Aktualisiert 04.02.2013 07:25

Krawalle in Kairo

Verhärtete Fronten nach Skandal-Video

Er wurde nackt von Polizisten verprügelt. Jetzt nahm der Mann seine Peiniger in Schutz. Laut Aussage seiner Tochter wird er bedroht. Derweil gehen die Krawalle unvermindert weiter.

Das Schicksal eines Demonstranten, der in Kairo von Polizisten nackt über die Strasse geschleift und verprügelt wurde, hat Ägypten in Aufruhr versetzt.

Nachdem Fernsehsender Videoaufnahmen der Polizeiattacke auf Hamada Saber gezeigt hatten, bestritt der 50-jährige Mann, ein Opfer der Polizeigewalt zu sein. Die Polizisten hätten ihn vor dem Präsidentenpalast nicht ausgezogen und geschlagen, sondern zu retten versucht, sagte er Staatsmedien zufolge.

Seine Verletzungen hätten ihm zuvor Demonstranten beigebracht, die ihn fälschlicherweise für einen Polizisten in Zivil gehalten hätten.

Das Video legt einen anderen Tathergang nahe. Seine Tochter Randa Saber sagte zudem laut der Kairoer Tageszeitung «Al-Watan», ihr Vater habe aus Angst eine falsche Aussage gemacht. In Kairo kursierten Berichte, denen zufolge Saber mit Todesdrohungen und Geldversprechen zu seiner Aussage gebracht worden sei.

Mursi distanziert sich

Auch der islamistische Staatschef Mohammed Mursi zeigte sich am Wochenende bestürzt. Solch ein Vorgehen von Polizisten sei mit der Menschenwürde unvereinbar und werde geahndet, sagte sein Sprecher. Viele Ägypter erklärten, die Polizei sei genauso brutal und korrupt wie unter dem 2011 geschassten Präsidenten Hosni Mubarak.

Die oppositionelle Nationale Rettungsfront forderte die Justiz auf, Mursi und Innenminister Mohammed Ibrahim für die Polizeigewalt zur Verantwortung zu ziehen. Ibrahim sagte, er sei bereit, sein Amt abzugeben, «falls es das ist, was das Volk will».

105 Verletzte, ein Toter

Nach Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Ägypten ist am Sonntag ein weiterer Mann an seinen Verletzungen gestorben. Der 20-Jährige war in Kopf und Brust getroffen worden und starb im Krankenhaus, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Am Freitag war in Kairo bereits ein 23-Jähriger erschossen worden. In der Hauptstadt war es zuletzt immer wieder zu schweren Zusammenstössen gekommen. Vor dem Präsidentenpalast warfen die Regierungsgegner Steine auf die Sicherheitskräfte. Diese setzten Wasserwerfer und Tränengas ein.

Muslimbrüder verurteilen Krawalle

Die Muslimbruderschaft, in der Präsident Mursi seine politische Heimat hat, verurteilte die Ausschreitungen vor dem Präsidentenpalast. Sein Sprecher forderte nach Angriffen mit Brandsätzen auf den Amtssitz Mursis die politischen Gruppen auf, die Krawalle zu verurteilen. Die Partei der Muslimbruderschaft warf der Nationalen Rettungsfront vor, die Gewalt legitimiert zu haben.

Er verwies insbesondere auf Aufrufe des Friedensnobelpreisträgers Mohammed El-Baradei zum friedlichen Protest. «Wie sollen die, die ihre eigenen Anhänger nicht im Griff haben, ein Land regieren?» fragten die Islamisten mit Blick auf die Forderung der Opposition nach einer Regierung der nationalen Einheit.

Die radikal-islamischen Salafisten lehnten die Forderung nach einem Rücktritt des Präsidenten ab.

Drei Jahre Haft für Ex-Innenminister

Derweil wurde der in Ägypten verhasste frühere Innenminister Habib al-Adli zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Ex-Minister habe Polizisten in seinen Privatfirmen arbeiten lassen, berichtete das Staatsfernsehen.

Al-Adli sitzt bereits eine zwölfjährige Haftstrafe wegen Korruption ab. Ausserdem wartet er gemeinsam mit Ex-Präsident Mubarak auf ein neues Verfahren wegen der Beteiligung am Tod von mehr als 800 Demonstranten bei den Massenprotesten während des Arabischen Frühlings.

Ein längeres Video des Angriffs

(Quelle: YouTube/Polotica Mazzika) (sda)

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