Château Gütsch: Verkauf bleibt für Lebedev Option
Aktualisiert

Château GütschVerkauf bleibt für Lebedev Option

Potenzielle Käufer aus der ganzen Welt interessiern sich für das Schloss Gütsch in Luzern. Derweil gehe die Sanierung des bestehenden Hotels voran, sagt Verwaltungsrat Bernard P. Schiess in einem exklusiven Interview.

von
Martin Messmer

Ist Alexander Lebedev nach wie vor gewillt, das Hotelprojekt Baluardo zu bauen?

Bernard P. Schiess: Die heutige Beurteilung zeigt, dass das Hotel erweitert werden muss, damit es wirtschaftlich betrieben werden kann; die derzeitige Anzahl von Zimmern ist dafür nicht ausreichend. Das bewilligte Projekt Baluardo erlaubt die gewünschte Erweiterung. In Abhängigkeit der Betreiberfrage wird entschieden werden müssen, in welchen Etappen die Realisierung dann erfolgt. Der Wille zur Realisierung ist also vorhanden.

Wie teuer wird das Projekt Baluardo - und kann der Besitzer Alexander Lebedev finanzieren?

Das Projekt Baluardo ist mit rund CHF 70 Millionen budgetiert. Zur Finanzierung gilt im Grunde das oben gesagte: Abhängig davon, ob wir uns letztendlich für die Verkaufs- oder die Betreibervariante entscheiden, ergeben sich verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten.

Wie steht es um die derzeitigen Arbeiten im bestehenden Hotel und Restaurant?

Vor der Weihnachtspause mussten Arbeiten zur Erhaltung der Struktur, wie Sanierung des Daches durchgeführt werden. Dann hat man Modernisierungen bei der Infrastruktur, wie Elektrifizierung etc. vorgenommen. Jetzt werden die Zimmer und die öffentlichen Bereiche renoviert, und das Designkonzept des Innendesigners Martyn Lawrence Bullard aus Los Angeles umgesetzt.

Wann soll der Gütsch (Restaurant und bestehendes Hotel) wiedereröffnen?

Der definitive Zeitplan zur Eröffnung des Hotels wird derzeit von den Planern erarbeitet und der Stadt Luzern in den nächsten Tagen unterbreitet. Die Eröffnung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Es wäre derzeit also noch verfrüht, konkrete Angaben zu machen. Von der Grössenordnung her können wir aber sagen: Herbst 2013, idealerweise parallel zur Fertigstellung der Gütschbahn.

Was ist mit dem Gütsch-Lift?

Die Bestellungen sind vorgenommen. Die grosse Unbekannte für die Gütschbahn ist derzeit die Talstation; wie bereits kommuniziert, muss diese etwas angepasst werden. Wann mit dem Bau der Talstation und damit der Gütschbahn begonnen werden kann, hängt jetzt von der Baubewilligung für die Talstation ab. Sollten sich dort keine Verzögerungen ergeben, rechnen wir mit der Inbetriebnahme im Herbst 2013.

Im letzten Dezember gab es Verkaufsgerüchte. Überlegte sich Lebedev einen Verkauf?

Der Familie Lebedev geht es nach wie vor in erster Linie darum, den langfristigen Betrieb des Château Gütsch sicherzustellen, dies auch in Kenntnis der Bedeutung des Hauses für Luzern und deren Bevölkerung. Es werden daher alle Optionen geprüft, welche diesem Ziel dienen können, denn die Zukunft ist nur gesichert, wenn das Haus auch wieder eine vernünftige Rendite abwerfen kann. Hierbei ist auch ein Verkauf denkbar. In diesem Zusammenhang hat eine von uns nicht autorisierte Annonce einen überraschend positiven Werbeeffekt gehabt, da uns daraufhin zahlreiche Interessenten - sowohl Betreiberkandidaten als auch potentielle Käufer - kontaktiert haben.

Was sind das konkret für Interessenten?

Bei uns haben sich Kaufinteressenten aus dem arabischen Raum, Chinesen und internationale Hotelketten gemeldet - weil sie wissen, das Luzern eine der schönsten Städte der Welt ist.

Können Sie Namen von Betreibern des bestehenden Hotels und Restaurant nennen?

Es haben sich etliche mögliche Betreiber von selber bei uns gemeldet, darunter Spitzenköche aus dem Ausland, aber auch interessante lokale Bewerber.

Wieviel Geld will Alexander Lebedev in die Bauprojekte für Sanierung des bestehendes Hotels und des Restaurantes investieren?

Herr Lebedev stellt für die Sanierung des Hotels und der Gütschbahn rund CHF 7 Mio. zur Verfügung.

Warum hatte sich Lebedev damals überhaupt entschlossen, den Gütsch zu kaufen?

Es war schlicht ein coup de coeur.

Wann war Alexander Lebedev und sein Sohn das letzte Mal in Luzern?

Evgeny Lebedev war in der letzten Januarwoche auf dem Gütsch. Er und sein Vater werden laufend über den Projektstand informiert.

Nach wie vor gültig ist das Ultimatum, dass die Stadtbehörden der CGI stellt. Welche Auflagen müssen sie bis Ende Februar erfüllen, damit die Baubewilligung nicht verfällt?

Die Baubewilligung ist an den Baustart der ersten Etappe geknüpft. Als erste Etappe wurde die Sanierung und die Wiederinbetriebnahme der Gütschbahn vereinbart. Diese Etappe ist aus Gründen der Verkehrssicherheit auf der SBB-Strecke etwas ins Stocken geraten; wie bekannt, muss die bauliche Gestaltung der Talstation angepasst werden. An der Realisierung der ersten Etappe wurde stets und wird auch jetzt mit Hochdruck gearbeitet. Nach unserer Ansicht sind damit sämtliche Auflagen erfüllt. Die Stadt wünscht verständlicherweise aber zusätzliche Informationen zur Sanierung des Château. Diese Sanierungen stehen aber in keinem Zusammenhang mit der Baubewilligung.

Hotel, Restaurant und Bahn hätten nach mehreren Verschiebungen Ende November 2012 eröffnet werden sollen. Wieso geschah dies nicht?

Hauptursache hierfür sind die erwähnten, notwendig gewordenen Umplanungsmassnahmen der Talstation der Gütschbahn. Hinzu kommt, dass die Sanierung des Château und die Koordination mit Los Angeles mehr Zeit in Anspruch nehmen, als ursprünglich geplant.

Wieso haben Sie nicht aktiv über die Verschiebungen informiert?

Diesbezüglich müssen wir uns wohl etwas «an der Nase nehmen».

Bei vielen Luzerner Bürgern und Politikern war der Unmut gross. Verstehen Sie im Nachhinein diesen Ärger?

Ja und Nein. Es ist richtig, dass in der Vergangenheit etwas aktiver hätte informiert werden können. Wie die Stadt aber richtig mitgeteilt hat, fand am 20. Dezember 2012 noch eine Sitzung bezüglich Anpassung der Talstation Gütschbahn statt. Wir waren daher damals der Meinung, alles sei klar. Schade ist allerdings, dass den Bemühungen, den Gütsch aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken, soviel Missgunst entgegengebracht wird - und das seit dem Kauf. Das ist für die Familie Lebedev nicht nur schwer verständlich, sondern dient auch der Motivation nicht.

Es sei fast unmöglich, an Besitzer Alexander Lebedev heranzukommen, heisst es bei der Stadt. Kann die CGI helfen, den Kontakt herzustellen?

Wir besitzen einen direkten Kontakt zu ihm. Das macht es sicher leichter, denn er ist bekanntlich ein vielbeschäftigter Mann.

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