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National LeagueVerhalten sich Fussballer seriöser in Corona-Zeiten als Eishockeyaner?

Covid-Fälle sorgen dafür, dass immer wieder NL-Clubs in Quarantäne müssen. Was heisst das für die Meisterschaft? Sind Total-Quarantänen gerecht? Und was meint der Verband?

von
Nils Hänggi
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Immer wieder müssen Schweizer Eishockeyteams in Isolation. 

Immer wieder müssen Schweizer Eishockeyteams in Isolation.

Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)
Grund dafür sind Corona-Fälle in den Mannschaften. 

Grund dafür sind Corona-Fälle in den Mannschaften.

Foto: Urs Lindt (Freshfocus)
Die Folge: Immer wieder müssen Spiele verschoben werden. 

Die Folge: Immer wieder müssen Spiele verschoben werden.

Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Darum gehts

  • Auch Schweizer Eishockey wird nicht von Covid-19 verschont.

  • Immer wieder gibt es positive Fälle in den Teams.

  • Einen Saison-Abbruch wünscht sich aber niemand.

  • Der Verband strebt derweil «eine einheitliche, flexiblere Lösung für die ganze Schweiz» betreffend der Isolation von Teams an.

Ist die Eishockey-Saison nicht schon eine Farce? Beinahe wöchentlich werden in der National League Spiele wegen positiven Coronatests verschoben. Jeder Club musste schon mindestens einmal in Quarantäne – aktuell trifft es erneut den HC Lausanne. Dabei ist es gar nicht so, dass jeweils die gesamten Mannschaften Corona haben. Nein, oftmals sind es nur wenige Spieler oder Staff-Mitglieder, die positiv auf Covid-19 getestet worden sind. Und dennoch schicken die Kantonsärzte die gesamten Teams in Quarantäne.

Tatsache ist, dass die Zeit knapp wird. Das hat wohl auch der Verband gemerkt. Aus diesem Grund machte Swiss Ice Hockey am Montag wohl auch Nägel mit Köpfen und entschied, was passiert, wenn die Meisterschaft abgebrochen werden muss. So wie es im März 2020 geschehen ist. Damals entschied man, dass es keinen Meister gibt. Die ZSC Lions, die die Tabelle vor dem Playoff anführten, gingen leer aus.

«Wir befassen uns seit Beginn der Saisonplanung mit verschiedensten Varianten. Ein Abbruch wird die ultimo ratio sein, muss aber entsprechend auch reglementarisch abgebildet sein, damit im Eintretensfall nicht Hektik ausbricht», heisst es beim Verband.

«Ich weiss es nicht»

Diese Saison wird es nahezu sicher einen Meister geben. Denn nur, wenn nicht «jedes Team der entsprechenden Liga mindestens 75 Prozent aller Spiele der Qualifikation absolviert hat», wird die Meisterschaft bei einem Abbruch ohne Sieger enden. Sollte die Saison während des Playoffs abgebrochen werden müssen, wird der Erstplatzierte der Regular Season Schweizer Meister. Dies aber nur, sofern er noch im Playoff vertreten ist. Ist er das nicht, wird wiederum kein Meister erkoren.

«Wir mussten uns mit solchen Szenarien befassen», sagt Sandro Frei, Medienchef der ZSC Lions. «Es ist ja auch ein Zeichen für die Fans und die Sponsoren, wie die Spielregeln aussehen. Wenn wir uns nicht mit einem möglichen Abbruch beschäftigen würden, wäre das nicht professionell.» Natürlich hoffe er aber, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann. Frei ist positiv gestimmt. Noch. Er weiss nämlich auch: «In der Quali haben wir noch Spielraum, den wir in den Playoffs nicht mehr haben.» Ähnlicher Meinung ist SC-Bern-COO Rolf Bachmann: «Einen Abbruch wünscht sich niemand.»

Spielvorverschiebungen sind eine Möglichkeit, den Problemen zu begegnen. Teams, die nicht in Quarantäne sind und irgendwann später eh noch aufeinandertreffen, sollen jetzt schon so oft wie möglich gegeneinander antreten. Oder es passiert ein Umdenken bei der Isolation. Derzeit werden ganze Teams wegen wenigen Positiven aus dem Verkehr gezogen. Das versteht keiner. Schliesslich wurde auch vor der Saison abgemacht: Es wird gespielt, solange zwölf Spieler zur Verfügung stehen. Diese Regel ist mit Total-Quarantänen aber gar nicht anwendbar.

Der Blick in eine ungewisse Zukunft: Wird die Saison zu Ende gespielt? Gibt es einen Meister? Wie viele Teams müssen noch in Quarantäne? 

Der Blick in eine ungewisse Zukunft: Wird die Saison zu Ende gespielt? Gibt es einen Meister? Wie viele Teams müssen noch in Quarantäne?

Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Darüber lamentieren, das wollen Frei und Bachmann aber nicht. Letzterer meint: «Es ist immer einfach zu kritisieren. Wir haben jedoch nur eine Aussenbetrachtung, die Verantwortlichen sehen das ganze Bild.» Frei von den Lions: «Es ist halt einfach so. Ich will niemandem einen Vorwurf machen.» Und: «Eigentlich sind wir ja das beste Beispiel. Im Dezember hatten wir insgesamt 13 Fälle. Wir wurden dadurch sensibilisiert, zeigten diese Fälle doch: Die Isolationen waren richtig.»

Klar also, es ist ein schwieriges Thema. Was in der ganzen Debatte aber nahezu untergeht, ist die Frage, weshalb tendenziell mehr Eishockey- als Fussballclubs von Coronafällen und Isolationen betroffen sind. «Eine gute Frage. Ich weiss es nicht», so Frei. Die Spieler seien halt nicht in einer Bubble, sie seien nicht isoliert. «Im Club versuchen wir alles, doch wir können nicht alles kontrollieren.» Die Fussballer hätten ja dieselben Regeln. Der SCB-COO sagt zum Vergleich: «Das ist schwer zu beurteilen.»

Das meint der Verband

Verhalten sich die Fussballer seriöser als die Eishockeyaner? Das sei nicht objektiv zu beantworten, heisst es auf Anfrage beim Verband. Auch könne man sich zum Fussball nicht äussern, kenne man doch die dortigen Verhältnisse zu wenig. Zudem befände sich der Schweizer Fussball zurzeit noch in der Winterpause.

Angesprochen auf die Tatsache, dass von Kantonsärzten oftmals ganze Teams in Isolation geschickt werden, obwohl der Verein nur Einzelfälle in seinen Reihen hätte, sagt Manuela Hess, Kommunikationsverantwortliche beim Schweizer Eishockeyverband: «Jeder Einzelfall ist anders und wird durch die kantonalen Behörden beurteilt und entschieden. Wir wünschten uns sicherlich eine einheitliche, flexiblere Lösung für die ganze Schweiz.» Es wäre aber falsch, «die Politik und die Arbeit der Kantonsärzte generell zu kritisieren. Wir stehen im Dialog mit allen Instanzen und versuchen für alle Beteiligten möglichst optimale Bedingungen zu schaffen.»

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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30 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

die Fussballer

07.01.2021, 12:29

oder, Verhalten sich Bundesräte seriöser in Corona-Zeiten als Eishockeyaner?

Frido der Echte

07.01.2021, 06:27

Soviel Text und so wenig Inhalt..

völlig klar

07.01.2021, 04:44

Einmal mehr: Was für ein Artikel! Schaut euch doch einfach einmal die zwei Sportarten an! Im Fussball lässt man sich weinend fallen, wenn der Gegner noch 2m entfernt ist, im Eishockey scheut man die Konfrontation nicht...