Fricker in zweifelhafter Gesellschaft: Vergleiche mit der Nazi-Zeit kommen nie gut an

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Fricker in zweifelhafter GesellschaftVergleiche mit der Nazi-Zeit kommen nie gut an

Nicht nur Nationalrat Jonas Fricker sorgte mit einem Holocaust-Vergleich für Empörung. Die Liste solcher Fauxpas im Ausland ist lang.

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dk
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Im Januar fragte Donald Trump auf Twitter, ob er denn «in Nazi-Deutschland lebe». Er gab den amerikanischen Geheimdiensten die Schuld für ein Sicherheitsleck, als ein vertrauliches Dokument den Weg an die Öffentlichkeit fand. Darin stand geschrieben, dass man Beweise für die Zusammenarbeit zwischen Russland und Trump im US-Wahlkampf besitzen würde.

Im Januar fragte Donald Trump auf Twitter, ob er denn «in Nazi-Deutschland lebe». Er gab den amerikanischen Geheimdiensten die Schuld für ein Sicherheitsleck, als ein vertrauliches Dokument den Weg an die Öffentlichkeit fand. Darin stand geschrieben, dass man Beweise für die Zusammenarbeit zwischen Russland und Trump im US-Wahlkampf besitzen würde.

Im April 2017 erregte der damalige Pressesprecher des Weissen Hauses, Sean Spicer, Aufsehen, weil der den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad mit Hitler verglichen hatte. Ein Giftgaseinsatz sei angeblich von Assad befohlen worden. Dies mache ihn noch abscheulicher als Hitler, denn dieser habe  im Zweiten Weltkrieg auf den Einsatz von Giftgas verzichtet.

Im April 2017 erregte der damalige Pressesprecher des Weissen Hauses, Sean Spicer, Aufsehen, weil der den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad mit Hitler verglichen hatte. Ein Giftgaseinsatz sei angeblich von Assad befohlen worden. Dies mache ihn noch abscheulicher als Hitler, denn dieser habe im Zweiten Weltkrieg auf den Einsatz von Giftgas verzichtet.

AP/Andrew Harnik
Im Zusammenhang mit der «Bunga-Bunga-Affäre» und Steuerhinterziehungsvorwürfen geriet Silvio Berlusconi vor einigen Jahren ins Zentrum von Ermittlungen der italienischen Justiz. Daraufhin sagte er, seine Kinder fühlten sich verfolgt wie jüdische Familien durch Adolf Hitler. «Alle sind gegen uns», sagte er.

Im Zusammenhang mit der «Bunga-Bunga-Affäre» und Steuerhinterziehungsvorwürfen geriet Silvio Berlusconi vor einigen Jahren ins Zentrum von Ermittlungen der italienischen Justiz. Daraufhin sagte er, seine Kinder fühlten sich verfolgt wie jüdische Familien durch Adolf Hitler. «Alle sind gegen uns», sagte er.

Roberto Monaldo

Mit seinem Holocaust-Vergleich überschritt Nationalrat Jonas Fricker (Grüne) Grenzen. Auch im Ausland hat sich eine lange Reihe von Politikern mit einem Vergleich zu Nazi-Deutschland in die Nesseln gesetzt:

Donald Trump, USA:

Im Januar fragte Trump auf Twitter, ob er «eigentlich in Nazi-Deutschland lebe». Er gab den amerikanischen Geheimdiensten die Schuld für ein Sicherheitsleck, als ein vertrauliches Dokument den Weg an die Öffentlichkeit fand. Darin stand, dass die Geheimdienste Beweise für die Zusammenarbeit zwischen Russland und Trump im US-Wahlkampf besitzen würden. Kritiker seiner Aussagen sagten damals, er habe «eine Linie überschritten».

Sean Spicer, USA:

Im April 2017 verglich der damalige Pressesprecher des Weissen Hauses den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad mit Hitler. Ein Giftgaseinsatz sei angeblich von Assad befohlen worden. Dies mache ihn noch abscheulicher als Hitler, denn dieser habe im Zweiten Weltkrieg auf den Einsatz von Giftgas verzichtet. Spicer schlug eine Welle der Ablehnung entgegen und entschuldigte sich im Fernsehen für seine Aussagen. Nur zwei Monate danach musste er den Hut nehmen.

Silvio Berlusconi, Italien:

Silvio Berlusconi, ehemaliger Ministerpräsident Italiens, leistete sich gleich mehrere Nazi-Vergleiche. 2003 etwa sagte er zum deutschen Abgeordneten Martin Schulz im Europäischen Parlament, er wolle ihn in einem italienischen Film für die Rolle eines KZ-Aufsehers vorschlagen, dafür sei er perfekt geeignet.

Boris Johnson, England:

Der ehemalige Bürgermeister von London warf dem französischen Premier François Hollande während der Verhandlungen über den Brexit vor, Grossbritannien wegen des Brexit «mit Prügeln zu bestrafen wie in einem Film über den Zweiten Weltkrieg».

Herta Däubler-Gmelin, Deutschland:

Die damalige deutsche Bundesjustizministerin verglich in einer Wahlveranstaltung 2002 den damaligen US-Präsidenten George W. Bush mit Hitler: «Bush will von seinen innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken. Das ist eine beliebte Methode. Das hat auch Hitler schon gemacht.» Obwohl sie schon während der Veranstaltung klarstellte, dass sie Bush nicht mit Hitler habe vergleichen wollen, bot sie ihren Rücktritt an. Ihr Chef, Gerhard Schröder, nahm den Rücktritt an.

Mehmet Kaplan, Schweden:

Im April 2016 musste der schwedische Minister seinen Rücktritt einreichen. In einer Debatte 2009 hatte er in einer Debatte über Islamfeindlichkeit gesagt, es gebe «Ähnlichkeiten» zwischen der Judenverfolgung durch die Nazis und dem Alltag der Palästinenser im Gazastreifen und Westjordanland. Der israelische Botschafter in Schweden verurteilte daraufhin die Aussagen als «zutiefst antisemitisch». Zurücktreten musste er allerdings aufgrund seiner Verbindungen zu türkischen Ultranationalisten.

«Keine durchdachten Aussagen»

Nazi-Vergleiche kommen so häufig vor, dass der amerikanische Autor Mike Godwin ein Gesetz dazu formuliert hat: Godwin's Law. Es besagt, dass mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion die Wahrscheinlichkeit für einen Nazi-Vergleich steigt. «Ich wollte zeigen, dass die meisten Leute, die Nazi-Vergleiche machen, weder durchdachte Aussagen machen noch unabhängige Denker sind», so Godwin in der «Washington Post».

Kürzlich verglich Jonas Fricker in einer Nationalratsdebatte Schweinetransporte mit der Massendeportation nach Auschwitz: «Die Menschen, die dorthin deportiert wurden, die hatten eine kleine Chance, zu überleben. Die Schweine, die fahren in den sicheren Tod.»

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