Aktualisiert 05.05.2019 15:20

Homöopathie-Präparat

Vergiftete sich Teenager mit Arsen-Globuli?

Weil sie unter Magen-Darm-Beschwerden litt, nahm ein Mädchen bis zu 50 Arsen-Globuli pro Tag. In der Folge litt sie unter Vergiftungssymptomen.

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Bis zu 50 Arsen-Globuli hat ein Mädchen pro Tag eingenommen.

Bis zu 50 Arsen-Globuli hat ein Mädchen pro Tag eingenommen.

Keystone/Gaetan Bally
Während dieser Zeit litt das Mädchen an anhaltenden Schmerzen.

Während dieser Zeit litt das Mädchen an anhaltenden Schmerzen.

Keystone/Gaetan Bally
Das Mädchen suchte wegen den starken Schmerzen einen Hausarzt auf.

Das Mädchen suchte wegen den starken Schmerzen einen Hausarzt auf.

Keystone/Gaetan Bally

Ein Mädchen aus der Ostschweiz hat über Jahre bis zu 50 Arsen-Globuli pro Tag zu sich genommen. Anfangs nahm sie die Homöopathie-Präparate, um damit ihre Bauchschmerzen zu lindern. Weil es aber zu keiner Besserung kam, schluckte die 13-Jährige immer mehr der Streukügelchen. Während dieser Zeit litt sie unter Vergiftungssymptomen, berichtet die «Sonntagszeitung».

Rund drei Jahre nach der ersten Einnahme suchte sie Ende 2017 ihren Hausarzt wegen starker Kopfschmerzen auf. Doch weder eine Behandlung mit Schmerzmitteln noch eine Physiotherapie führten zum Erfolg. Die Schmerzen waren so stark, dass das Mädchen in Tränen ausbrach.

Inzwischen kamen weitere Symptome hinzu. Neben Bauch- und Kopfschmerzen hatte das Mädchen nun auch eine gestörte Darmfunktion mit täglich mehrfachem Durchfall und litt unter chronischer Müdigkeit. Der Arzt überwies das Mädchen schliesslich an einen Psychiater.

Symptome gehen nach Absetzung zurück

Dort erhielt das Mädchen aber kaum Hilfe: Der Psychiater diagnostizierte starke Anspannung und Ängste wegen einer neuen Arbeitsstelle und des Stotterns, woran das Mädchen seit gut fünf Jahren litt.

Ihr Zustand verschlechterte sich weiter. Als sie im Mai 2018 zum ersten Mal beim Mediziner Sergio Dani in die Sprechstunde kam, schluckte sie täglich bereits 50 Globuli. Gegenüber Sergio Dani berichtete das Mädchen von Schlaflosigkeit, starkem Schwitzen, Müdigkeit und Schnarchen. Zudem konnte sich das Mädchen nur schlecht konzentrieren. Ausserdem hatte sie mehrere Kilogramm zugenommen in den letzten Monaten. Sergio Dani berichtete über den Fall letzte Woche im Fachblatt «Swiss Medical Weekly».

Sergio Dani vermutete hinter den Beschwerden eine chronische Arsenvergiftung durch die eingenommenen Globuli gegen Magen-Darm-Beschwerden. Er konnte das Mädchen schliesslich überzeugen, das Homöopathie-Präparat abzusetzen. Bereits nach einer Woche gingen die Symptome zurück. Heute verzichtet das Mädchen auf die Präparate und führt ein beschwerdefreies Leben, berichtet Sergio Dani.

Arzt glaubt an Verbindung

Ob eine Verbindung zwischen den Globuli und den Beschwerden des Mädchens bestand, lässt sich nur schwer beweisen. Auch die Arsenmenge in den Homöopathie-Präparaten ist verschwindend klein. Eine Flasche mit über tausend Globuli enthält laut Sergio Dani zwanzigmal weniger Arsen, als die Weltgesundheitsorganisation als Grenzwert in drei Litern Trinkwasser erlaubt.

Das Heilmittelinstitut Swissmedic glaubt ebenfalls nicht an eine Vergiftung. Man gehe eher davon aus, dass die «Beschwerden einem der Hilfsstoffe und nicht dem Arsen zuzuordnen sind», heisst es auf Anfrage der «Sonntagszeitung».

Trotzdem glaubt Sergio Dani weiterhin an eine Verbindung: Er weist darauf hin, dass das Beenden der Gobuli-Behandlung zu einer vollständigen Besserung geführt hat. Ein Zusammenhang sei deshalb wahrscheinlich. (20 Minuten)

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