«Sie hat mit dem Feuer gespielt» - Vergewaltiger wird von Appellationsgericht belohnt
Publiziert

«Sie hat mit dem Feuer gespielt»Vergewaltiger wird von Appellationsgericht belohnt

Ein 33-jähriger Portugiese wurde im August 2020 wegen einer gemeinschaftlich begangenen Vergewaltigung in der Elsässerstrasse in Basel verurteilt. Er ging in Berufung und darf sich freuen, obwohl der Schuldspruch bestätigt wurde.

von
Lukas Hausendorf
1 / 9
Der 33-jährige Portugiese soll gemeinsam mit einem damals 17-jährigen Kollegen am 1. Februar 2020 kurz nach 7 Uhr morgens eine Frau im Windfang einer Liegenschaft an der Elsässerstrasse vergewaltigt haben.

Der 33-jährige Portugiese soll gemeinsam mit einem damals 17-jährigen Kollegen am 1. Februar 2020 kurz nach 7 Uhr morgens eine Frau im Windfang einer Liegenschaft an der Elsässerstrasse vergewaltigt haben.

Privat
Die beiden Männer begleiteten die damals 33-jährige Frau nach einer Partynacht nach Hause. Der Beschuldigte kannte das Opfer schon seit Jahren.

Die beiden Männer begleiteten die damals 33-jährige Frau nach einer Partynacht nach Hause. Der Beschuldigte kannte das Opfer schon seit Jahren.

20m
Er behauptet, die sexuellen Handlungen im Hauseingang seien einvernehmlich gewesen. Die Frau alarmierte allerdings unmittelbar nach der Tat die Polizei und war am Telefon völlig aufgelöst, wie die Tonaufnahme des Notrufs belegt.

Er behauptet, die sexuellen Handlungen im Hauseingang seien einvernehmlich gewesen. Die Frau alarmierte allerdings unmittelbar nach der Tat die Polizei und war am Telefon völlig aufgelöst, wie die Tonaufnahme des Notrufs belegt.

20m

Darum gehts

  • Ein 33-Jähriger wurde im August 2020 wegen einer gemeinschaftlich begangenen Vergewaltigung vom Basler Strafgericht schuldig gesprochen.

  • Das Opfer ist eine Bekannte des Beschuldigten. Zur Tat kam es nach einer Partynacht, als er die Frau zusammen mit einem Kollegen nach Hause begleitete.

  • Das Appellationsgericht beurteilte sein Verschulden milder als die Erstinstanz und reduzierte seine Strafe.

«Am 11. August werden Sie Ihre unbedingte Strafe verbüsst haben.» Das war der entscheidende Satz für den 33-jährigen Beschuldigten in der Urteilsbegründung am Freitagnachmittag. Das Basler Appellationsgericht hatte unter ihrem Vorsitz die Vergewaltigung an der Elsässerstrasse vom 1. Februar 2020 neu beurteilt, weil der Portugiese mit dem Schuldspruch des Strafgerichts nicht einverstanden war.

Das Appellationsgericht bestätigte zwar den Schuldspruch, beurteilte aber das Verschulden des Mannes milder als die Vorinstanz. Daraus ergab sich eine Strafreduktion von 4,25 Jahren Gefängnis auf 36 Monate, was es dem Gericht erlaubte, die Hälfte der Freiheitsstrafe bedingt auszusprechen. So endet die Haftzeit des Vergewaltigers nach 18 Monaten. Per Austritt aus der Haftanstalt Bostadel wird er direkt ausreisen müssen, weil er mit einem Landesverweis von sechs Jahren belegt wurde. Das dürfte ihn nicht weiter stören. Seine Frau und vier Kinder sind in Portugal. Die Verfahrenskosten in der Höhe von über 40’000 Franken wird er auch kaum je begleichen.

In der Sache hat die Beurteilung durch das Appellationsgericht aber nichts geändert. Für Henz war es erstellt, dass es im Windfang der Liegenschaft an der Elässerstrasse am frühen Morgen des 1. Februar 2020 zu einer Vergewaltigung kam, an der der 33-Jährige gemeinschaftlich mit seinem damals 17-jährigen Kollegen mitwirkte. Die Beweislage erachtete das Gericht als eindeutig.

Er glaubte, leichtes Spiel zu haben

Allerdings seien die Übergriffe kurz und die körperlichen Verletzungen der Frau nicht gravierend gewesen, woraus man ein mittleres Verschulden ableite. Zudem lastete das Gericht dem Opfer eine Mitverantwortung an. So habe es auch eine Rolle gespielt, welche Signale sie auf Männer aussende. «Sie spielte durchaus mit dem Feuer», so Gerichtspräsidentin Henz. Die Frau hatte in der gleichen Nacht in einem Club mit einem anderen Mann in einer Toilette herumgemacht, wobei es aber nicht zum Geschlechtsverkehr gekommen sein soll. Das Gericht zog daraus die Schlussfolgerung, dass Safer Sex für sie «kein Thema» sei.

Daraus habe der Beschuldigte wohl geschlossen, dass er mit der Frau, mit der er seit Jahren bekannt war, leichtes Spiel habe. «Da haben Sie sich aber getäuscht», so Henz.

Der zum Tatzeitpunkt 17-jährige Mittäter wird separat durch das Jugendgericht beurteilt. Die Anklage wurde vor einem Monat überwiesen; ein Verhandlungstermin steht aber noch nicht fest. Bis zum Schuldspruch gilt für ihn die Unschuldsvermutung.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Deine Meinung