Wegelin-Geheimkonto: Vergoldeter Abgang – Vasella erhält 75 Millionen
Aktualisiert

Wegelin-GeheimkontoVergoldeter Abgang – Vasella erhält 75 Millionen

Gute Argumente für die Abzocker-Initiative: Der scheidende Novartis-Präsident Daniel Vasella kassiert für ein Konkurrenzverbot 75 Millionen Franken. Das Geld liegt auf einem Geheimkonto.

von
Lukas Hässig

Daniel «Dan» Vasella ist in den Augen vieler der «Abzocker» schlechthin. In seinen bald 17 Jahren an der Spitze des Pharmakonzerns Novartis hat Vasella mehrere Hundert Millionen eingestrichen.

Seit 2010 hat Vasella zudem ein Sonderrecht, das in der von Top-Salären blühenden Schweizer Managerlandschaft seinesgleichen sucht. Der Bündner bekommt für seinen Verzicht auf eine Tätigkeit bei einer Novartis-Konkurrentin eine «marktgerechte Vergütung», wie das Novartis nennt.

Geheimkonto bei Wegelin

Die Summe für Vasellas Stillhalten und die Dauer der gegenseitigen Verpflichtung waren bisher unbekannt. Wie das Finanzportal Insideparadeplatz am Freitag berichtet, erhält Vasella fürs Nichtstun während der nächsten fünf Jahre insgesamt 75 Millionen Franken.

Das Geld liege bereits seit zwei Jahren auf einem Konto der damaligen Privatbank Wegelin. Heute heisst die Bank Notenstein und gehört zur Raiffeisengruppe. Gemäss Insideparadeplatz wurde das Konto still und heimlich von Vasellas Vertrauensanwalt, dem Zürcher Peter Nobel, eingerichtet.

Bei Novartis will man sich nicht zum angeblichen 75-Millionen-Fallschirm von Vasella äussern: «Wir legen in Übereinstimmung mit den geltenden Gesetzen und Vorschriften alle Informationen über die Vergütung des Verwaltungsrats offen.» Nähere Angaben zu den kolportierten Zahlen könne man zum aktuellen Zeitpunkt nicht machen.

Weiterer Auftrieb für Abzocker-Initiative

Mit Bekanntwerden der hohen Summe von 75 Millionen Franken, die einer Vergoldung des Abgangs gleichkommt, erweist Vasella seiner Managergilde einen Bärendienst. Unter Führung des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse versucht diese, die «Initiative gegen die Abzockerei» des Schaffhauser Ständerats Thomas Minder abzuwehren.

Vielen Stimmberechtigten dürfte nicht einleuchten, warum einem Topmanager, der in seiner aktiven Zeit vermutlich der bestbezahlte Firmenlenker der Schweizer Geschichte war, zusätzlich noch der vorzeitige Ruhestand versüsst werden soll. War Vasella bereits bisher in den Augen der Minder-Supporter der Inbegriff des Abzockers, könnte sich die Empörung nun noch steigern.

Lässt man die Emotionen beiseite, dann geht es bei den 75 Millionen Stillhalteprämie um eine Frage, welche die Novartis-Aktionäre und deren Beauftragte, die Verwaltungsräte, behandeln müssen. Bis heute liessen die zuständigen Mitglieder des Verwaltungsrats, die in den letzten Jahren ebenfalls üppig belohnt wurden, die Aktionäre über den letzten Reibach des von ihnen mehrfach wiedergewählten Präsidenten im Ungewissen.

2011 sagten bereits 39 Prozent Nein

Der Widerstand gegen die hohen Bezüge ist in den letzten Jahren gestiegen. Das Novartis-Vergütungssystem lehnten an der Generalversammlung vor zwei Jahren 39 Prozent ab – ein hoher Wert. Die Frage wird nun sein, welche Wellen Vasellas 75 Millionen auf einem geheim gehaltenen Bankkonto werfen werden. Je nachdem könnte die Stimmung kippen und eine Mehrheit der Aktionäre den Vergütungsbericht ablehnen.

Das wäre ein Novum und für Vasella persönlich eine Schlappe. Dieser dürfte sich nicht im Traum vorgestellt haben, dass der Widerstand an seinen Bezügen zum Schluss seiner Karriere die Emotionen derart hochgehen lassen würde. Vasella wollte bis zuletzt der Schweiz weismachen, dass hohe Saläre und Boni gerechtfertigt seien, wenn auch die Leistungen aussergewöhnlich hoch seien. Davon liessen sich immer weniger Aktionäre und Beobachter überzeugen.

Im Interview mit «SRF» streitet Vasella eine Millionenentschädigung ab

(Quelle: SRF)

Vasella bestritt Millionen-Fallschirm

Bei seiner Rücktrittsankündigung Ende Januar bestätigte Novartis-Präsident Daniela Vasella, dass er ein Konkurrenzverbot habe. Im Interview mit «SRF» (siehe Video unten) sagte der scheidende Top-Manager, er würde für sein Konkurrenzverbot marktgerecht entlöhnt, sofern er dieses einhalte. Angesprochen auf die Höhe seiner Entschädigung stritt Vasella ab, dass ihm sein Konkurrenzverbot jährlich mit einer Millionensumme entschädigt werde.

Bei den Initianten der Abzocker-Initiative ist man über den am Freitag bekannt gewordenen «goldenen Fallschirm» für den Top-Manager empört. Dass der scheidende Novartis-Präsident für die nächsten fünf Jahre Nichtstun 75 Millionen Franken erhalte, sei dekadent. Nur der Initiativtext würde solche Entschädigungen im Zusammenhang mit dem Austritt explizit verbieten, schreibt das Initiativkomitee in einer Mitteilung. Beim Gegenvorschlag hingegen sei diese Hintertür weiterhin offen. (sas)

Deine Meinung