Krawalle über Ostern : Verhindern Kameras Ausschreitungen am See?

Aktualisiert

Krawalle über Ostern Verhindern Kameras Ausschreitungen am See?

Kaum steigen die Temperaturen, kommt es zu Krawallen rund um das Zürcher Seebecken. Politiker fordern nun mehr Überwachungskameras am Utoquai.

von
som

Am Osterwochenende kam es an der Seepromenade zu Ausschreitungen.

Das Zürcher Seeufer ist ein Magnet für Jugendliche – allerdings auch für solche, die auf Krawalle aus sind. Zuletzt passierte es am Osterwochenende. Container brannten, Gasflaschen flogen – die Polizei setzte Wasserwerfer ein.

Polizei und Stadt erarbeiten neue Massnahmen, um die Situation am See im Hinblick auf den Sommer in den Griff zu bekommen. Denn für Stadtpolizei-Medienchef Marco Cortesi ist klar: Die Polizei könne das Problem nicht alleine lösen. Genaueres gibt die Polizei aber aktuell noch nicht bekannt.

Gemäss der «NZZ am Sonntag» ist ein zentrales Problem am See die Anonymität. So kommen gemäss der Zeitung die meisten jungen Besucher aus der Agglomeration nach Zürich. Anonymität gepaart mit Alkohol senke die Hemmschwelle massiv.

Mehr Kameras am See

Politiker fordern nun gegen diese Anonymität mehr Kameras. FDP-Gemeinderat und Anwalt Severin Pflüger findet, dass diese ein bewährtes Mittel sind. Zwar verfüge die Stadtpolizei bereits über fix installierte Kameras beim Bernhard-Theater, beim Bellevue und beim Bürkliplatz, die sie vor allem bei Grossanlässen nutze. «Es wäre es aber sinnvoll, wenn diese immer laufen würden», sagt er zu 20 Minuten.

Nur wenn es zu Straftaten komme, würde die Polizei das Videomaterial sichten: «Sonst wird es nach 24 Stunden ungesehen gelöscht.» Zudem verlangt Pflüger neben mehr Polizeipräsenz weitere Kameras an den Brennpunkten entlang der Seepromenade: «Das würde wesentlich zur Gewaltprävention beitragen. Denn wer so erwischt wird, macht es in der Regel nicht ein zweites Mal.»

Weniger Sachbeschädigung

Er will im Parlament demnächst einen entsprechenden Vorstoss einreichen: «So hat sich unsere Fraktion schon dafür eingesetzt, dass bei Schulen Kameras installiert werden.» Sachbeschädigungen seien seither zurückgegangen.

SVP-Fraktionspräsident Roger Bartholdi würde einen Pilotversuch an der Seepromenade mit vereinzelten Kameras begrüssen: «Es würde helfen, Täter zu überführen oder Gewalttaten gar zu verhindern.» Grundsätzlich sollte mit Kameras aber sehr zurückhaltend umgegangen werden: «Wir wollen keinen Überwachungsstaat.»

Kameras schränken Freiheit der Bürger ein

SP-Gemeinderat Pascal Lamprecht glaubt nicht, dass flächendeckende Kameras helfen, Verbrechen zu verhindern: «Das zeigen Studien aus anderen Städten.» Kameras vermittelten Scheinsicherheit: «Gerade von den Rädelsführern können sie leicht umgangen werden.» Zudem schränkten Überwachungskameras die Freiheit der Bürger ein.

Vielmehr braucht es laut Lamprecht verstärkte Präventionsmassnahmen und die Polizei sollte am See stärker präsent sein: «Aber durch ein freundliches und bestimmtest Auftreten. Nicht erst, wenn es zu Problemen kommt.»

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