Verschwörungstheorien: Verharmlost Gabirano in Podcast-Beitrag Mord an George Floyd?
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VerschwörungstheorienVerharmlost Gabirano in Podcast-Beitrag Mord an George Floyd?

In seinem wöchentlichen Podcast bezeichnet Comedian Gabirano die «Black Lives Matter»-Bewegung als «Set-up von den US-Demokraten. Und sagt, bei den Bildern um die Tötung von George Floyd «fehle der Kontext».

von
Daniel Krähenbühl
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Der 21-jährige Gabirano Guinand ist ein gefragter Comedian. Über 158’000 Abonnenten folgen ihm auf Instagram.

Der 21-jährige Gabirano Guinand ist ein gefragter Comedian. Über 158’000 Abonnenten folgen ihm auf Instagram.

Foto: Stevan Bukvic / CUSTOM IMAGES
Auf Spotify veröffentlicht er mit Mateo Gudenrath regelmässig einen Podcast mit dem Titel «Comedians im Brennpunkt».

Auf Spotify veröffentlicht er mit Mateo Gudenrath regelmässig einen Podcast mit dem Titel «Comedians im Brennpunkt».

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In der neusten Ausgabe dieses Podcasts reden Gabirano und Mateo unter anderem über die aktuellen Geschehnisse im Zusammenhang mit der Tötung von George Floyd durch einen Polizisten, die «Black Lives Matter»-Bewegung und die Rassismus-Diskussion in der Schweiz.

In der neusten Ausgabe dieses Podcasts reden Gabirano und Mateo unter anderem über die aktuellen Geschehnisse im Zusammenhang mit der Tötung von George Floyd durch einen Polizisten, die «Black Lives Matter»-Bewegung und die Rassismus-Diskussion in der Schweiz.

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Darum gehts

  • Gegen den 21-jährigen Comedian Gabirano werden auf Social Media Rassismus-Vorwürfe laut.
  • So habe er in seinem neusten Podcast den Mord an George Floyd verharmlost. Zudem habe er mehrere andere grenzwertige Aussagen gemacht.
  • Im Podcast sagt Gabirano, dass er zum Tod von Floyd Kontext brauche. Und dass alles von den Demokraten eingefädelt worden sei, um die US-Wahlen im November zu gewinnen.
  • Die BLM-Bewegung bezeichnet er als unnötig, die Übernahme von Stadtteilen durch Demonstranten vergleicht er mit der Terrormiliz Isis.
  • Auf Anfrage wehrt sich Gabirano vehement dagegen, den Tod von Floyd herunterspielen zu wollen. Er spricht von einer «Hexenjagd».

Der 21-jährige Gabirano Guinand ist ein gefragter Comedian. Über 158’000 Abonnenten folgen ihm auf Instagram, auf Spotify veröffentlicht er mit Mateo Gudenrath regelmässig einen Podcast mit dem Titel «Comedians im Brennpunkt». In der neusten Ausgabe dieses Podcasts reden Gabirano und Mateo unter anderem über die aktuellen Geschehnisse im Zusammenhang mit der Tötung von George Floyd durch einen Polizisten, die «Black Lives Matter»-Bewegung und die Rassismus-Diskussion in der Schweiz.

Gabirano erzählt etwa, dass sein guter Freund Kiko seit seinem Auftritt in der SRF-«Arena» Drohungen bekommen habe. Zum Teil sogar von Leuten, die er persönlich kenne. Oder davon, dass ihn der Berner Rapper Nativ auf Instagram geblockt hat. «Nur, weil ich mit Kiko befreundet bin. Das ist doch voll übertrieben», sagt Gabirano.

Wie der Instagram-Kanal von spotted_racism_ch öffentlich machte, gab Gabirano im über einstündigen Podcast jedoch auch mehrmals grenzwertige Aussagen ab. Hier sind sie zusammengefasst:

Über die Umstände des Todes von George Floyd

«Einen Menschen soll man nicht töten, das ist klar», sagt Gabirano. Und dass der Polizist Floyd «12 Minuten lang auf dem Kopf» stand, sei auch «unchillig». «Aber man weiss, dass er kriminell war, bereits vorbestraft.» Gabirano erzählt, wie Floyd bei einem Überfall einer schwangeren Frau eine Waffe an den Bauch gehalten haben soll (Anm. der Redaktion: Gemäss der Fact-Checking-Website Politifact ist das eine Falschaussage).

«Sie stellen Floyd als Märtyrer der Schwarzen dar, als wäre er für uns gestorben.» Aber verschiedene Sachen würden darauf hinweisen, dass «alles ein bisschen schräg ist, halt gelogen». Die Medien hätten die Bilder seines Todes immer und immer wieder gezeigt, um «deine Emotionen zu triggern», so Gabirano. «Dabei weiss man nicht genau, was passiert ist. Man hat keinen Kontext.»

Ohnehin sei es «ein grosser Zufall», dass die «Black Lives Matter»-Bewegung so kurz vor den Neuwahlen in den USA an Fahrt gewinne. Gabirano: «Für die Demokraten in den USA gilt nicht ‹Black Lives Matter›, sondern ‹Black Votes Matter›.» Weil die Demokraten fürchten, im November gegen Trump zu verlieren, sei ihnen jedes Mittel recht, um schwarze Wähler zu überzeugen. «2020 ist das Jahr des Erwachens – jeder in seinem Tempo, jeder auf seine Art.»

Über die «Black Lives Matter»-Bewegung

Die BLM-Demonstrationen hält Gabirano für «völlig übertrieben». So seien in den USA schon viele Regulationen eingeführt worden, um Polizeigewalt einzudämmen – etwa Bodycams. «Da machst du doch keinen Scheiss mehr, wenn du eine Bodycam an hast.» Zudem seien die Demos selbst «voll ausgeartet». Mehrere schwarze Polizisten seien in den Protesten ums Leben gekommen – darüber rede niemand. «In den US-Städten herrscht Anarchie, jeder macht, was er will.»

Gabirano vergleicht die Übernahme von Stadtteilen in Seattle durch Protestanten mit der gewalttätigen Übernahme von syrischen Städten durch die Terrormiliz Isis. Ob das US-Volk mit dem «Regime der Antifa und den Militanten» zufrieden sei, werde sich zeigen. Die jetzigen Proteste werden aber nicht die letzten gewesen sein, ist Gabirano überzeugt. «Da kommt sicher noch etwas anderes.»

Über Rassismus in der Schweiz

Mit seinen Kollegen rede er eigentlich nie über Rassismus, sagt Gabirano. Er selbst sei jedoch bereits angefeindet worden, weil er sich nicht zu den Protesten in der Schweiz geäussert hat. «Wenn du nichts dazu sagst, bist du ein Rassist. Wenn du nicht an die Demo gehst, bist du ein Rassist», sagt Gabirano. «Wenn das so weitergeht, endet es schlimm.»

In seiner Erfahrung seien gewisse Stereotype aber wahr. Etwa, dass Drogendealer oft schwarz sind, sagt Gabirano. «Etwa am Bahnhof in Bern oder bei der Reithalle sind das vor allem Araber und Schwarze, Dominikaner. Ich kann zu einem hingehen und bekomme das, wonach ich suche.» Das sei ja nicht fies, sondern einfach Tatsache. Rassismus gebe es in der Schweiz jedoch überall – jedoch gegen alle: «So hat etwa der Thurgauer den Berner nicht gern, weil dieser Berndeutsch redet.»

Über die «Mohrenkopf»-Diskussion

«Die ‹Mohrenkopf›-Geschichte nervt auch mich», sagt Gabirano. Der «Mohrenkopf» sei eine Abbildung des heiligen Mauritius. Die Wappenzeichen in der Schweiz seien eine Erinnerung an die schwarze Kultur, die der Schweiz viel gebracht habe. «Wenn du den ganzen Hintergrund und die Geschichte hinter dem Wort ‹Mohrenkopf› kennst, wirst du eigentlich verschönert», sagt Gabirano. (Anm. der Redaktion: Wie der Kolonialhistoriker Bernhard Schär gegenüber SRF sagt, entstand die Figur des «Mohrenkopfs», als die Christen die spanische Halbinsel von den nordafrikanischen Mauren zurückeroberten. Christliche Adelige hätten begonnen, die abgeschlagenen Köpfe ihrer Feinde als Wappen zu verwenden. Schär: «So wurde er zum Wappenzeichen, wie wir ihn bis heute in der Berner Mohrenzunft finden oder auch in mehreren Gemeindewappen in der Schweiz.»

Das sagt Gabirano

Auf seine Äusserungen angesprochen, wehrt sich Gabirano vehement gegen den Vorwurf, den Tod von George Floyd verharmlosen zu wollen. «Ich finde es unfair, dass man mich jetzt wegen einer Podcast-Folge als Rassisten bezeichnet.» Gerade, weil seine Podcasts normalerweise nicht mehr als 300 Hörer hätten. «Wir reden halt einfach über alles, da ist halt oft auch Bullshit dabei.»

Auf die Verschwörungstheorien in Bezug auf die US-Wahlen angesprochen, sagt Gabirano, dass er davon gelesen habe und es wichtig finde, darüber zu diskutieren. «Ich bin halt offen für Neues und höre allen zu.» Das bedeute aber nicht, dass er die Theorien auch glaube.

Auf die neue Podcast-Folge hätte er bereits mehrere negativen Reaktionen auf Social Media erhalten, sagt Gabirano. Zu Unrecht, wie er sagt: «Das ist eine Hexenjagd – jeder, der nicht die gleiche Meinung hat, wird verteufelt.» Darum sei auch egal, was er jetzt sage: «Wer denkt, ich sei ein Rassist, wird weiterhin daran glauben. Die, die mich kennen, kennen aber die Wahrheit.»

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