Schweizer Konzern: Verhaftete Mafiosi bringen Repower in Bedrängnis
Aktualisiert

Schweizer KonzernVerhaftete Mafiosi bringen Repower in Bedrängnis

Am Dienstag gelang der Polizei in Kalabrien ein Schlag gegen die Mafia. Auch ein Kohlekraftwerk geriet ins Visier der Ermittler – und damit der Bündner Stromkonzern Repower.

von
Antonio Fumagalli

Gestern Vormittag schlugen die italienischen Beamten zu: Im Rahmen der Operation «Ada» verhafteten sie nicht weniger als 65 Personen wegen mafiöser Verbindungen, darunter auch Gesualdo Costantino, den Bürgermeister des kalabresischen Dorfes Melito Porto Salvo. Sie sollen dem einflussreichen 'Ndrangheta-Clan «Iamonte» angehören.

Wie die zuständigen Staatsanwälte anlässlich einer Pressekonferenz sagten, hat der Clan seit längerem das geplante Kohlekraftwerk in Saline Joniche, einem Nachbardorf von Melito Porto Salvo, im Visier gehabt. «Die organisierte Kriminalität ist unausweichlich mit den Grossinvestitionen verbunden», sagt die Staatsanwaltschaft laut «Il Sole 24 Ore».

«Einflussreiche Freundschaft» mit Mafioso

Brisant: Hinter dem Projekt steckt der Stromkonzern Repower, bei dem der Kanton Graubünden Mehrheitsaktionär ist. Dessen Projektgesellschaft SEI, die personell eng mit Repower verflochten ist, hat mit Franco D'Aquaro einen Berater vor Ort, der laut den italienischen Behörden Kontakte mit der Mafia aufgenommen hat. Der «Corriere della Calabria» zitiert aus Telefongesprächen aus dem Jahr 2008, bei denen Mafiosi den Namen D'Aquaros genannt hätten. Zudem habe er auf die «einflussreiche Freundschaft» des nun inhaftierten Bürgermeisters von Melito Porto Salvo zählen können. D'Aquaro selbst wurde bei der gestrigen Aktion nicht verhaftet.

Das Grossprojekt von Repower in Süditalien steht nicht zum ersten Mal in der Kritik, seit Jahren kämpfen Interessengruppen gegen das geplante Kohlekraftwerk. Im Januar wurde der Konzern für den wenig schmeichelhaften «Public Eye Award» nominiert, bei dem Menschenrechtsverstösse und Umweltsünden angeprangert werden. Auch Mafianähe wurde dem Konzern schon früher vorgeworfen. Das Bündner Stimmvolk muss sich zudem zur Initiative «Ja zu sauberem Strom ohne Kohlekraft» äussern, die der Grosse Rat diese Woche zur Ablehnung empfohlen hat.

Planungsstopp steht nicht zur Diskussion

Repower sieht trotz der jüngsten Entwicklungen keinen Anlass, sein Engagement zu überdenken. «Wir nehmen die Verhaftungswelle zur Kenntnis, betonen aber, dass wir uns korrekt verhalten», sagt Sprecher Werner Steinmann. Man habe keinerlei Interesse, mit kriminellen Organisationen zusammenzuarbeiten und sei weiterhin überzeugt, dass es möglich sei, das Projekt «juristisch sauber» auf die Beine zu stellen. Ein Planungsstopp stehe nicht zur Diskussion.

Genau dies verlangt aber der Verein «Zukunft statt Kohle». Präsident Nic Rüdisühli: «Jetzt kann Repower aus dem Projekt aussteigen, ohne das Gesicht zu verlieren. Die Zeit ist reif, um auf dem mafiabereinigten Gelände ein erneuerbares Energieprojekt zu starten.»

Wie der zuständige Staatsanwalt Nicola Gratteri am späteren Nachmittag auf Anfrage sagte, bestehe kein direkter Zusammenhang zwischen der Repower-Tochtergesellschaft SEI und der Mafia. Es gebe keine Hinweise auf Kontakte zwischen den bei der Operation Ada verhafteten Personen und der Repower. Gegen Franco D'Aquaro seien keine Ermittlungen im Gange. Gratteri bestätigt allerdings, dass die `Ndrangheta das Projekt in Saline Joniche unterstützt und als positive Entwicklung gelobt habe.

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