Vergewaltigung als Instrument des Krieges
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Vergewaltigung als Instrument des Krieges

In der sudanesischen Krisenregion Darfur werden Mädchen und Frauen nach Angaben von Amnesty International systematisch von arabischen Milizionären vergewaltigt. Ziel ist laut Amnesty die Vertreibung der schwarzafrikanischen Bevölkerung.

veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation. Unterdessen wurden die ersten Urteile eines sudanesischen Sondergerichts zu den Menschenrechtsverletzungen in Darfur veröffentlicht.

Zehn Angehörigen der arabischstämmigen Janjaweed-Milizen sollen zur Strafe für Raubüberfälle auf Dorfbewohner je eine Hand und ein Fuss abgehackt werden, wie die sudanesische Regierung mitteilte. Das Sondergericht habe sie in seiner ersten Sitzung am Sonntag ausserdem zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Die Regierung wird von der internationalen Gemeinschaft seit Wochen unter Druck gesetzt, gegen die Übergriffe von Janjaweed-Milizen auf Schwarzafrikaner vorzugehen. Menschenrechtsorganisationen werfen Khartum vor, die Angriffe mit Hubschraubern unterstützt zu haben.

Amnesty International schildert Fälle, in denen die Janjaweed-Reitermilizen Frauen folterten und ihre Gliedmassen brachen, um sie an der Flucht zu hindern. Die missbrauchten Frauen seien für den Rest ihres Lebens stigmatisiert und würden häufig von ihren Familien verstossen.

Der Bericht mit dem Titel «Vergewaltigung als Waffe des Krieges in Darfur» beruht auf Aussagen mehrerer hundert Zeugen, die in Flüchtlingslagern im Nachbarland Tschad befragt wurden. Ein 37-jähriges Opfer wird mit den Worten zitiert: «Sie (die Janjaweed) singen, wenn sie vergewaltigen, und sie sagen, dass wir nur Sklaven sind und dass sie mit uns machen können, was sie wollen.»

Einige Opfer sind laut Amnesty International erst acht Jahre alt. «In vielen Fällen haben die Janjaweed Frauen in der Öffentlichkeit vergewaltigt, im Freien, vor den Augen ihrer Männer, Verwandten oder der Dorfgemeinschaft», heisst es in dem Bericht. «Das Leiden der Frauen geht weit über die eigentliche Vergewaltigung hinaus.» Weiter weist Amnesty auf die Gefahr einer HIV-Infektion der Opfer hin. Das Risiko sei besonders hoch für Frauen, die auf Grund von Beschneidung an den Genitalien verstümmelt seien.

Die sudanesische Regierung kündigte am Wochenende die Bildung von drei Kommissionen an, die den Vergewaltigungsvorwürfen nachgehen sollen. Jedes der Gremien werde mit einer Richterin, einer Polizistin und einer Anwältin besetzt sein, hiess es in einer Erklärung des Justizministeriums. UN-Vertreter und Hilfsorganisationen werfen der Regierung vor, die arabischen Milizionäre in Darfur zu unterstützten. Khartum streitet dies ab.

Die Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts erlitten am Wochenende einen schweren Rückschlag. Vertreter der Rebellen zogen sich aus Friedensgesprächen zurück. Sie forderten unter anderem einen konkreten Zeitplan für die von der Regierung zugesagte Entwaffnung der Janjaweed-Milizen. Weiter verlangten sie eine internationale Untersuchung und freien Zugang für Hilfsorganisationen.

Dem Konflikt in Darfur fielen seit Anfang vergangenen Jahres nach Schätzungen der Vereinten Nationen etwa 30.000 Menschen zum Opfer. Mehr als eine Million sind auf der Flucht, mehr als zwei Millionen dringend auf Hilfe angewiesen. (dapd)

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