Grausam: Vergewaltigungen «systematisch geplant»
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GrausamVergewaltigungen «systematisch geplant»

Innert drei Tagen wurden im Kongo über 300 Frauen, Männer und Kinder Opfer von Massenvergewaltigungen. Die Verbrechen wurden von einer örtlichen Miliz begangen.

Hunderte Menschen wurden im Kongo vergewaltigt

Hunderte Menschen wurden im Kongo vergewaltigt

«Das Ausmass und die Perversion dieser Vergewaltigungen sind unvorstellbar», erklärte UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay: «Vergewaltigungen sind zwar seit 15 Jahren ein grosses Problem in Kongo, aber kaum je wurden sie so systematisch und kaltblütig geplant und ausgeführt.»

Begangen wurden die Verbrechen von mindestens 200 Kämpfern der örtlichen Miliz Mai Mai Cheka, Rebellen der Demokratischen Kräfte für die Befreiung Ruandas (FDLR) und Anhängern des desertierten Obersts Emmanuel Nsengiyumva. Sie überfielen zwischen dem 30. Juli und dem 2. August 13 Dörfer in der kongolesischen Provinz Nord-Kivu. Dies geht aus einem Zwischenbericht hervor, den die UNO am Freitag publizierte.

Gemäss der Weltorganisation handelte es sich um eine Strafaktion der Rebellen, die in den Bewohnern der betroffenen Dörfer Verräter sehen, die mit den regulären Kräften der kongolesischen Armee sympathisieren. Die Massenvergewaltigungen sollten die Opfer «brechen und demütigen».

Berüchtigte Rebellen

Vergewaltigt wurden mindestens 235 Frauen, 13 Männer, 52 Mädchen und drei Jungen. Möglicherweise habe es aber noch weit mehr Opfer gegeben, heisst es im Bericht. Zudem wurden 923 Wohnhäuser und 42 Geschäfte geplündert. 116 Menschen mussten Zwangsarbeit leisten.

Die mitverantwortliche FDLR ist eine Miliz von Hutus, die 1994 nach dem Völkermord in Ruanda in das damalige Zaire (heute Kongo) geflohen waren. Viele von ihnen waren in den Massenmord an 800 000 Tutsi und gemässigten Hutu in Ruanda verstrickt.

Im Kongo gehört die Miliz zu den berüchtigsten der verschiedenen Rebellengruppen, die die Bevölkerung dort terrorisieren. Trotz eines von der UNO unterstützten Militäreinsatzes suchen sie die Region regelmässig heim und verbreiten Angst und Schrecken.

MONUC-Mission endet

In der Region, wo die Massenvergewaltigung stattfand, sind 80 Soldaten der UNO-Mission für Kongo (MONUC) stationiert. Von den Verbrechen bekamen sie jedoch nichts mit - unter anderem, weil die angegriffenen Zivilisten ihre Dörfer verlassen und sich im Wald versteckt hatten.

Die Soldaten seien schlecht gerüstet und auch «nicht speziell ausgebildet, um Zivilisten zu beschützen», heisst es im Bericht. Die UNO hat in den vergangenen Monaten 1700 Blauhelmsoldaten aus dem Land abgezogen. Sie folgte damit dem Aufruf der kongolesischen Regierung, den Friedenseinsatz im kommenden Jahr zu beenden. (sda)

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