Aktualisiert 29.04.2008 09:50

Verhoeven: «Jesus war der Sohn eines Vergewaltigers»

Regisseur Paul Verhoeven («Basic Instinct») versucht sich als Theologe: Er behauptet, Jesus sei der Sohn eines römischen Soldaten, der Maria vergewaltigte.

von
Daniel Huber

Der niederländische Filmemacher Paul Verhoeven hat eine Jesus-Biographie geschrieben, die im September dieses Jahres im Amsterdamer Verlag Meulenhoff erscheinen soll («Jezus van Nazareth: een realistisch portret»; dt.: «Jesus von Nazareth: ein realistisches Porträt»). Für 2009 plant Verhoeven (69) eine englische Übersetzung, die dann genug Interesse für eine Verfilmung wecken sollte. Für sein Werk habe der Katholik Verhoeven nicht weniger als 20 Jahre lang recherchiert, berichtete die Kinozeitschrift «Hollywood Reporter» letzte Woche.

Realistisches Porträt

Jesus war, so glaubt Verhoeven, der Sohn eines römischen Soldaten; wohl einer jener Legionäre, die um die Zeitenwende herum einen jüdischen Aufstand in Galiläa blutig niederschlugen. Damit nicht genug: Jesu leiblicher Vater war ein Vergewaltiger, der sich die Jungfrau Maria mit Gewalt nahm. Im Vergleich damit dürfte sich Verhoevens Behauptung, Jesus sei nicht von Judas Ischariot — einem der zwölf Jünger — verraten worden, geradezu harmlos ausnehmen.

Der studierte Regisseur — Verhoeven besitzt einen Doktortitel in Mathematik und Physik der Universität Leiden — ist überzeugt, dass er mit seinem Ko-Autor, seinem Biographen Rob van Scheers, die bisher realistischste Jesus-Biographie verfasst hat.

Verhoeven wollte nach eigenem Bekunden zeit seines Lebens einen Jesus-Film drehen, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Er ist festes Mitglied des «Jesus Seminars» des verstorbenen amerikanischen Bibelforschers Robert W. Funk; einer Gruppierung, die rund 200 Personen umfasst und sich der kritischen Rezeption der Heiligen Schrift unter Berücksichtigung historischer Gegebenheiten verschrieben hat. Insbesondere hat das «Jesus Seminar» Wunder und Aussagen, die in der Bibel Jesus zugeschrieben werden, unter eine eher skeptische Lupe genommen.

«Lächerlich»

Konservative christliche Kreise zeigen sich erwartungsgemäss wenig begeistert von dem verhoevschen Werk. Bill Donohue, Präsident der amerikanischen Catholic League, bezeichnete Verhoevens Vergewaltiguns-These gegenüber dem amerikanischen Fernsehsender Foxnews.com als «lächerlich». Ziel des «Jesus Seminars» sei es, die Göttlichkeit Jesu in Frage zu stellen.

Verhoeven könne keinen einzigen empirischen Beweis vorbringen, der seine Behauptung stütze, meint Donohue, der es daher bezeichnend findet, dass Verhoeven vorsichtig formuliert, Maria sei «wahrscheinlich» vergewaltigt worden. Für den gläubigen Katholiken Donohue gilt allerdings das — von empirischen Beweisen kaum befleckte — Dogma der Jungfrauengeburt (siehe InfoBox rechts). Theologisch gesehen ist Verhoevens These in der Tat ein direkter Angriff auf dieses Dogma.

Altbekannte These

Aber auch von akademischer Seite wird Kritik laut. Kirk Bingaman von der Fordham University's Graduate School of Religion weist laut Foxnews.com darauf hin, dass die These einer Vergewaltigung von Maria nicht eben neu ist. Sie gehe zurück auf wenig glaubwürdige Quellen aus dem ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus. Manche Forscher sehen darin ein Gerücht, das von anti-christlichen, namentlich jüdischen Kreisen damals, als das überhaupt noch möglich war, in Umlauf gebracht worden sei.

Nicht alle Historiker und Theologen weisen indes die These, Maria sei von einem römischen Soldaten vergewaltigt worden, in Bausch und Bogen zurück. Vor allem Hinweise im Neuen Testament, wonach sich Maria nach dem Beginn ihrer Schwangerschaft in einem desolaten Zustand befunden habe, werden in diese Richtung interpretiert. Sogar der Name des fraglichen römischen Soldaten soll überliefert sein: Panthera, ein häufig vorkommender Name im römischen Heer.

Die Jungfrauengeburt

ist ein Dogma des christlichen Glaubens. Dieses besagt, dass Jesus im Leib seiner Mutter, der Jungfrau Maria, empfangen wurde, ohne dass ein Vater aus Fleisch und Blut daran beteiligt war.

Das Wunder der Empfängnis geschah demnach, als der Heilige Geist wie bei der Verkündigung beschrieben über Maria kam und «Kraft des Höchsten» sie «überschattete», wie es der Evangelist Lukas (Lk. 1, 26-38) schildert.

In der katholischen Tradition hat Maria Jesus überdies nicht nur als Jungfrau empfangen, sondern blieb während der Geburt und danach zeitlebens eine Jungfrau, die mit Josef nur dem Namen nach verheiratet war.

Das Dogma der Jungfräulichen Geburt wird oft mit dem Dogma der Unbefleckten Empfängnis (immaculata conceptio) verwechselt. Unbefleckte Empfängnis meint jedoch, dass Gott Maria im Moment ihrer Zeugung von der Erbsünde befreite.

(Quelle: Wikipedia.org)

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