gefängnis und einer zehnjährigen Landesverweisung verurteilt wurde, will eine Strafreduktion.

  • Er spricht von einer Verschwörung im Rotlichtmilieu.

  • Das Obergericht verschärft aber die Strafe und erhöht die Landesverweisung auf 13 Jahre.

Der Mann ist kein unbeschriebenes Blatt: In der 30-seitigen Anklageschrift sind 22 verschiedene Delikte aufgelistet, wobei Vergewaltigung und sexuelle Nötigung die gravierendsten Vorwürfe sind. Der zur Tatzeit 22-Jährige soll laut Anklageschrift im Juni 2018 zwei Sexarbeiterinnen in ihren Zimmern im Zürcher Rotlichtmilieu zu Oral- und Vaginalverkehr gezwungen haben. Zudem hat er laut Anklage eine der beiden Frauen massiv gewürgt, verprügelt und gebissen. Einer dritten Sexarbeiterin hat er 200 Franken geraubt.

Schon ein halbes Jahr zuvor soll er eine stark betrunkene Bekannte nach dem Ausgang in ihrer Wohnung geschändet haben. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte den Mann im letzten Jahr zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und zehn Jahren Landesverweisung. Dagegen gelangte der Portugiese ans Obergericht.

Am Prozess letzte Woche wurden zuerst die vier Betroffenen befragt. «Ich habe immer noch Angst, dass er sein Versprechen erfüllt und mich umbringt», schluchzte eine der drei Sexarbeiterinnen. «Er hat mich an den Haaren gepackt, das Messer an den Hals gelegt und gesagt, wenn du es nicht machst, bringe ich dich um.» Die mehrfache Mutter aus Spanien musste während der Videobefragung in einem anderen Saal in einen Plastiksack erbrechen.

«Er hat mich am Hals gepackt, an den Haaren gezogen und nach Geld gefragt»

Auch die zweite Betroffene, ebenfalls Spanierin, hat immer noch Angst vor dem Mann. «Ich will die Maske nicht abziehen, sonst erkennt er mich», sagte sie bei der Befragung durch das Gericht. Sie war damals auf den Balkon geflohen und vom ersten Stock hinuntergesprungen. «Ich habe mich am Bein verletzt und habe heute noch Schmerzen.»

Die dritte Betroffene ist eine Ungarin. Sie wurde nicht vergewaltigt, sondern «nur» ausgeraubt. «Er hat mich am Hals gepackt, an den Haaren gezogen und nach Geld gefragt.» Sie habe sich nicht gewehrt: «Ich war geschockt und habe getan, was er wollte.» Bei der vierten Betroffenen handelt es sich um eine junge Schweizerin. Sie war nach einem Ausgang mit dem Beschuldigten stark betrunken. Als er sie später in der Wohnung vergewaltigte, habe sie sich nicht mehr wehren können. Weinend sagte sie: «Es war das schlimmste Gefühl in meinem Leben.»

Der Beschuldigte ist Sohn eines Türken und einer Portugiesin und in Zürich geboren. Er hat drei Lehren begonnen, aber keine abgeschlossen. Sein Traumberuf sei Fachmann Gesundheit und eine Tätigkeit in der Altenpflege, sagte er bei der Befragung durch den Richter. Laut psychiatrischem Gutachten hat er eine Persönlichkeitsstörung, ist aber voll zurechnungsfähig. Es besteht ein hohes Rückfallrisiko für weitere Sexual- und Gewaltdelikte.

Der Beschuldigte bestritt die Attacken auf die Betroffenen. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum gleich vier Frauen, die sich gegenseitig nicht kannten, ihn beschuldigen, sagte er: «Das ist eine Verschwörung mit unbekannten Hintermännern.» Weitere Angaben dazu machte er nicht. Er sei in der Langstrasse kein Unbekannter gewesen. «Ich habe dort Geld verdient und ausgegeben», antwortete er, «aber nicht als Zuhälter.»

Das Obergericht spricht von einem «Breitbandstraftäter»

Sein Verteidiger forderte lediglich eine teilbedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren wegen der kleineren Drogen- und Verkehrsdelikte. «Die Aussagen der Frauen sind widersprüchlich und nicht glaubhaft», sagte der Anwalt. Bei der Schändung gebe es ein finanzielles Motiv, so habe die junge Frau kurz nach der Tat von 10’000 Franken Entschädigung gesprochen. Von einer Landesverweisung sei bei dem in Zürich geborenen Secondo abzusehen. Der Anwalt verlangte für die lange Haft – sein Mandant befindet sich seit Juni 2018 im Gefängnis – eine Genugtuung von 93’000 Franken.

Der Staatsanwalt sprach von einem Martyrium der Betroffenen und forderte im Wesentlichen die Bestätigung des Urteils der Vorinstanz sowie eine Landesverweisung von 15 Jahren. Die Frauen hätten enorm unter den Peinigungen gelitten. Er machte auch ein grosses Fragezeichen bezüglich der ominösen Verschwörung im Rotlichtmilieu: «Die Angaben des Beschuldigten sind vage und er hat keine Erklärung dazu.»

Das Obergericht verschärfte das Urteil des Bezirksgerichts um eineinhalb Jahre. Es sprach den Portugiesen der sexuellen Nötigung, Vergewaltigung, Schändung, Raubs, Gefährdung des Lebens und weiteren Delikten schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 14,5 Jahren. «Die Betroffenen sind intensiv drangsaliert, missbraucht und bedroht worden.» Die vom Beschuldigten geäusserte Verschwörungstheorie sei nicht glaubhaft. «Es gibt keine Anhaltspunkte, dass die Frauen sich kannten», sagte der vorsitzende Richter.

Zudem wird der Portugiese für 13 Jahre des Landes verwiesen. Er sei weder beruflich noch sozial integriert und es bestehe eine hohe Rückfallgefahr. «Es handelt sich um einen Breitbandstraftäter mit hoher krimineller Energie», sagte der Richter. Die Taten würden von Sexual-, Gewalt-, Raub-, Drogen- und Verkehrsdelikten bis hin zu Urkundenfälschung reichen. «Eine Landesverweisung ist unumgänglich», fasste der Vorsitzende zusammen.

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