Prozess in Zürich: Verhafteter verletzt – Polizisten vor Gericht
Aktualisiert

Prozess in ZürichVerhafteter verletzt – Polizisten vor Gericht

Drei Angehörige der Stadtpolizei Zürich müssen sich wegen Amtsmissbrauchs vor Gericht verantworten. Das Trio soll einen betrunkenen Geschäftsmann zu Unrecht festgenommen und verletzt haben.

von
Attila Szenogrady
Ein Polizist vor der Urania-Wache.

Ein Polizist vor der Urania-Wache.

Am Dienstag mussten sich gleich drei Angehörige der Stadtpolizei Zürich am Bezirksgericht Zürich verantworten. Den beiden Frauen im Alter von 36 und 37 Jahren sowie einem 31-jährigen Korporal wurden Delikte wie Amtsmissbrauch, Freiheitsberaubung sowie fahrlässige Körperverletzung angelastet.

Die Staatsanwaltschaft für besondere Untersuchungen forderte hohe Geldstrafen. 100 Tagessätze zu 150 Franken sowie eine Busse von 1000 Franken für eine Gruppenführerin, 120 Tagessätze zu 150 Franken und 1800 Franken Busse für die zweite Polizeibeamtin und 20 Tagessätze zu 150 Franken sowie 300 Franken Busse für den männlichen Beschuldigten, dem nur die eingeklagte Körperverletzung angelastet wurde.

Betrunkenen Geschäftsmann festgenommen

Die Anklage ging auf die Nacht auf den 1. August 2010 zurück. Damals nahm eine Polizeipatrouille unter der beschuldigten Gruppenführerin an der Zürcher Langstrasse einen betrunkenen Geschäftsmann fest. Grund dafür: Der angetrunkene Geschädigte hatte sich während einer Kontrolle beschwert und den Beamten einen verbalen Schlagabtausch geliefert. Worauf er in Handschellen gelegt und abgeführt wurde.

Laut Staatsanwaltschaft zu Unrecht, da weder eine ernstliche Eigengefährdung noch eine Fremdgefährdung vorgelegen habe. Es sei den Polizisten nur darum gegangen, dem späteren Privatkläger eine Lektion zu erteilen.

In automatischer Türe eingeklemmt

Hinzu kam, dass der Geschäftsmann gemäss Anklage ein wenig später auch noch an den Handgelenken verletzt wurde. So wurde er von einem Kastenwagen zur Ausnüchterung zur Regionalwache Urania gefahren, wo er ausstieg und mit den Händen auf den Rücken gefesselt durch ein Tor gehen sollte. Wo er jedoch von einer automatisch aufgehenden Türe eingeklemmt wurde. Dabei wurden seine Handgelenke zwischen der Wand und der aufgehenden Türe eingeklemmt und gequetscht.

Der zuständige beschuldigte Polizist konnte den Gefangenen zwar noch aus der Nische herausziehen, die Verletzungen aber nicht mehr verhindern. Er und eine der Beamtinnen hätten dabei ihre Fürsorgepflicht nicht wahrgenommen, lautete der Vorwurf.

Umfassende Freisprüche verlangt

Im Gegensatz zu einem Rechtsvertreter des Geschädigten, der Schadenersatz und Genugtuung verlangte, setzten sich die Verteidiger vor Gericht für umfassende Freisprüche ein. Bezüglich der Festnahme führten die beiden Polizistinnen aus, dass sehr wohl eine Eigen- sowie Fremdgefährdung des Geschädigten vorgelegen habe. So sei dieser mit rund 1,5 Promille Alkohol im Blut auf der Strasse herumgetigert, erklärte eine der Beschuldigten.

Anlässlich des Einklemmens in die automatische Türe sagten die Verteidiger, dass der in der Dunkelheit erfolgte Unfall für ihre Mandanten nicht voraussehbar gewesen sei. Der angetrunkene Geschäftsmann habe sich schnell und unberechenbar in die falsche Richtung bewegt.

Urteil Ende Februar erwartet

Das Gericht zog sich nach den Parteivorträgen zur geheimen Urteilsberatung zurück. Es wird den Entscheid voraussichtlich am 25. Februar eröffnen. Bei Schuldsprüchen könnten den Beschuldigten auch in beruflicher Hinsicht negative Folgen erwachsen. Alle drei sind aber bis heute fest bei der Stadtpolizei angestellt.

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