Skandal in Dubai : Verhaftete Nackte können nur noch auf den Ramadan hoffen
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Skandal in Dubai Verhaftete Nackte können nur noch auf den Ramadan hoffen

Unter den Models, die sich ausgerechnet in Dubai nackt auf einem Balkon präsentierten, ist keine Schweizerin. Aber elf Ukrainerinnen und ein Russe müssen nicht nur mit einer hohen Busse, sondern auch mit Gefängnis rechnen – es sei denn, der Monat der Gnade stimmt die Sittenwächter milder.

von
gux

«Viele in der Expat-Community von Dubai sind wütend wegen der Aktion, die sie als respektlos empfinden», sagt Radha Stirling von der Aktivistengruppe Detained in Dubai.

Offenbar ist sie das Thema in Dubais Expat-Kreisen: Die Gruppe von Models, die sich nackt auf einem gläsernen Balkon eines Hochhauses in der glitzernden Marina Bay präsentierte und in der Folge wegen «unzüchtigen Verhaltens» festgenommen wurde.

In den Vereinten Arabischen Emiraten herrscht das Sharia-Gesetz und Sittenwächter wachen darüber, dass in der Öffentlichkeit nicht zu viel Haut gezeigt, geküsst oder getrunken wird. Wer sich daran nicht hält, dem drohen Gefängnis und hohe Bussen.

Keine Schweizer oder Schweizerinnen

Zunächst hiess es, dass um die 40 anwesende Personen verhaftet worden seien. Später präzisierte die «BBC», dass es sich um insgesamt zwölf Personen handle. Auch um die Nationalitäten der Verhafteten gab es zunächst Verwirrung. Wie das Schweizerischer Aussendepartement EDA auf Anfrage mitteilte, sind keine Schweizer Bürger oder Bürgerinnen darunter.

Mittlerweile steht fest, dass elf Ukrainerinnen und ein russischer Staatsbürger verhaftet wurden. Dabei soll es sich um den Milliardär Aleksey Kontsov handeln. Dieser besitzt russischen Medien zufolge ein grosses IT-Unternehmen, gilt als Playboy und Philanthrop. Die Polizei in Dubai wirft ihm vor, das Nackthappening organisiert zu haben. Sollte sich das bestätigen, drohen dem 33-Jährigen eineinhalb Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von umgerechnet 14’000 Franken.

«Viele in Dubais Expat-Community sind wütend»»

Kontsovs Freunde bestehen aber darauf, dass dieser mit den Models und ihrem offenherzigen Auftritt nichts zu tun habe. Vielmehr habe er die Szene «zufällig von seinem eigenen Balkon aus aufgenommen» und «als Ferienerinnerung» und für seine Freunde gepostet. Doch auch das dürfte dem Russen wenig helfen: Auch das Teilen von pornografischem Material wird in Dubai mit Gefängnisstrafen und hohen Geldstrafen geahndet.

«Viele in der Expat-Community von Dubai sind wütend wegen der Aktion, die sie als respektlos empfinden», sagt Radha Stirling von der in London ansässigen Aktivistengruppe Detained in Dubai. «Die Gesetze bezüglich solcher Aufnahmen sind in den Vereinten Emiraten sehr strikt – und das wissen die Leute sehr gut.» In Dubai könne man allein schon wegen eines als beleidigend empfundenen Schriftzuges auf einem T-Shirt in Schwierigkeiten geraten. Umso schwerer sei es zu verstehen, dass Frauen sich für alle sichtbar nackt auf einem Balkon zeigten.

Ukrainerinnen hoffen auf Ramadan

Unbestätigten Medienberichten zufolge steht hinter den nackten Tatsachen ein PR-Stunt einer israelischen Pornofirma. «Sollte das wahr sein und sich die israelische Botschaft einschalten, könnte ein Deal ausgehandelt werden», so Stirling mit Blick auf die sich seit letztem Jahr normalisierenden Beziehungen zwischen den Emiraten und Israel. Es könnte aber auch sein, dass sich die Behörden unnachgiebig zeigten – dann drohe den Angeklagten eine hohe Geldstrafe und im schlimmsten Fall sogar «einige Jahre im Gefängnis».

Angesichts seiner verhafteten Bürgerinnen hofft man in Kiew auf die Macht der Diplomatie – und der Religion: Am 13. April begehen muslimische Länder den Ramadan, den «Monat der Gnade und des Friedens». Entsprechend hoffe man, dass die Behörden die Ausländerinnen begnadigen würden, schreibt die «Kyiv Post».

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