Aktualisiert 22.06.2020 20:46

Verkannte Perlen

Bezahlbare Bijous sind echte Geheimtipps. Wir haben uns auf die Suche nach solchen Underdogs gemacht und sind neunmal fündig geworden.

von
Georg Kacher
1 / 9
BMW 2er-Cabrio: Mit Fahrspass-Garantie.

BMW 2er-Cabrio: Mit Fahrspass-Garantie.

Foto: BMW
Fiat Tipo Kombi: Platzmeister zum Dumping-Preis.

Fiat Tipo Kombi: Platzmeister zum Dumping-Preis.

Fiat
Hyundai i30 N Fastback: Babyblaue Verführung mit 275 PS.

Hyundai i30 N Fastback: Babyblaue Verführung mit 275 PS.

Hyundai

Es ist eine Binsenweisheit, dass Skoda die günstigeren Volkswagen baut, bereits der Basis-Golf die allermeisten Transportanforderungen erfüllt, das Tesla Model 3 in punkto Reichweite, Beschleunigung und Gegenwert kaum zu toppen ist. Wir haben neun Fahrspass-Alternativen zum Establishment, Geheimtipps für kühle Rechner, spannende und trotzdem bezahlbare Underdogs gefunden.

BMW M240i Cabrio

Heckantrieb! Sechszylinder! Kampfpreis! Stimmt, der 2er ist in die Jahre gekommen. Das merkt man am veralteten Infotainment, der trägen Connectivity und den fehlenden Assistenzsystemen. Dafür ist er ein BMW in Reinform: agil, spurtstark, solide, geschmeidig. Dieses Auto zelebriert dort, wo es passt, die hohe Schule des Leistungs-Übersteuerns. Der 340 PS starke Motor frönt dem Dreisatz aus Antritt, Durchzugkraft und Genügsamkeit. Das Verdeck besteht aus Stoff, wie ab 2021 auch beim neuen 4er. Der 64'500 Franken teure Luftikus ist ein emotionales Stück Freiheit mit Fahrfreude-Garantie.

Fiat Tipo Kombi 1.4 T-Jet

Falsche Marke? Verkehrtes Modell? Mitnichten. Der erst 2019 lancierte Tipo mag ein Low-Tech-Auto sein, aber er ist Wertmeister in Sachen Laderaum, Ausstattung und Motorisierung. Selbst mit dem stärksten Benziner und fast allen Extras liegt der Listenpreis bei nur 26'890 Franken. Benziner und Diesel leisten jeweils 120 PS, die Lenkung ist etwas indirekt, und die Federung reagiert mürrisch auf Schlaglöcher. Doch der Italiener, der maximal 1650 Liter Gepäck zuladen darf, geht gut und ist fahrsicher, die Verarbeitung überzeugt, die Bedienung kommt ohne verspieltes Digitalgedöns aus, und die Unterhaltskosten sind entwaffnend günstig.

Hyundai i30 N Fastback

38’490 Franken kostet der i30 N als kompaktes Schrägheck, doch das Fastback (900 Franken teurer) ist schnittiger, geräumiger und erwachsener. Als Muss für Kenner gilt die Lackierung in der Motorsport-Farbe Babyblau – auch daran merkt man, dass die Entwicklung vom einstigen Technik-Chef der BMW M GmbH verantwortet wurde. Für relativ kleines Geld bietet der 275-PS-Koreaner mit den bayrischen Genen tolle Fahrleistungen (0–100 km/h in 6,1 Sekunden, 250 km/h Spitze) bei geringem Verbrauch (nach WLTP nur 7,8 l/100km). Auch das knackige Fahrwerk, die eilfertige Lenkung und die souveränen Bremsen sind echte Freudespender.

Kia Xceed 1.4 T-GDI

Korea zum Zweiten, diesmal als Crossover, der etwa 10’00 Franken weniger kostet als ein vergleichbarer BMW X2. Im Gegensatz zum Wettbewerb verzichtet Kia in dieser Klasse allerdings auf den Allradantrieb, hat dafür aber einen Plug-in Hybrid (Xceed PHEV ab 42'400 Franken) im Programm. Im Prinzip tuts die 140 PS-Variante, die selbst mit Leder, Glasschiebedach, Navi und anderen Extras unter 37'000 Franken bleibt – inklusive Sieben-Jahres-Garantie und vermutlich geringem Wertverlust. Wer es lieber konventionell mag, kann zwischen drei weiteren Versionen wählen. Kombi und Fünftürer kosten das gleiche Geld, oder gegen Aufpreis für den schicken und besser ausgestatteten Proceed Shooting Brake.

Mercedes-Benz GLB 200d

Der heimliche Held der Kompaktwagenflotte im Zeichen des Sterns ist der GLB. Der mit Stilelementen der G-Klasse aufgepeppte SUV zielt in die Lücke zwischen BMW X1 und X3 oder Audi Q3 und Q5. Auf Wunsch verbauen die Schwaben sieben Sitze, vier angetriebene Räder und einen bei AMG getunten Vierzylinder mit 306 PS. Zu den Pluspunkten gehören der variable Innenraum, das MBUX-Bediensystem, die sehr guten Sitze und das vergleichsweise leichtfüssige Handling. Ab 50'000 Franken gibts den flinken (0–100km/h in 9,1 Sekunden) und sparsamen (6,1 l/100km) 150 PS starken Diesel. Achtung: sehr teure Extras!

Porsche 718 Boxster 2.0

Nur vier Zylinder, Doppelkupplungsgetriebe kostet Aufpreis, das Stoffdach schränkt die Sicht nach schräg hinten stark ein. Warum nicht das günstigere Cayman Coupé nehmen, am besten gleich mit der 2,5 Liter-Maschine? Weil der Boxster die Sinne belebt, der 2-Liter-Motor den Geldbeutel schont und bereits das Grundmodell mit null Ausstattung 100 Prozent Fahrspass verspricht. Zwischen dem 300 PS starken 718 2.0 (ab 75'800 Franken) und dem GTS 4.0 mit 400 PS liegen über 32'000 Franken. Und ob dem guten Stück bei 275 oder erst bei 293 km/h die Luft ausgeht, ist doch schnurzegal.

Renault Grand Scenic TCe 140

Ein gefühltes Jahrhundert nach dem ersten VW Bulli ist es langsam an der Zeit, dem Minivan eine Kerze anzuzünden. Im ewigen Licht sonnt sich auch Renault, das mit dem Espace die Gattung einst für die anspruchsvolle Bourgeoisie neu erfunden hat. Doch die Tage des Pariser Raumgleiters sind gezählt, und auch der kleinere Scenic soll keinen Nachfolger erhalten. Schade, denn vor allem die Ausführung mit um 23 Zentimeter verlängertem Radstand und drei Sitzreihen ist nicht nur konkurrenzlos vielseitig, sondern auch erfreulich günstig (ab 32'500 Franken). Ausserdem mit den serienmässigen 20-Zoll-XXL-Rädern besonders gut proportioniert.

Toyota GT86

Knight Rider. Fast and Furious. Need for Speed. Wenn da nichts klingelt, können Sie die nächsten Zeilen getrost vergessen. Denn der GT86 (und sein Schwestermodell, der Subaru BRZ) ist weder ein Altherren-Toyota noch ein zweitüriger Prius auf Droge, sondern eine minimalistische Fahrmaschine für die ewig junge Banzai-Generation. Zum Preis von 34'900 Franken bietet die Spar-Alternative zum Supra unter der Motorhaube ein Boxermotor-Kuckucksei von Subaru sowie ein Rennstrecken-taugliches Chassis, erstaunlich kräftige Bremsen und eine reaktionsschnelle Lenkung. Nur mit dem Komfort hat er es nicht so.

VW Polo 1.0

In mancher Hinsicht ist der Polo der bessere Golf. Er kostet ein paar Tausender weniger, wirkt innen ähnlich erwachsen, ist intuitiver zu bedienen, vergleichbar verarbeitet und in der 115 PS-Ausführung (ab 24'000 Franken) spritzig genug. Beim Überholprestige und auf den Laufstegen der Flaniermeilen muss der Polo-Kunde Abstriche machen, nicht aber bei Qualität, Anmutung, Komfort und Handling. Der kleine VW fährt, lenkt und bremst auf ähnlich hohem Niveau wie die teureren VW-Modelle. Die magere Ausstattung kann für relativ kleines Geld nachgebessert werden. Bemerkenswert, dass selbst der 200 PS starke Polo GTi (32'150 Franken) nur wenig mehr kostet als der billigste Golf mit 110 PS.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
8 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Peter V.

23.06.2020, 19:35

FIAT's Tipo durfte ich vor kurzem zur Probe fahren - Kombi mit Diesel + Doppelkupplungsgetriebe. Fazit: komfortables Fahrwerk, ja, indirekte Lenkung stimmt (leider), laufruhiger Diesel mit top Drehmoment im tiefsten Drehzahlbereich (1'400 min/). Zudem bietet FIAT auf dem CH Markt aktuell 10 Jahre / 100'000 km Garantie an - was für ein tolles Angebot (durchschnittlicher Listenpreis 27'000 CHF für ein top ausgerüstetes Fahrzeug)!

Ronny C.

23.06.2020, 07:09

Der GT86 wird in Kürze eingestellt, die alten Motoren schaffen die neuen Grenzwerte nicht mehr. Die Japaner sind von high tech zu technisch bestenfalls Mittelmass verkommen. Ahnlich wie bei Lexus, dem Hybridpionier. Tesla hat der Autowelt gezeigt, wie man es richtig macht. Was machte Lexus....Hybridautos....dabei hätten die Japaner Firmen wie Panasonic, die was von Hochleistungsakkus verstehen. Komische Strategie.

Zorro

23.06.2020, 06:50

Ich finde den GT86 sehr konfortabel! Das ist ein toller Sportwagen und macht mega viel Spass zum Fahren!