Gerichtsfall in Calgary: Vergewaltigungsopfer verhöhnt – Richter tritt ab
Publiziert

Gerichtsfall in CalgaryVergewaltigungsopfer verhöhnt – Richter tritt ab

Er fragte das Opfer einer Vergewaltigung, warum es nicht «die Beine geschlossen halten konnte». Der kanadische Richter Robin Camp hat nun die Kündigung eingereicht.

von
kle

Eine völlig deplatzierte Frage in einem Vergewaltigungsprozess hat Robin Camps Karriere zu Fall gebracht: Der kanadische Bundesrichter hatte während einer Anhörung 2014 vor dem Gericht in Calgary eine 19-Jährige gefragt, warum sie die Beine nicht habe geschlossen halten können, als sie vergewaltigt worden sei. Wie CNN berichtet, hat Camp nun seine Kündigung eingereicht, nachdem der Canadian Judicial Council empfohlen hatte, den Richter seines Amtes zu entheben.

Camps Kommentare und Fragen während des Prozesses hatten viele Beschwerden hervorgebracht. Beim Verfahren ging es um den sexuellen Übergriff auf eine Obdachlose in einem Badezimmer während einer Hausparty. Camp fragte das Opfer: «Warum haben Sie nicht einfach Ihren Hintern Richtung Becken bewegt, sodass er Sie nicht penetrieren konnte?»

Der Angeklagte wurde freigesprochen

Als die Frau von den körperlichen Schmerzen beim Angriff berichtete, meinte der Richter nur: «Sex und Schmerz gehören manchmal zusammen. Das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes.» Die Frau erklärte, dass es nicht einvernehmlicher Sex gewesen sei. Dennoch sprach Richter Camp den Angeklagten frei – mit dem Hinweis, er solle künftig mit Frauen etwas sanfter umgehen.

Ein Berufungsgericht hob das Urteil später wieder auf, das änderte aber nichts daran, Camp Monate später zum Bundesrichter zu befördern – mit einem Jahressalär von 300'000 Dollar. Inzwischen hat er sich mehrmals für seine Aussagen entschuldigt. Zuletzt hatte er mit Psychologen und Experten zusammengearbeitet – im Bereich sexueller Missbrauch.

Deine Meinung