Atomgespräche in Wien: Verhandlungen um sieben Monate verlängert
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Atomgespräche in WienVerhandlungen um sieben Monate verlängert

Der Streit über die iranischen Atomkapazitäten ist weiterhin ungelöst. Die selbstgesteckte Frist für ein endgültiges Abkommen wurde zwar versäumt, aber es soll dennoch weiter verhandelt werden - bis Juli.

Der französische Aussenminister Laurent Fabius (links) diskutiert mit dem iranischen Aussenminister Mohammad Jayad Zarif.

Der französische Aussenminister Laurent Fabius (links) diskutiert mit dem iranischen Aussenminister Mohammad Jayad Zarif.

Bei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm ist ein Abkommen zum selbstgesteckten Zieldatum am Montag nicht zustande gekommen. Der ausgebliebene Durchbruch bedeutet aber keinen Abbruch der Gespräche zwischen den fünf ständigen Sicherheitsratsmitgliedern, Deutschland und dem Iran. Die Delegationen verständigten sich darauf, bis zum 1. März die Grundlagen auszuhandeln. Vier Monate später, bis Juli, soll dann das endgültige Atomabkommen stehen.

US-Aussenminister John Kerry bescheinigte seinem iranischen Kollegen Mohammed Dschawad Sarif, mit gutem Willen in die Verhandlungen gegangen zu sein. «Wir haben echten und substanziellen Fortschritt erzielt und neue Ideen auftauchen sehen», sagte er. «Wir sind heute einem Abkommen näher, das die gesamte Welt, insbesondere unsere Verbündeten in Israel und dem (Persischen) Golf sicherer macht.»

Der britische Aussenminister Philip Hammond erklärte, die beiden Seiten hätten sich bis März Zeit gegeben, einen Text zu vereinbaren, «der in leicht verständlicher Sprache darlegt, was wir zu tun vereinbart haben». Experten bekämen dann vier Monate Zeit, «das in präzise Definitionen zu übersetzen, was gemacht werden soll».

Damit scheint die Chance auf das als historisch geltende Abkommen zunächst gewahrt. Es soll ausschliessen, dass der Iran heimlich eine Atombombe baut. Teheran hofft seinerseits auf ein Ende der internationalen Wirtschaftssanktionen.

Zieldatum unklar

Die Delegationen hatten sechs Tage in Wien fieberhaft nach einem Durchbruch bei den festgefahrenen Positionen gesucht. Aus Äusserungen aus Kreisen der Verhandlungsteilnehmer am Montag war zu entnehmen, dass über die Entscheidung hinaus, sieben weitere Monate zu verhandeln, nicht viel erreicht wurde. Die nächste Verhandlungsrunde soll im Dezember stattfinden, aber der Ort steht noch nicht fest.

Auch das neue Zieldatum für das Abkommen blieb unklar. Hammond zufolge soll es bis zum 30. Juni fertig sein. Andere Teilnehmer sprachen vom 1. Juli. Hammond sprach von «beträchtlichem Fortschritt» bei den Verhandlungen, Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, es blieben noch Meinungsverschiedenheiten zu technischen Details zu lösen. Alle Beteiligten seien der Ansicht, dass es eine echte Chance gebe, einen Weg zueinander zu finden, sagteSteinmeier. Die Verlängerung der Verhandlungen sei derEntschluss, diese Chance zu nutzen.

Die Unterhändler hatten vor einem Jahr nach jahrelangem Streit ein vorläufiges Abkommen über die Beschränkung des iranischen Atomprogramms erreicht. Darin war vereinbart worden, binnen eines halben Jahres einen auf Dauer angelegten Folgevertrag zu schliessen. Doch wurde die Frist bereits einmal bis zum 24. November verlängert. Montag Mitternacht sollte sie auslaufen.

Iran soll nukleare Aktivitäten einschränken

Vom Iran wird gefordert, seine nuklearen Aktivitäten so einzuschränken, dass der Bau von Atomwaffen nicht möglich ist. Dabei geht es vor allem um die Zahl der Zentrifugen zum Anreichern von Uran. Denn damit kann auch waffenfähiges Material gewonnen werden.

Die Regierung in Teheran betont, sie sei nur an der friedlichen Nutzung der Kernenergie interessiert. Doch der Westen will ein Sicherheitsnetz einziehen: Er will die Zahl der Zentrifugen so begrenzen, dass es sehr lange dauern würde, genügend Waffenstoff zusammen zu bekommen. Der Iran will sein Programm aber nicht so stark reduzieren wie gefordert. (sda)

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