Südafrika: Vergewaltigung als Ausweis der Männlichkeit
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SüdafrikaVergewaltigung als Ausweis der Männlichkeit

Dumisani Rebombo hatte es satt, gehänselt zu werden, er sei kein richtiger Mann. Also stellte er seine Männlichkeit unter Beweis: Er vergewaltigte ein Mädchen.

von
Celean Jacobson (AP)

Er war 15, das Mädchen noch jünger. Zwanzig Jahre später suchte er die Frau, um sie um Vergebung zu bitten - eine Seltenheit in einer Gesellschaft, in der eine Kultur sexueller Gewalt tief verwurzelt ist. In einer Studie, die in dieser Woche auf einer internationalen Konferenz bei Johannesburg vorgestellt wurde, bekannten sich mehr als ein Viertel der Männer als Vergewaltiger.

Südafrika hat mit die höchsten Vergewaltigungszahlen überhaupt. Polizeiberichten zufolge waren 2007 rund 36 000 Frauen betroffen, fast 100 jeden Tag. Doch viele Fälle werden aus Angst und Scham gar nicht erst angezeigt. Die Studienergebnisse des angesehenen Medizinforschungsrats wurden mit Entsetzen aufgenommen. Doch viele Frauen- und Bürgerrechtsaktivisten waren nicht im Geringsten überrascht.

«Das ist die Geschichte vieler Jungen, vieler Männer», sagt Rebombo, inzwischen 48 Jahre alt, geschieden und Vater dreier Kinder.

Als Halbwüchsiger war er grausam verhöhnt worden: Er war nicht beschnitten und erledigte «Mädchenarbeiten» im Haushalt. Bei manchen Stämmen ist die Beschneidung immer noch ein Mannbarkeitsritus. Doch sein Vater war selbst bei der brutalen und oft unhygienisch durchgeführten Operation fast gestorben und hatte sich geschworen, dass seinem Sohn die Prozedur erspart bleiben solle. Also musste sich Rebombo Tag für Tag von den anderen demütigen lassen. «Die hielten mich nicht für männlich genug», sagt er.

Vergebung und Auftrag

Die anderen Jungs stachelten ihn an, einem Mädchen, das nicht mit ihnen herumziehen wollte, «eine Lektion zu erteilen». Er sträubte sich, fürchtete sich vor seinen frommen Eltern und um deren guten Ruf in der Gemeinde. Dann knickte er ein und wurde eines Samstags mit Bier und Marihuana zugedröhnt, damit er aufhörte zu zittern. «Ich konnte kaum atmen... Ich hatte noch nie Sex gehabt. Ich war starr vor Angst.» Auf einem Feld fiel ein anderer Junge über das Mädchen her. «Sie hat sich gewehrt. Ich stand da rum und war ganz benebelt von dem ganzen Zeug. Er stand auf und sagte: Du bist dran. Dann lag ich auf ihr.»

Danach rannte das Mädchen nach Hause. Beschämt und voller Furcht, ging er ihr aus dem Weg und zog bald weg. Als er 1996 in Johannesburg für eine kirchliche Organisation für arbeitslose Mütter tätig war, bestürzten ihn deren Schreckenserlebnisse. Er begann mit Männern zu arbeiten, um der Gewalt ein Ende zu machen. «Das brachte mich dazu, einmal selbst in den Spiegel zu schauen», erklärt er. «Ich dachte, ich muss sie finden und um Verzeihung bitten.»

Apartheid als Ursache vermutet

Schluchzend berichtete sie ihm, dass sie seitdem von zwei weiteren Männern vergewaltigt wurde und dass seit damals ihr Leben nicht mehr dasselbe sei. Doch sie nahm Rebombos Entschuldigung an. Und sie gab ihm eine Aufgabe: «Sie sagte, 'Vielleicht kannst du andere Männer lehren, nicht das gleiche zu tun'.» Heute arbeitete Rebombo für eine Stiftung, die Eltern und Kinder zu Problemen wie Gewalt, Missbrauch und Aids berät. «Wenn mehr Männer aufstehen würden und sagen: 'Das ist unrecht', dann könnten wir dieses Gemetzel besser bekämpfen.»

Vielfach wird die hohe Zahl der Vergewaltigungen auf die Gewalt, Unterdrückung, Armut und Demütigung in den Jahren der Rassentrennung zurückgeführt. «Die Apartheid hat Gewalt zum Herrschaftsinstrument gemacht, und Gewalt wurde die Regel», erklärt ein Bürgerrechtler. «Die Männer fühlten sich entmannt.» Zornig und gedemütigt, hätten sie ihren Frust an den Schwächsten ausgelassen, an Frauen und Kindern. Und sie tun es noch. Auf Frauen herabzusehen, ist noch immer gang und gäbe. Präsident Jacob Zuma, der in Polygamie mit drei Ehefrauen lebt, wurde 2006 in einem Vergewaltigungsprozess freigesprochen, musste aber einräumen, mit der HIV-positiven Tochter eines Freundes ungeschützen Sex gehabt zu haben.

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