Forderung nach Präventionsstelle  – Verhindern, dass Pädophile ihre sexuelle Neigung ausleben 

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Forderung nach Präventionsstelle Verhindern, dass Pädophile ihre sexuelle Neigung ausleben 

Ein Prozent der männlichen Bevölkerung hat offenbar eine pädophile Neigung. Im Kanton Zürich gibt es deshalb eine kantonale Präventionsstelle Pädosexualität. Und sie wird genutzt. Nun soll auch in Luzern eine solche Stelle geschaffen werden.

von
Daniela Gigor
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In Zürich sind elf Männer in einer längerfristigen und freiwilligen Behandlung, weil sie eine pädophile Neigung haben. (Symbolbild) 

In Zürich sind elf Männer in einer längerfristigen und freiwilligen Behandlung, weil sie eine pädophile Neigung haben. (Symbolbild) 

Reuters
2016 verlangten Nathalie Rickli (SVP) und Daniel Jositsch (SP) vom Bundesrat abzuklären, ob sich mittels Prävention pädophile Übergriffe verhindern lassen könnten. 

2016 verlangten Nathalie Rickli (SVP) und Daniel Jositsch (SP) vom Bundesrat abzuklären, ob sich mittels Prävention pädophile Übergriffe verhindern lassen könnten. 

Anna-Tia Buss / Tamedia 
SP-Ständerat Daniel Jositsch.  

SP-Ständerat Daniel Jositsch.  

Tamedia 

Darum gehts

  • Weil ein Prozent der männlichen Bevölkerung eine pädophile Neigung hat, sind entsprechende Beratungsstellen nötig. 

  • Im Kanton Zürich wurde die erste im letzten Sommer eröffnet. 

  • Seither waren 21 Männer freiwillig in Beratung und elf Betroffene sind in einer längerfristigen Behandlung. 

  • Nun hat die SP ein Postulat eingereicht, indem der Regierungsrat beauftragt wird, den Aufbau einer eigenen Präventionsstelle Pädosexualität im Kanton Luzern zu prüfen.

Der Kanton Zürich hat im Sommer 2021 die erste Beratungsstelle für Menschen mit pädosexuellen Neigungen eröffnet. Weil ein Prozent der männlichen Bevölkerung eine pädophile Neigung hat, sind solche Stellen nötig. «Bisher sind 21 Männer bei uns in Abklärung und davon sind elf Betroffene in einer längerfristigen Behandlung», sagt Fanny de Tribolet-Hardy, Psychotherapeutin und Leiterin der Präventionsstelle in Zürich. Diese Präventionsstelle ist der Klinik für Forensische Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik (PUK) angegliedert und sie bietet Beratung und Behandlung für Menschen an, die Hilfe suchen, weil sie sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und unter dieser psychischen Störung leiden. Das Therapieangebot ist für Einwohner des Kantons Zürich anonym und kostenlos.

Das Ziel ist laut de Tribolet-Hardy, sexuelle Übergriffe durch direkten körperlichen Kontakt oder indirekt durch den Konsum oder die Herstellung von Bildern mit sexueller Gewalt an Kindern im Internet zu verhindern. Pädophile Neigungen liessen sich nicht wegbehandeln. «Es geht darum, dass die Betroffenen ihre pädophile oder hebephile Neigung akzeptieren und mit ihr leben zu lernen und Verantwortung übernehmen.» Weil diese Menschen aber auch meistens sexuelle Präferenzen gegenüber Erwachsenen hätten, soll etwa auch diese Möglichkeit gestärkt werden.  

Als mögliche Beratungsstelle wäre etwa die Luzerner Psychiatrie geeignet

Nun hat die SP ein Postulat eingereicht, indem der Regierungsrat beauftragt wird, den Aufbau einer eigenen Präventionsstelle Pädosexualität im Kanton Luzern zu prüfen. Denkbar ist auch die Anbindung an eine entsprechende bestehende Stelle in der Deutschschweiz und einen Anschluss an das Koordinationsnetzwerk «Kein Täter werden». Eine Beratungsstelle in Luzern würde die Leiterin der Präventionsstelle in Zürich begrüssen. Dies auch darum, weil sie häufig von Betroffenen oder deren Angehörigen aus Luzern und anderen Zentralschweizer Kantonen kontaktiert werde. De Tribolet-Hardy sagt: «Je ländlicher die Gegend ist, umso ängstlicher sind die Betroffenen.»  

Als mögliche Beratungsstelle sei eine grössere Institution wie etwa die Luzerner Psychiatrie geeignet. Sie begründet das damit, dass diese Arbeit sehr anspruchsvoll ist und viel Verantwortung mit sich bringt. Bis es so weit ist, empfiehlt de Tribolet-Hardy Betroffenen und ihrem Umfeld, sich die erste Hilfe im Internet auf der Seite «Kein Täter werden» zu holen.    

Angestossen wurde das Projekt gemeinsam von SVP- und SP-Vertretern  

Das Projekt «Kein Täter werden» ist seit mehreren Jahren in Deutschland etabliert. 2016 verlangten Nathalie Rickli (SVP) und Daniel Jositsch (SP) vom Bundesrat abzuklären, ob sich mittels Prävention pädophile Übergriffe verhindern lassen könnten. In der Folge kam der Bundesrat zum Schluss, dass er den kantonalen Gesundheitsbehörden empfahl,  Beratungs- und Behandlungsangebote für Menschen mit pädophiler Neigung aufzubauen. Laut dem Postulat der SP ist der Bund auch bereit, die Finanzhilfen auszuweiten und Beratungsangebote zu subventionieren. 

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