17.09.2020 05:39

Blausee

Vergiftete Fische – Behörden weisen sich Schuld zu

Giftiger Gleisaushub landete in einer Kiesgrube statt in einer Deponie. Was für Tausende Fische im Blausee tödliche Folgen hatte, wurde irrtümlich von den Behörden bewilligt. Im Kanton Bern gesteht man nun Fehler ein.

von
Nadine Wozny

In den Fischzuchtanlagen beim Blausee im Kandertal ist es nach Angaben der Betreiber in den letzten zwei Jahren immer wieder zu grossen Fischsterben gekommen.

Video: Keystone-sda

Darum gehts

  • Tausende Fische sind in den letzten zwei Jahren im Blausee gestorben.
  • Gemäss Medienbericht ist giftiger Gleisaushub, der in der Nähe des Sees gelagert wurde, der Grund dafür.
  • Die Berner Behörden gestehen zwar Fehler ein, schieben die Verantwortung aber von sich.

Nachdem der Umweltskandal am Lötschberg publik wurde, räumen die Berner Behörden Fehler ein. Jacques Ganguin, Chef des Amts für Wasser und Abfall Bern (AWA), sagt im «Tages-Anzeiger»: «Im Steinbruch Mitholz sind rund tausend Tonnen Schottermaterial illegal deponiert worden.» Im Genehmigungsverfahren des BLS-Projekts wurde die Grube, wo das giftige Material gelagert wird, vermerkt . «Wir hätten dies bemerken müssen und fragen sollen, was damit gemeint ist.» Die Schuld auf sich nehmen, will Ganguin aber nicht: Der Bund habe das Projekt bewilligt.

Das Bundesamt für Verkehr, BAV spielt den Ball zurück. Auch da will niemand die Verantwortung übernehmen, heisst es im Bericht weiter. Man stütze sich auf die Expertise von Fachleuten – also zum Beispiel auf jene des AWA.

Seit zwei Jahren kommt es im Blausee immer wieder zu grossen Fischsterben. Die Betreiber der Fischzuchtanlagen haben Mitte Juli Strafanzeige eingereicht. Laut dem Bericht der Redaktion Tamedia ist der Altschotter aus dem Lötschberg-Scheiteltunnel mit Giftstoffen belastet und wurde bis Mitte Juni 2020 in einer Kiesgrube beim Blausee abgelagert. Die Fischzucht-Betreiber vermuteten gestützt auf Wasserproben, dass dieses Gift in die Fischzucht gelangt sein könnte.

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Sanierungsarbeiten im Lötschbergtunnel sollen zu einem Fischsterben im Blausee geführt haben.

Sanierungsarbeiten im Lötschbergtunnel sollen zu einem Fischsterben im Blausee geführt haben.

zvg
Zwischen Kandersteg BE und Goppenstein VS werden die Gleise samt Holzschwellen und Schotter durch eine feste Fahrbahn aus Beton ersetzt.

Zwischen Kandersteg BE und Goppenstein VS werden die Gleise samt Holzschwellen und Schotter durch eine feste Fahrbahn aus Beton ersetzt.

KEYSTONE
Der Aushub wird in einem Hartschotterwerk bei Mitholz zwischengelagert, wie die Tunnelbetreiberin BLS am Mittwoch auf Anfrage bestätigte.

Der Aushub wird in einem Hartschotterwerk bei Mitholz zwischengelagert, wie die Tunnelbetreiberin BLS am Mittwoch auf Anfrage bestätigte.

KEYSTONE

In einem weiteren Bericht heisst es, dass der Transport des Aushubmaterials in die Kiesgrube Mitholz der Firma Vigier vom Kanton Bern genehmigt wurde. Die Kiesgrube verfüge aber gar nicht über die nötigen Schutzmassnahmen, um die Umwelt vor Giften zu schützen. Gemäss Überbauungsordnung dürfte gar kein Abfall in die Kiesgrube gebracht werden.

BLS-Sanierung

Seit August 2018 saniert die BLS im Lötschberg-Scheiteltunnel die Fahrbahn. Zwischen Kandersteg BE und Goppenstein VS werden die Gleise samt Holzschwellen und Schotter durch eine feste Fahrbahn aus Beton ersetzt. 105 Millionen Franken lässt sich das Bahnunternehmen diese Sanierung kosten, die bis 2022 läuft.

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