Umfrage zu Pestiziden - Verhelfen die Frauen der Pestizid-Initiative an der Urne zum Erfolg?
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Umfrage zu PestizidenVerhelfen die Frauen der Pestizid-Initiative an der Urne zum Erfolg?

Eine aktuelle Umfrage legt nahe, dass insbesondere Stimmbürgerinnen am 13. Juni für die Pestizid-Initiative stimmen könnten. Befürworter sehen das als positives Zeichen, Gegner kämpfen weiter für ein Nein.

von
Carla Pfister
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Zwei Initiativen wollen erreichen, dass in der Schweiz weniger oder gar keine synthetischen Pflanzenschutzmittel mehr zum Einsatz kommen. 

Zwei Initiativen wollen erreichen, dass in der Schweiz weniger oder gar keine synthetischen Pflanzenschutzmittel mehr zum Einsatz kommen.

Julian Stratenschulte/dpa
Jüngste Zahlen zeigen, dass vor allem Frauen die Reduktion von synthetischen Pestiziden ein wichtiges Anliegen ist. 

Jüngste Zahlen zeigen, dass vor allem Frauen die Reduktion von synthetischen Pestiziden ein wichtiges Anliegen ist.

Christian Jaeggi
Dominik Waser von den jungen Grünen deutet das als Zeichen. Die Initiative gehe ein wichtiges Anliegen an. 

Dominik Waser von den jungen Grünen deutet das als Zeichen. Die Initiative gehe ein wichtiges Anliegen an.

Privat

Darum gehts

  • Einer repräsentativen Umfrage zufolge gibt es einen «signifikanten Unterschied» zwischen Männern und Frauen bei der Frage, ob weniger Pestizide für sie wichtig sind.

  • Frauen messen diesem Anliegen deutlich mehr Wert bei.

  • Die Befürworter der Pestizidinitiative hoffen, dass die Frauen am 13. Juni an der Urne den Ausschlag geben werden.

  • Die Gegner halten das Anliegen für berechtigt, sagen aber, dass «mit Kanonen auf Spatzen geschossen» werde.

Die Schweizer Bevölkerung ist gemäss einer Befragung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) klar für eine Reduktion von Pestiziden in der Lebensmittelproduktion. Das Institut führt seit 2016 alle zwei Jahre eine Befragung zu den Themen Biodiversität und Nachhaltigkeit durch (siehe unten).

Rang drei von zehn Nachhaltigkeitszielen

Aus zehn Nachhaltigkeitszielen wählten die Befragten die «Reduktion des Einsatzes chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel» auf den dritten Platz – nach der Vermeidung von Foodwaste und der Stärkung lokaler Lieferketten. Auf einer Skala von eins bis sieben stimmten 39,8 Prozent der 1000 Befragten einer Reduktion von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln vollkommen zu.

Gemäss dem FiBL stösst das Anliegen vor allem bei Frauen auf Anklang: Die Reduktion von Pestiziden habe für sie eine «signifikant höhere Relevanz als unter Männern.» Die Zustimmung steige auch mit zunehmendem Alter und Bildungsniveau. Stadt- und Landbevölkerung finden das Thema gleichermassen wichtig. Auch zwischen Deutsch- und Westschweiz lassen sich gemäss der Erhebung keine Unterschiede feststellen.

«8000 Biobetriebe kommen ohne Pestizide aus»

Dominik Waser vom Initiativ-Komitee sieht das als Zeichen: «Die Initiative geht ein wichtiges Anliegen an. Die Menschen wollen keine Pestizide in ihrem Essen. Ihnen ist klar, dass 8000 Biobetriebe in der Schweiz seit Jahren tagtäglich ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel auskommen.» Die Umfrage sei der Beweis, dass Konsumentinnen und Konsumenten Wert auf umwelt- und gesundheitsbewusste Produktion legen würden. Das Import-Verbot von mit Pestiziden produzierten Produkten schütze ausserdem Bäuerinnen und Bauern vor Preisdumping.

Anders sehen das die Gegnerinnen und Gegner der Initiative. Neben dem Schweizer Bauernverband und anderen Landwirtschaftsvereinen lehnen auch SVP, FDP und die Mitte die Initiative ab. Die Mitte-Politikerin und Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums Babette Sigg ist im Gegnerkomitee der Pestizid-Initiative. «Werden Pflanzenschutzmittel verboten, sind Fäulnis, Schimmelbefall und somit Ernteausfälle die unvermeidbare Folge. Foodwaste würde gefördert, was kaum im Sinn der Initianten sein kann», sagt Sigg.

«Kämpfen weiter für ein Nein»

Importierte Früchte und Gemüse würden gemäss Sigg ebenfalls unter die Auswirkungen der Pestizid-Initiative fallen. Das würde die Auswahl an Produkten erheblich schmälern. «Im Resultat führen die Initiativen zu mehr Einkaufstourismus und ökologisch fragwürdigen Importen von Produkten, deren Herstellungsstandards oft weit unter denen der Schweiz liegen.»

Zur Befragung meint Sigg, dass die modernen Messmethoden viel genauer seien. Somit entstehe der Eindruck, landwirtschaftliche Produkte seien nicht mehr gesund. Das Anliegen, dass weniger Pestizide in Wasser und Nahrungsmittel landeten, sei daher grundsätzlich legitim. «Doch hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Die Landwirte investieren seit Jahren sehr viel, um Pflanzenschutzmittel auf ein Minimum zu reduzieren. Selbstverständlich unterstützen wir das Teilziel, auf nachhaltigen Lebensmittelkonsum bezogen, ebenfalls.» Die Gegner der Initiative würden weiter für ein «Nein» an der Urne kämpfen und seien zuversichtlich, dieses Ziel auch zu erreichen.

Die Befragung

Die Repräsentativbefragung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) wird seit 2016 regelmässig durchgeführt. 1000 Personen aus der West- und der Deutschschweiz werden zu den Themen Nachhaltigkeit und Biokonsum befragt. So sollen Konsumtrends über die Zeit festgestellt werden.

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